Die Freiwillige Feuerwehr hat im Giengener Teilort Burgberg 750 Löscheimer im ganzen Dorf verteilt (Foto: SWR)

Ungewöhnliche Kampagne in der Not

Eimer-Aktion beschert Feuerwehr in Giengen-Burgberg neue Mitglieder

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Ein Eimer, mit dem die Dorfbewohner ihre Brände künftig selbst löschen sollten - mit einer ungewöhnlichen Aktion hat die Feuerwehr in Giengen-Burgberg neue Mitglieder gewonnen.

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Außergewöhnliche Notlagen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Nach diesem Motto hat die Freiwillige Feuerwehr im Giengener Teilort Burgberg im Kreis Heidenheim 750 Löscheimer im ganzen Dorf verteilt, für jeden Haushalt einen. Dazu eine Gebrauchsanweisung und der Hinweis, man möge im Brandfall selbst löschen, wenn keine Feuerwehr kommt und bei größeren Bränden Kübelketten mit der Nachbarschaft bilden.

Die Feuerwehr war schon bedrohlich zusammengeschrumpft. Aber neue Mitglieder ließen sich einfach nicht finden. Da hatte im Herbst Kommandant Hans-Frieder Eberhardt die Idee mit den Eimern, nachdem er im Internet von einer ähnlichen Aktion einer Feuerwehr in Niedersachsen gelesen hatte. "Die Resonanz ist überwältigend", berichtet der Kommandant, "wir haben inzwischen zehn neue Mitglieder hinzu gewonnen. Das sind 50 Prozent Zuwachs. Ein großartiger Erfolg!"

Einsatzfähigkeit im Ernstfall war in Gefahr

Vor der ungewöhnlichen Werbeaktion waren sie bei der Freiwilligen Feuerwehr in dem 1.700-Seelen-Dorf nur noch 19 Mann und eine Frau - zu wenige, wenn man bedenkt, dass im Ernstfall oft nur ein Drittel sofort einsatzfähig ist. Dazu kam noch, dass die Mehrheit der Mitglieder gar nicht mehr im Ort wohnte. Mit den zehn neuen jungen Männern direkt aus Burgberg hat sich die Zahl der im Dorf wohnenden Feuerwehrleute nun mehr als verdoppelt.

Kommandant Hans-Frieder Eberhardt aus Giengen-Burgberg hatte die Idee mit den Eimern. (Foto: SWR)
Kommandant Hans-Frieder Eberhardt aus Giengen-Burgberg hatte die Idee mit den Eimern - jetzt hat die Feuerwehr neue Mitglieder.

Der 18-jährige Erik Schnalzger ist einer von ihnen. Als er diese Woche an der Übung teilnahm, durfte er schon den Feuerwehrschlauch in den Händen halten und probeweise auf einen Parkplatz spritzen. Daneben steht einer der erfahrenen Leute und erklärt: "Wichtig ist die Grundstellung von dem Strahlrohr. Bestimmte Teile müssen immer eine Linie bilden. Und hier kannst Du die Wurfweite regulieren."

Erik gefällt es, wenn der Wasserstrahl in die Luft schießt. "Erstmal hat man Respekt vor dem Strahlrohr, weil man unterschätzt doch die Kraft, die da dahintersteckt", beschreibt der 18-Jährige seine ersten Erfahrungen. Aber wenn es bei der Feuerwehr heiße "Wasser marsch!", dann mache das auch richtig Spaß.

Als Erik Schnalzger und seine Eltern im Herbst auf einmal den Wassereimer vor der Haustür fanden mit dem Zettel, man möge doch künftig selbst löschen, habe ihn das aufgerüttelt. "Die Eimer-Aktion hat einem deutlich gezeigt, dass man wirklich Feuerwehrleute braucht. Und wenn man dem Dorf was Gutes tun kann, dann tut man das."

Gemeinschaft und Freundschaften

Auch der ebenfalls 18-jährige Yannik Fröhle ist neu dabei. "Als ich den Eimer sah, dachte ich: 'Warum nicht'? Ein Kumpel von mir ist ja auch da." Simon Neumaier gehört auch zu den Neuen bei der Burgberger Feuerwehr. "Wir sind mit offenen Armen hier aufgenommen worden", erzählt er, "die Übungen machen Spaß, man lernt viel." Jetzt hofft er, dass bald auch wieder mehr Geselligkeit möglich ist, denn im Team herrsche eine gute Kameradschaft. Schließlich wollen die Neuen ja auch noch lernen, was man üblicherweise nach der Feuerwehrübung macht: Dass man da nicht gleich nach Hause geht, sondern noch gemeinsam den Durst löscht. Sobald es Corona eben wieder zulässt.

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