Ein niedriger Tunnel unter Bahngleisen - der Tunnel und Nistkästen helfen Fledermäusen an der Bahn-Neubaustrecke Ulm-Wendlingen (Foto: SWR, Kristina Priebe)

Auch Nistkästen als ökologischer Ausgleich

Tunnel für Fledermäuse an der Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm

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An der Neubaustrecke der Bahn von Wendlingen nach Ulm gibt es zahlreiche Tunnel. Zwei sind für Fledermäuse - sie sollen den unter Naturschutz stehenden Tieren Orientierungshilfe bieten.

Eine beringte Fledermaus "Großes Mausohr" in einer Hand. Zur Rettung der Fledermäuse wurde eigens ein Tunnel unter die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm gebaut. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Patrick Pleul (Sujetbild))
Auch die Fledermausart "Großes Mausohr" lebt auf der Alb und entlang der Neubaustrecke der Bahn Wendlingen-Ulm. picture alliance/dpa/Patrick Pleul (Sujetbild)

Auf der A8 rauschen die Autos Richtung Ulm und Stuttgart. Gleich neben der Fahrbahn verlaufen die Gleise der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm. Bald wird sie in Betrieb gehen, ICE-Züge werden dann dort mit Tempo 250 unterwegs sein - ein gefährliches Terrain für Fledermäuse.

Fledermaustunnel unter den Bahngleisen

Damit die Tiere gefahrlos vom einen Waldstück ins andere kommen, wurden als Querungshilfe zwei Fledermaustunnel unter der Bahnstrecke hindurch gebaut. Die seltsamen Bauwerke fallen auf, denn sie sind für Menschen eindeutig zu niedrig - und zu dunkel - für Fledermäuse jedoch genau richtig. Denn die Tiere fliegen ungern über die offenen Gleise und über die Autobahn, für sie eine viel zu breite Lücke zwischen zwei Waldrändern, ohne Orientierungspunkte, sagt der Neu-Ulmer Biologe Ralf Schreiber.

"Um zwischen den Wäldern hin und her zu fliegen, nutzen die Fledermäuse alles, wo sie sich praktisch entlanghangeln können mit ihrem Ultraschall. Und in dem Fall ist es dann halt der Tunnel."

Fledermaus-Tunnel als Ausgleich für gefällte Bäume

Die Tunnel gehören zu den ökologischen Ausgleichsmaßnahmen, die die Bahn entlang der Neubaustrecke für die Fledermäuse leisten musste. Denn für den Bau der Bahnstrecke wurden viele Bäume gefällt, die auch Fledermäusen als Unterkunft dienten.

Mann auf einer Leiter kontrolliert einen an einem Baum hängenden Kasten - ein Tunnel und Nistkästen helfen Fledermäusen an der Bahn-Neubaustrecke Ulm-Wendlingen (Foto: SWR, Kristina Priebe)
Vögel unerwünscht! Dutzende Nistkästen im Wald entlang der Bahnstrecke als neues Zuhause für Fledermäuse gehören zu den ökologischen Ausgleichsmaßnahmen. Der Neu-Ulmer Biologe Ralf Schreiber kontrolliert, ob und wie die Kästen genutzt werden. Kristina Priebe

Nistkästen als neue Heimat für Fledermäuse

Die andere Maßnahme findet sich in einem Waldstück ganz in der Nähe von Merklingen: Hier hängen 32 Fledermauskästen an den Bäumen. Die müssen einmal im Jahr kontrolliert werden. Auch um zu sehen, ob die Fledermäuse die Kästen annehmen, sagt Ulrike Barleben, zuständig bei der Deutschen Bahn für Natur- und Artenschutz.

"Wir schätzen, dass ungefähr 50 Prozent der Kästen angenommen werden."

Genau könne sie das aber nicht sagen. Fledermäuse würden immer wieder gerne zu ihren bevorzugten Habitaten zurückfliegen. Kämen neue Lebensräume dazu, müssten sie sich erst einmal daran gewöhnen.

Fledermauskontrolle mit Hilfe der "Hinterlassenschaften"

Wo Fledermäuse waren, erkennen die beiden Fachleute an den Hinterlassenschaften in den Kästen. Gelegentlich lässt sich daran auch erkennen, wenn sich ein "Besetzer" eingenistet hat - eine Meise beispielsweise. An sich seien die Nistkästen für Vögel unattraktiv gestaltet, es komme aber doch vor. Wird ein Meisennest im Nistkasten entdeckt, wird es weggeräumt, schließlich ist der Platz für Fledermäuse reserviert.

Ein Schild mit dem Bild einer Fledermaus an einem Baum zeigen, dass hier Fledermäuse Unterschlupf finden. Tunnel und Nistkästen helfen Fledermäusen an der Neubaustrecke der Bahn von Wendlingen nach Ulm.  (Foto: SWR, Kristina Priebe)
"Hier wohne ich" - die Bäume, in denen die Fledermäuse nach ihrem Winterschlaf in einem Kasten Unterschlupf finden sollen, sind mit kleinen Fledermausschildern markiert. Kristina Priebe

Die Bäume, in denen die Fledermäuse nach ihrem Winterschlaf Unterschlupf finden sollen, sind mit kleinen Schildern markiert. Eine kleine Fledermaus ist darauf zu sehen, darunter steht: "Hier wohne ich."

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