Filiale der Drogeriemarkt-Kette Müller in Ulm: Firmeninhaber Erwin Müller feiert seinen 90. Geburtstag (Foto: IMAGO, Arnulf Hettrich)

Drogeriemarktkette aus Ulm

Drogerieunternehmer Erwin Müller wird 90 - Nachfolge ungewiss

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Volker Wüst (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Als der Unternehmer Erwin Müller 60 wurde, kündigte er an, auf keinen Fall bis 65 arbeiten zu wollen. Jetzt wird er 90 - und ist wieder Chef der Drogeriekette. Eine Analyse von Martin Miecznik.

Das Thema Müller ist eine etwas zwiespältige Angelegenheit: Es gibt wohl kaum andere Firmen, bei denen in der öffentlichen Wahrnehmung so stark unterschieden wird zwischen der unternehmerischen Leistung auf der einen Seite und dem Unternehmer selbst auf der anderen Seite.

Die Drogeriemarktkette Müller kann getrost für sich in Anspruch nehmen, wichtig im Geschäftsleben zu sein. Müller hat vielen mittelgroßen Städten die Anziehungskraft erhalten, mit einem Sortiment, das weit über Drogerie-Artikel hinausgeht. Und Müller gibt 35.000 Menschen in fast 900 Filialen Arbeit.

Auf der anderen Seite ist da der Mensch Erwin Müller, für den Gewerkschaften und Betriebsräte ein rotes Tuch waren und sind, und der offenbar nur die Entscheidungen eines einzigen Menschen akzeptiert. Und das ist er selbst.  

Am 13.6.1967 berichtete der SDR in der Abendschau über Erwin Müller, damals in den Schlagzeilen als "Rebell von Ulm", weil der gelernte Friseurmeister seine Salons auch montags öffnen wollte:

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Nachfolge von Erwin Müller nach wie vor nicht geklärt

Müller hat immer wieder versucht, die Nachfolge in seinem Unternehmen zu regeln. Sowohl mit Menschen aus der Familie als auch mit Externen. Geklappt hat das bisher nie. Den letzten Paukenschlag gab es im August, als sich Müller von seinem Geschäftsführer trennte, den er erst vor drei Jahren ins Unternehmen geholt hatte.

Es war nicht das einzige Mitglied der Führungsetage, das in diesem Jahr den Stuhl geräumt hat: Der Finanz-Chef, der Vertriebs-Chef, die Personal-Chefin. Die Chefs der Dependancen in Österreich, Ungarn und Spanien.

Der Ulmer Drogerieunternehmer Erwin Müller aus Ulm feiert am Donnerstag seinen 90. Geburtstag (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Stefan Puchner / dpa)
Ein Bild aus dem Jahr 2002, als der Ulmer Drogerieunternehmer Erwin Müller seinen 70. Geburtstag feierte. Jetzt wird er 90. (Archivbild) picture alliance / Stefan Puchner / dpa

Was in der Müller-Zentrale passiert, bleibt in der Zentrale

Was in der Zentrale vor sich geht, das bleibt in Ulm-Jungingen. Stillschweigen ist überall vereinbart, aber das ist schon auffällig. Vielleicht liegt es daran, dass Müller kein glückliches Händchen mit der Wahl dieses Vorstands hatte, vielleicht hat er aber auch die Fäden nicht aus der Hand geben können. Nichts genaues weiß man nicht, aber zu einem solchen Stühlerücken gehören erfahrungsgemäß immer beide Seiten. 

Derzeit hat Erwin Müller die Geschäftsleitung hauptsächlich mit Kräften aus dem eigenen Haus ersetzt. Dass er irgendeine zukunftsfähige Lösung braucht, wird er selbst auch wissen. Beispielsweise, wie es mit dem Onlinebereich weitergeht, aber auch, wie sich das ganze Unternehmen für die Zukunft rüstet. Irgendjemand wird künftig die vielen Fäden zusammenhalten müssen, damit das Unternehmen Müller auch künftig am Markt besteht.

Drogerie Müller steht offenbar gut da

Erwin Müller hat sich mit seiner bärbeißigen Art nicht nur Freunde und Bewunderer geschaffen, wobei natürlich auch gilt: Er hat das Unternehmen mit sich an der Spitze auf- und ausgebaut, er wird sagen: "Der Erfolg gibt mir recht". Aber das ist trotzdem der Blick in die Vergangenheit. Soweit sich die Geschäftszahlen interpretieren lassen, steht das Unternehmen Müller mit seinen vielen Einzelgesellschaften gesund da. 5 Milliarden Umsatz, Gewinn laut "Handelsblatt" 200 Millionen.

Wenn man Erwin Müller einen Geburtstagswunsch erfüllen könnte, dann wäre der möglicherweise, dass er die Macht in der Zentrale an sich selbst übergeben könnte, nur 50 Jahre jünger. Doch das ist etwas, das noch nicht einmal Erwin Müller durchsetzen kann.

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