Anna Fuchs trainiert auf der Donau für das Ulmer Fischerstechen (Foto: SWR)

Novum bei Schifferverein

Nach über 500 Jahren: Anna Fuchs ist die erste Frau beim Ulmer Fischerstechen

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Christian Michael Hammer

Nach fünf Jahren Pause findet wieder das Fischerstechen in Ulm statt. Erstmals ist eine Frau dabei. Anna Fuchs sticht selbst nicht mit der Lanze mit, aber sie ist Zillenfahrerin.

Freudig aber konzentriert stakt Anna Fuchs mit ihrem Team die Wettkampfzille zurück zum Donau-Ufer. Wie alle, die zum ersten Mal dabei sind, hat sie den mittleren der drei Plätze auf der Zille bekommen. Sie sorgt vor allem dafür, dass die Zille im richtigen Moment auf dem Wasser beschleunigt.

"In der Bootsmitte bin ich sozusagen der Motor und es ist wichtig, dass ich den Rudertakt halte."

Anna Fuchs auf einer Ulmer Zille bei einem Training vor dem großen Fischerstechen (Foto: SWR)
Anna Fuchs hat oft und lange auf der Donau trainiert. Am Sonntag fährt sie als erste Frau überhaupt beim Fischerstechen in Ulm mit.

Anna Fuchs hat sich bei den Ulmer Zillenfahrern etabliert. Mittlerweile fährt sie eine große Zille allein vom Wettkampfplatz am Donau-Ufer zum sogenannten Iller-Spitz. Die Geschichte, wie sie dazu gekommen ist, sei "eigentlich ganz einfach", sagt sie. In der Zeitung habe sie gelesen, dass für das Ulmer Nabada noch Zillenfahrer gesucht werden. "Dann bin ich einfach mal ins Probetraining gegangen und habe mich anscheinend nicht so schlecht geschlagen."

Mit Fleiß ins Fischerstecher-Team gestakt

Besonders auch die Zeit als Fahrerin beim Zillentaxi am Ulmer Donaufest habe ihr Spaß gemacht. Schließlich habe sie an sich gearbeitet und ihre Technik auf dem Wasser verbessert. "Wenn man es richtig angeht, dann ist es auch nicht ganz so körperlich anstrengend".

Irgendwann will Anna Fuchs nicht mehr in der Mitte, sondern Steuerfrau sein. Dann wäre sie dafür verantwortlich, dass ihr Team auch beim Turnier auf Kurs bleibt und Erfolg hat. Der eigentliche Wettkampf läuft folgendermaßen. Die Mannschaften fahren auf ihren Zillen knapp aneinander vorbei. Hinten stehen die Stecher und versuchen mit einer gepolsterten Lanze den Kontrahenten vom Boot zu stoßen. Gewonnen hat, wer trocken bleibt. Stechen darf seit über 500 Jahren nur, wer im Schifferverein und männlicher Nachfahre einer Ulmer Fischerfamilie ist. Selbst wenn es denkbar wäre, Anna Fuchs würde selbst nicht stechen wollen.

Anna Fuchs rudert auf einer Ulmer Zille.  (Foto: SWR)
Zum Zillenfahren auf der Donau braucht es Kraft und Technik zugleich.

Mit Leistung auf der Zille überzeugt

Anna Fuchs ist zwar die erste Frau, die beim Fischerstechen dabei ist. Für die Zunftmeisterin des Ulmer Schiffervereins, Susanne Grimmeiß, war es einfach an der Zeit. "Über Jahrhundert war der Zunftmeister ein Mann, aber nun leite ich den Verein und es klappt auch", sagt sie. Die junge Anna Fuchs habe den Verein und nicht zuletzt den Obmann der Zillenfahrer überzeugt. Auch Armin Fröhlich, Teamkollege von Anna Fuchs, erklärt: "Sie muss sich nicht als Frau durchsetzen. Wer gut genug Zillenfahren kann - und das kann Anna - der ist dabei."

Nach einem möglichst erfolgreichen Fischerstechen möchte sich Anna Fuchs ab September dann auf ihre Ausbildung zur Fluggerätemechanikerin konzentrieren. Dem Zillenfahren bleibe sie aber auf jeden Fall treu.

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