Interview mit Harald Scherzer aus Laichingen

Experiment zur Entstehung der Tiefenhöhle in Laichingen

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Ein neues Experiment in der Laichinger Tiefenhöhle könnte die gängige Theorie zur Entstehung von Höhlen verändern. Beteiligt ist der Laichinger Höhlenforscher und Geologe Harald Scherzer.

55 Meter geht es bis zum Boden der Tiefenhöhle in Laichingen. Entstanden sind die zahlreichen unterirdischen Hallen und Hohlräume, indem CO2-haltiges Grundwasser durch Spalten im Kalkstein läuft und die Kohlensäure den Stein langsam auswäscht. Nun will ein Forschungsprojekt klären, ob dieser Entstehungstheorie noch etwas hinzuzufügen ist. Könnte es sein, dass es einen zusätzlichen Effekt gibt, der die Entstehung der Höhlen beschleunigt?

Höhlenforscher Harald Scherzer im Gegenlicht von unten aus der Höhle aufgenommen (Foto: Privat)
Die Idee zum Forschungsprojekt in der Laichinger Tiefenhöhle hatte der Laichinger Forscher Harald Scherzer (Archivbild privat). Privat

Zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Stuttgart und des Geoforschungszentrums Potsdam hat der Laichinger Harald Scherzer mit einem dreijährigen Experiment in der Laichinger Tiefenhöhle begonnen.

SWR: Wie sieht dieses Experiment mit Kohlendioxid aus?

Harald Scherzer: Wir haben in der Laichinger Tiefenhöhle ein Rohr aufgebaut, ein sechs Meter hohes Rohr, das oben offen ist und gefüllt ist mit Leitungswasser. Der Clou ist, dass sich aus der Höhlenluft nun CO2 in dieses Wasser einlösen kann, und weil CO2 gelöst in Wasser schwerer ist als normales Wasser, sinkt dieses in Tropfen ab. Es könnte sein, dass das Grund ist, warum die Höhlen auf der Schwäbischen Alb entstanden sind.

Man weiß ja bisher schon, dass das CO2 in Wasser eine saure Verbindung gibt und dadurch den Kalkstein sozusagen auflöst. Was ist denn das Neue jetzt an ihrem Ansatz?

Ursprünglich hatte man gedacht, dass CO2 mit dem Wasser gemeinsam loslegt. Aber wenn Wasser mit CO2 unterwegs ist und dann noch ein zusätzlicher Impuls durch weiteres CO2 dazukommt, dann könnte im Berg, im Bauch der Schwäbische Alb, ein neuer Lösungsimpuls vorkommen. Und der könnte verantwortlich sein für ein Teil der Höhlen.

Wie sind Sie auf die Idee für diesen Versuch gekommen?

Da kommen viele Dinge zusammen. Ich bin von Haus aus Geologe und habe einfach auch ein Paket Hydrochemie gelernt. Und ich bin schon seit klein auf in der Höhle zu Gange, mit meinen Freunden, mit anderen Höhlenforschern. Man denkt ein wenig wie eine Höhle und man versucht, eine Höhle zu verstehen.

Ihre Theorie ist also, dass sich größere Höhlen schneller entwickelt haben müssen, schneller entstanden sein müssen, als man bisher vermutet hat?

Da sind wir genau bei dem alten Thema von Jochen Hasenmayer, dem berühmten Höhlentaucher, der im Blautopf den Mörikedom entdeckt hat. Der hatte damals schon gesagt, das passt nicht zusammen, das Alter der Höhlen und die Größe der Hallen. Er hatte geglaubt, die Höhlen müssten älter sein, diesen Glauben teile ich nicht. Aber ich glaube ein ganz anderer Prozess hat zu diesen riesigen Hallen geführt.

Die Tiefenhöhle in Laichingen ist ja für Besichtigungen erschlossen. Kann ich als Besucherin etwas von ihrem Experiment sehen?

Man kommt wirklich, wenn man die Höhle besichtigt, an dem Experiment vorbei und sieht dieses sechs Meter hohe Rohr. Das steht stellvertretend für einen unbekannten Höhlensee in großer Tiefe, der denn auch sechs Meter tief wäre und natürlich ungleich größer. Was an diesem Höhlensee passiert, ist uns verschlossen. Aber als Ersatz wollen wir in diesem Rohr Messungen durchführen. Und wir wollen viel lernen über CO2 in Höhlen.

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