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Von Dezember an werden beim Bushersteller Evobus in Neu-Ulm vorübergehend keine Reisebusse der Marke Setra mehr gebaut. Statt Kurzarbeit bietet das Unternehmen den Mitarbeitern jetzt eine Alternative.

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Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können vorübergehend an anderen Standorten des Mutterkonzerns Daimler arbeiten, an denen Verstärkung gebraucht wird. Das sagte ein Sprecher dem SWR. Evobus stellt die Produktion von Reisebussen zunächst bis Mitte Februar ein, weil die Nachfrage wegen der Corona-Pandemie stark zurückgegangen ist. Ab Dezember stehen die Bänder der Marke Setra erst einmal still - zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte.

Evobus-Werk in Neu-Ulm mit der Marke Setra (Foto: SWR, Volker Wüst)
Betriebsbedingte Kündigungen plant das Unternehmen vorerst nicht. Für die Beschäftigten in Neu-Ulm gilt bis 2024 eine Beschäftigungssicherung. Volker Wüst

"So eine Situation hat hier noch niemand erlebt, der Standort ist richtig brutal betroffen."

Hansjörg Müller, Betriebsratsvorsitzender bei Evobus in Neu-Ulm

Die Gründe liegen auf der Hand: In Corona-Zeiten denken die wenigsten an Urlaub - deswegen ist die Nachfrage nach Reisebussen dramatisch eingebrochen. Zuvor sei das Unternehmen auf einem guten Weg gewesen, sagte der Leiter der Bussparte von Daimler, Till Oberwörder: "Wir hatten ein sehr gutes Jahr 2019 und zu Beginn des Jahres 2020 sah das genauso aus - und dann kam Mitte März Covid-19."

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Absatz von Reisebussen eingebrochen

Der Absatz von Reisebussen "ging um bis zu 60 Prozent zurück", so Oberwörder. Das habe sich bis zum heutigen Tag auch nicht verändert. Die Bussparte hat es innerhalb des Daimler-Konzerns von allen am härtesten getroffen.

Betriebsratschef Hansjörg Müller, Evobus in Neu-Ulm (Foto: SWR, Volker Wüst)
"Die Angst bei den Beschäftigten ist natürlich da", sagt Betriebsratschef Hansjörg Müller. Volker Wüst

Rund 1.000 Mitarbeiter müssen in Kurzarbeit. Betriebsbedingte Kündigungen plant das Unternehmen vorerst nicht. Für die insgesamt 3.800 Beschäftigten in Neu-Ulm gilt bis 2024 eine Beschäftigungssicherung. Im Gegenzug verzichten sie auf Sonderzahlungen, außerdem arbeiten und verdienen sie weniger. Für die Belegschaft sind diese Maßnahmen okay, sagt Betriebsratschef Müller. Man müsse gemeinsam schauen, dass man Evobus über das Jahr 2021 bringe - ohne dass man in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerate.

Nicht alle Evobus-Mitarbeiter in Kurzarbeit

Nicht alle Mitarbeiter in Neu-Ulm sind von der Kurzarbeit betroffen. Am Standort werden für das Schwesterwerk in Mannheim Stadtbusse lackiert, daneben werden in Neu-Ulm Sitze und Ersatzteile für andere Werke hergestellt. Außerdem gibt es eine Entwicklungsabteilung.

Die Reiseunternehmen werden erst wieder in neue Fahrzeuge investieren oder ältere mit Filteranlagen nachrüsten lassen, wenn die Pandemie überstanden ist. Bis Februar stehen die Bänder der Reisebusse-Fertigung erst einmal still, darüber hinaus fahre man auf Sicht, sagt Bus-Chef Till Oberwörder.

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