Heike Sauer liegt inmitten ihrer bunten Figuren  (Foto: Heike Sauer)

Wenn das Publikum ausbleibt

Flaute bei Konzerten und Kleinkunst rund um Ulm

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Anita Schlesak
Anita Schlesak (Foto: SWR)

Schon wieder werden Konzerte verschoben und Auftritte abgesagt! Nicht wegen Corona, sondern weil sich das Publikum eher rar macht. Das betrifft auch die Kulturszene rund um Ulm.

Als schwäbische Plaudertasche ganz in Pink, die so schwätzt wie ihr die "Gosch" gewachsen ist. So kennt man die Ulmer Kabarettistin Heike Sauer als Marlies Blume auf der Bühne. Seit 15 Jahren in Vollzeit. Säle mit 500 Gästen hat sie schon lange nicht mehr erlebt, in Corona-Zeiten galten sie schon mit knapp 100 als voll belegt. Kürzlich hat sie sogar ein "Heimspiel" in Ulm-Böfingen absagen müssen, weil der Vorverkauf schlecht lief. Im ganzen Jahr hat sie ihr Abendprogramm bisher nur drei Mal spielen können.

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"Es ist und bleibt nach wie vor schwierig und spannend."

"Der Gedanke, dass es wieder so wird wie vor Corona, davon verabschiede ich mich gerade immer mehr", sagt die Ulmer Kabarettistin, die 2008 den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg gewonnen hat. Öffentliche Auftritte seien bei ihr gar nicht mehr gefragt, sie berichtet von einem massiven Einbruch bei Kleinkunst und Kabarett wie aktuell häufig in der Event-Branche. Das Publikum sei eben aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen eher zögerlich.

Ähnlich schildert es Veranstaltungstechniker Charly Rehm aus Oberdischingen bei Ulm. Er hat sich mit seiner Firma Audio-Express und 15 Beschäftigten nach eigenen Angaben in der Pandemie abgestrampelt und dennoch bis zu 70 Prozent weniger Umsatz gemacht. Die Zukunftsaussichten in der Branche seien besorgniserregend - auch wegen der Energiekrise.

Statt auf die Bühne ins Büro - Ulmer Kabarettistin genießt die neue Sicherheit

Als Kabarettistin schlüpft Heike Sauer eher selten in die Rolle der gutgelaunten Schlabbergosch Marlies Blume. Und meist nur noch in geschlossener Gesellschaft: bei den Landfrauen, beim Katholischen Deutschen Frauenbund, beim Musikverein Langenau oder auf Einladung von Gewerkschaften. Und weil sie die Unsicherheit als Solo-Selbstständige seit Corona satt hat, arbeitet sie mittlerweile zu 40 Prozent im Büro eines Notars.

Außerdem geht die 49-jährige Wahl-Ulmerin, die in Eislingen geboren wurde, gerne als bildende Künstlerin in ihr Atelier. Während Corona hat sie einen ganzen Kosmos von Figuren geschaffen - unter dem Label "Kunstkitsch". Fotografiert finden sie jetzt ihren Ausdruck in einem Bilderbuch für Erwachsene. Es erscheint in der Edition Dreiklein Blaubeuren unter dem Titel: "Das Geheimnis der Osterinsel und andere Kunstkitschgeschichten".

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Alexandra Jörg macht endlich das, wofür sie brennt: Singen!

Just in der Corona-Zeit hat sich die frühere Biologie- und Musiklehrerin Alexandra Jörg aus Deisenhausen bei Krumbach selbstständig gemacht: als Konzert-, Event- und Hochzeitssängerin. Sie ist zwar vor zwei Jahren durch die Fernsehsendung "Voice of Germany" deutschlandweit bekannt geworden, doch auch sie spürt die Zurückhaltung des Publikums. Die Nachfrage nach ihrem Konzertprogramm "Die Blonden Frauen" am 19. November in Burgau etwa sei noch schleppend. Dafür sei ihr Sommer mit privaten Auftritten bei Hochzeiten und Taufen super gelaufen.

Sängerin Alexandra Jörg aus Deisenhausen mit gelbem Dutt und Mikrofon auf der Bühne  (Foto: Privat, Alexandra Jörg)
Konzert- und Hochzeitssängerin Alexandra Jörg, bekannt aus der 10. Staffel von "Voice of Germany" Privat, Alexandra Jörg

Auch den gewagten Sprung in die Selbstständigkeit hat sie bisher nicht bereut und für die 45-jährige Sängerin wären Nebenjobs keine Alternative. Denn für Alexandra Jörg ist der Gesang genau das, was sie schon immer tun wollte. "Weil ich das machen kann, wofür ich brenne, was ich gern mache, wo ich abends zwar total müde ins Bett falle, aber morgens wieder aufstehe und denke: Hallo, neuer Tag, neues Glück."

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