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Ernst Prost, Geschäftsführer des Ulmer Schmierstoffherstellers Liqui Moly, fordert Unternehmen auf, in der Coronakrise nicht gleich auf Staatshilfen zu setzen. Viele hätten vorher gut verdient.

SWR: Herr Prost, Sie haben angekündigt, dass es unter Ihnen für die 1.000 Angestellten keine Kurzarbeit und keine Entlassungen in der Corona-Krise geben werde. Sie selbst verzichtet auf Ihr Gehalt. Wie geht es Ihnen zur Zeit?

Ernst Prost: Schlecht, also es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, mir geht es unter diesen Umständen gut. Unsere Exportgeschäfte liegen danieder, in Deutschland geht auch nicht mehr sehr viel. Wir sind in 150 Ländern dieser Erde mit Liqui Moly aktiv, da haben wir jetzt überall unsere Riesenprobleme. Da kann es einem einfach nicht gut gehen, da würde ich lügen.

Trotzdem schwimmen Sie gerade gegen den Strom. Viele Firmen schicken ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit, Sie haben aber gesagt: "Bei uns läuft das anders." Warum?

Man muss vorausschicken, dass wir mit unseren Motorölen großes Glück haben. Es gibt immer noch Fahrzeuge, die in Bewegung sind, denken Sie an Rettungsfahrzeuge, Feuerwehr, Ambulanzen, denken Sie an die Lkw, die Supermärkte mit Lebensmitteln nach wie vor versorgen müssen, und die brauchen immer noch Öl. Natürlich jetzt nicht mehr so viel wie in Zeiten, als alle Menschen unterwegs waren und viel gefahren wurde, aber ein bisschen was geht immer noch. Meine Strategie ist, solange es irgendwie geht, den Laden aufrecht zu erhalten. Das geht aber nur, wenn unsere Kunden in der ganzen Welt Ware bekommen.

"Jetzt muss ich halt mal ein Opfer bringen und möglicherweise auch etwas zurückschießen in die Firma."

Ernst Prost, Geschäftsführer Liqui Moly

Sie selbst haben auch gesagt, Sie verzichten auf Ihr Gehalt. Buttern Sie das jetzt in die Firma, weil dort Aufträge wegbrechen, aber die Leute weiterhin bezahlt werden müssen?

Ja klar, es ist aber auch eine einfache Geschichte. Ich habe in guten Jahren mit der Firma gutes Geld verdient. Es wäre jetzt nicht sehr fair, in schwierigen Zeiten, in Krisenzeiten, die Leute, die mich reich gemacht haben, in eine Ungewissheit zu schicken oder finanziell da einen Hebel anzusetzen. Jetzt läuft es halt mal umgekehrt, jetzt muss ich halt mal ein Opfer bringen und möglicherweise auch etwas zurückschießen in die Firma. Das ist eine Frage meines Ehrgeizes, aber auch von Würde, von Anstand, Ehre und Respekt. Ich würde es nicht über’s Herz bringen, dass ich jetzt einen von diesen Menschen entlasse, in Kurzarbeit schicke oder ihm irgendwie sonst an den Geldbeutel gehe. Das passt auch nicht zu uns.

"Ich denke schon, dass der eine oder andere ganz geschickt, so wie ich es formuliert habe, die Personalkosten drückt, ohne dass es vielleicht dringend notwendig wäre."

Ernst Prost, Geschäftsführer Liqui Moly

Haben Sie denn von anderen Chefs schon erboste Anrufe bekommen, zum Beispiel für den Satz: "Etliche Schlaumeier-Firmen melden Kurzarbeit an oder entlassen Leute, um Personalkosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Dabei hocken die auf prall gefüllten Geldsäcken." Das haben Sie in einer Rundmail an ihre Mitarbeiter verschickt.

Kurzarbeitergeld zu bezahlen, ist eine ganz tolle Geschichte – für die Firmen, die sich jetzt nicht mehr anders helfen können. Aber natürlich wird auch Schindluder und auch Missbrauch getrieben. Ich denke schon, dass der eine oder andere ganz geschickt, so wie ich es formuliert habe, die Personalkosten drückt, ohne dass es vielleicht dringend notwendig wäre. Es gibt Firmen, die haben im letzten Jahr noch Milliardengewinne gemacht. Ich weiß nicht, ob das jetzt so richtig sozial ist oder fair oder anständig, wenn man dann nach zwei Monaten Schwierigkeiten sofort wieder schreit: „Staat, bitte hilf mir“. Man könnte es ja auch mal anders versuchen. Wenigstens über ein paar Wochen könnte man schon die eigene Firma am Leben erhalten, auch ohne Staatsknete, indem man halt wieder Gewinne aus den guten Zeiten zurückführt.

Was sagen Sie denn dem Mutterkonzern Würth, dem ja Liqui Moly gehört, wenn die jetzt Kurzarbeit anmelden. Offenbar denkt Würth ja zumindest darüber nach?

Es klingt jetzt vielleicht komisch, aber wir haben sehr wenig Kontakt miteinander. Wir kämpfen hier in Ulm und Saarlouis unseren Kampf, auf unsere Art und Weise, mit unseren Methoden, mit unseren Rezepten und die Mutter Würth in Künzelsau macht es auf ihre Art und Weise. Dazwischen gibt es schon Information, klar, aber keinen großen Austausch, weil ja die Unternehmen nicht vergleichbar sind

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