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Was tun, damit Obdachlose im Winter nicht erfrieren? In Ulm gibt es seit kurzem das "Ulmer Nest" - und es gibt erste Erfahrungen vom Übernachten in diesen Schlafkapseln.

Benjamin ist Anfang 40 und lebt erst seit wenigen Monaten auf der Straße. Ein Obdachlosenheim kommt für ihn nicht in Frage, er übernachtet lieber im Freien. Eine Polizeistreife machte ihn auf das neue Angebot, das "Ulmer Nest", aufmerksam.

"Ich hatte zuerst Angst, ich komm nicht mehr raus, aber ja, ich finde es toll, dass es sowas überhaupt gibt."

Benjamin, Obdachloser

Inzwischen übernachtet er fast täglich in dem fünfeckigen Kasten aus Massivholz, verstärkt mit Stahlblech, rund zwei Meter lang und etwas mehr als einen Meter hoch. Eine Seitentür lässt sich zum Einstieg nach oben aufklappen.

Norman Kurock und Hannah Böck von der Wohnungslosenhilfe der Caritas vor der Schlafkapsel am Ulmer Karlsplatz (Foto: SWR, Walter Notz)
Beschäftigte der Caritas betreuen die Obdachlosen, die in der neuen Schlafgelegenheit in Ulm übernachten Walter Notz

Norman Kurock betreut für die Caritas das "Ulmer Nest" und sieht darin eine sinnvolle Alternative für Obdachlose, die zum Beispiel einen Hund haben. Im Übernachtungsheim sind keine Tiere erlaubt.

"Dafür ist das Nest konzipiert, dass da ein Hund mit übernachtet."

Streetworker Norman Kurock

Ein Start-Up-Unternehmen hat die Schlafmöglichkeit entworfen. Der Kasten ist belüftet, man kann raus-, aber nicht reinschauen. Über eine App auf dem Handy erkennen die Sozialarbeiter, ob das "Ulmer Nest" belegt ist, es gereinigt werden muss oder ob jemand Hilfe braucht. Im Notfall kann die von innen verriegelte Schlafkapsel auch von außen geöffnet werden. Für Benjamin ein guter Grund, sich relativ sicher in seinem Nest zu fühlen.

Die mobile Schlafmöglichkeit kann zunächst testweise von Wohnsitzlosen genutzt werden (Foto: SWR, Timo Staudacher)
Die mobile Schlafmöglichkeit kann zunächst testweise von Wohnsitzlosen genutzt werden Timo Staudacher

"Gut, es gibt keine Heizung, aber es gibt einen Rauchmelder, einen Bewegungsmelder und viele Leute drumherum."

Benjamin, Obdachloser

Die Stadt Ulm hat 35.000 Euro in dieses Projekt investiert. Zwei Schlafkapseln sind an Plätzen aufgestellt worden, die von Obdachlosen zum Übernachten genutzt werden. Mit wissenschaftlicher Begleitung der Universität Kassel sollen die Erfahrungen ausgewertet und die Übertragbarkeit auf andere Städte geprüft werden. Norman Kurock von der Caritas sieht einen Vorteil auch darin, dass er den Übernachtungsgast gezielt ansprechen, ihn auf Hilfsangebote aufmerksam machen und so vielleicht aus der Obdachlosigkeit holen kann.

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