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Nach drei Schlachthof-Skandalen, zuletzt in Biberach, steht Landwirtschaftsminister Hauk von der CDU weiterhin in der Kritik. Doch wie kann es zu den Zuständen kommen, die bekannt wurden? Ein Interview mit dem Experten Professor Volker Stefanski:

Die Opposition wirf Landwirtschaftsminister Hauk vor, er habe nicht durchgegriffen. Er selbst hat am Donnerstag gesagt, dass er den amtlichen Kontrollen zu sehr vertraut habe. Funktioniert haben sie offensichtlich weder in Tauberbischofsheim, noch in Gärtringen noch jetzt in Biberach.

SWR: Professor Volker Stefanski, ist es Zufall, dass sich Vorwürfe gegen viele regionale Schlachthöfe häufen?

Professor Volker Stefanski: Ich denke nicht, dass das ein Zufall ist. Es ist unter Umständen so, dass wir in einem kleinen regionalen Schlachthof die Situation haben, dass aufgrund von Zeitdruck und Kostensituation nicht immer ein Prozess so gewährleistet werden kann, dass er eine Schlachtung in einem optimalen Sinne ablaufen lässt. Das ist aber keine generelle Kritik an einem großen oder einem kleinen Schlachthof. Nur man muss insbesondere sehen, dass sich die Betriebe in einem enormen Kostendrucksystem bewegen. Und die Frage ist, wie gut oder wie schlecht darauf reagiert werden kann.

Experte für Nutztierwissenschaften Professor Volker Stefanski von der Universität Hohenheim (Foto: privat)
Experte für Nutztierwissenschaften Professor Volker Stefanski von der Universität Hohenheim privat

Wo hakt es denn oft bei den kleineren Schlachthöfen? Wo liegen da Ihrer Meinung nach konkret die Probleme?

Probleme könnten sein, dass wir Teams haben, die unter Umständen, wenn es zu Ausfällen von Mitarbeitern kommt, nicht so ohne Weiteres und schnell ersetzt werden können. Große Betriebe haben einen Pool an Mitarbeitern. Sie können es sich auch leisten, Tierärzte anzustellen. Bei kleinen Betrieben ist es oft erforderlich, dass der Amtstierarzt bei der Schlachtung dabei ist. Das sind Faktoren, die im Einzelfall dazu führen können, das hier kleinere Betriebe häufiger im Blickpunkt der Kritik sind.

Aber Sie würden nicht so weit gehen zu sagen, dass es den Tieren grundsätzlich in kleineren, regionalen Schlachthöfen schlechter geht als in den Großbetrieben?

Nein, das würde ich auf keinen Fall sagen. Ich würde auch nicht grundsätzlich einen Unterschied machen. Wir haben, wenn wir uns die Schlachtung ansehen, bestimmte Belastungsfaktoren, die vermieden werden sollten. Und dazu zählt beispielsweise der Tiertransport. Wenn ein Transport lange dauert, dann stellt das eine Belastung für die Tiere dar. Hier würde ich vielleicht auch eher die kleinen regionalen Schlachthöfe im Vorteil sehen. Weil per se eigentlich davon auszugehen ist, dass hier die Transportzeiten wesentlich geringer sind als bei großen Schlachthöfen. Diese Regionalität hat natürlich auch einen ganz klares Tierwohl-Plus, würde ich sagen. Da kann man für die kleinen Schlachthöfe sicherlich sprechen.

Ich stelle mal die ketzerische Frage: Lohnt es sich denn für Schlachthöfe, auf das Tierwohl zu achten?

Die Frage ist, glaube ich, sehr wohl berechtigt. Man kann es aus ethischer Sicht sehen, aber die ethische Sicht lässt sich häufig nicht manifestieren, wenn's ums Geld geht. Was sind sozusagen die Auszahlungskriterien? Bekommt der Schlachthof grundsätzlich mehr dafür, wenn er ein Tier möglichst tiergerecht schlachtet? Dafür gibt es einfach Standardpreise. In kleineren Schlachthöfen, die regional vermarkten, kann man sich natürlich schon eher vorstellen, dass man sagt, wir wollen auch einen Schlachtprozess realisieren, der unseren Ansprüchen in Bezug auf das Tierwohl sehr, sehr nahe kommt. Und dann kann es sich auch für die Schlachthöfe auszahlen, sich mehr dem Tierwohl zu widmen.

Böblingen

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