Multinationales Kommando Operative Führung Ulm (Foto: Pressestelle Multinationales Kommando Operative Führung Ulm)

"Die Sicherheit Europas beginnt jenseits unserer Grenzen"

EU-Kommandeure in Ulm: Weshalb Europäische Truppen gestärkt werden sollen

STAND
AUTOR/IN

In der Ulmer Wilhelmsburgkaserne haben sich am Donnerstag die höchsten militärischen Befehlshaber der Europäischen Union getroffen. Dabei ging es um größere Eigenständigkeit der EU-Truppen.

Konferenz der EU-Befehlshaber, Ulm (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Der Befehlshaber des Multinationalen Kommandos Operative Führung und Gastgeber der Konferenz in Ulm, Generalleutnant Jürgen Knappe Rainer Schlenz

In Zeiten des Kalten Krieges war der Gegner des Westens klar umrissen. Zwei Blöcke standen sich da gegenüber. Doch die Zeiten ändern sich: Die Zahl der militärischen Akteure ist gewachsen und die Bedrohungslage viel komplexer geworden. Der Gegner ist nicht immer einfach zu lokalisieren. Der Befehlshaber des Multinationalen Kommandos Operative Führung Ulm und Gastgeber der Konferenz, Jürgen Knappe, nennt ein Beispiel.

Am Morgen der Konferenz hört er, dass der Notruf 110 in Deutschland ausgefallen sei. Das könne ein normaler Defekt sein, sagt der General, es könne aber auch eine bewusste Störung von außen sein.

Konferenz der EU-Befehlshaber, Ulm (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Konferenz der EU-Befehlshaber in Ulm: (v.l.n.r.) Generalleutnant Jürgen Knappe, danaben der Generaldirektor des EU Militärstabs, Vizeadmiral Hervé Bléjean (Frankreich) sowie der stellvertrende Befehlshaber des Multinationalen Kommandos Operative Führung Ulm, Generalmajor Reinhard Trischak (Österreich). Rainer Schlenz

Es reicht also nicht, einzelne Staaten ins Visier zu nehmen, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten. Bedrohungen gehen auch von Phänomenen wie dem Klimawandel aus, erklärt der irische Presseoffizier des EU-Stabes, Peadar Ó'Catháin. Die aktuelle Lage in der Sahelzone zum Beispiel führe zu einer großen Menge von Flüchtlingen, die möglicherweise nach Europa kommen werden – wie wir es ja gerade an der EU-Ostgrenze zwischen Polen und Belarus sehen.

"So etwas wird ausgenutzt gewissermaßen als hybride Bedrohung, um die EU zu destabilisieren."

Es sind solche Bedrohungsszenarien und neuen Risiken, auf die sich die EU einstellen muss, sagt Peadar Ó'Catháin. Das sieht auch der Ulmer General Jürgen Knappe so. Ziel sei eine größere Eigenständigkeit europäischer Truppen.

"Zum heutigen Zeitpunkt wären wir nicht in der Lage, eine Operation wie in Afghanistan auch in Zusammenhang mit der Evakuierung allein als Europäer durchführen."

Wilhelmsburgkaserne (Foto: Multinationales Kommando Operative Führung Ulm, Pressestelle)
Die Wilhelmsburgkaserne in Ulm - links die heutige Kaserne, rechts der historische Teil, die Wilhelmsburg Multinationales Kommando Operative Führung Ulm, Pressestelle

Auf der Konferenz in der Wilhelmsburgkaserne werden Schlagworte wie die "EU-Battlegroup", also eine schnelle Eingreiftruppe der EU diskutiert – als Ergänzung der NATO-Truppen.

"Ich sehe das nicht als Konkurrenzunternehmen zur NATO (...) Wir können aber aus EU-Sicht uns selber stärken. Und dieses auch als Pfund nachher in die NATO miteinbringen."

Wie sagte einst der damalige Verteidigungsminister Peter Struck: "Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt." Das gilt nun auch auf europäischer Ebene: Die Sicherheit Europas beginne jenseits unserer Grenzen und nicht innerhalb unserer Grenzen, meint der irische Offizier Peadar Ó'Catháin auf der Konferenz am Donnerstag in Ulm.

Als eines von fünf europäischen Hauptquartieren ist das Ulmer Multinationale Kommando Operative Führung 2025 wieder an der Reihe – als federführendes Bindeglied zwischen der EU-Politik und dem Militär.

Konferenz der EU-Befehlshaber, Ulm (Foto: SWR, Rainer Schlenz)
Das Wappen des Multinationalen Kommandos Operative Führung Ulm. Das NATO Emblem ist zwar enthalten, doch es geht darum, die Eigenständigkeit der EU-Truppen gegenüber der NATO zu verbessern. Rainer Schlenz

Streit mit Belarus Migranten durchbrechen Grenze zu Polen

Die Situation an der EU-Außengrenze zu Belarus verschärft sich. In der Nacht haben Migranten die Grenze nach Polen durchbrochen. Außenminister Maas droht Belarus, dass die EU nich…  mehr...

Polen/Belarus

Was passiert an der Grenze zu Polen? Belarus: Katastrophale Lage spitzt sich zu

Tausende Menschen harren an der Grenze von Belarus nach Polen aus – in der Nacht wurde ein toter Syrer im Wald gefunden. Hier gibt es die Hintergründe und weitere Entwicklungen!  mehr...

Heidelberg

Viele kommen über Belarus nach Deutschland Zahl der Flüchtlinge im Ankunftszentrum Heidelberg steigt

Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, steigt aktuell wieder. Das ist auch im Ankunftszentrum in Heidelberg zu spüren. Zwischenstation vieler Flüchtlinge war Belarus.  mehr...

STAND
AUTOR/IN