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Der Gemeinderat von Erbach im Alb-Donau-Kreis verurteilt den Fackelwurf auf eine Romafamilie im Ortsteil Dellmensingen vor einem Jahr. Am Mittwoch wurde eine Erklärung veröffentlicht.

Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung von Minderheiten hätten in Erbach (Alb-Donau-Kreis) keinen Platz, heißt es in dem Schreiben. Der Gemeinderat bedauert demnach, dass durch die Tat Menschen bedroht, gefährdet und verängstigt wurden. Das Gremium stehe entschlossen extremistischen und radikalen Tendenzen entgegen.

Reaktion auf Vorwürfe

Mit dem Brief reagiert der Gemeinderat auf Vorwürfe des Landesverbandes für Sinti und Roma. Der Verband hatte am Rande des Prozesses in Ulm gegen die mutmaßlichen Täter darauf hingewiesen, dass es nach dem Anschlag noch keine öffentliche Stellungnahme gegeben hatte.

Im Prozess um den Wurf einer brennenden Fackel auf eine Romafamilie sagten am Mittwoch Zeugen aus (Archivbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Stefan Puchner/dpa)
Die Angeklagten im Fackelwurfprozess wurden mittlerweile aus der U-Haft entlassen picture alliance/Stefan Puchner/dpa

Nötigung statt versuchter Mord

Die fünf jungen Männer waren ursprünglich wegen versuchten Mordes vor Gericht gestanden. Vor wenigen Tagen wurden sie aber aus der zehnmonatigen U-Haft entlassen, weil die Kammer den Fall mittlerweile als Nötigung und nicht mehr als versuchten Mord bewertet. Das fremdenfeindliche Motiv soll bei der Prozessfortsetzung aber weiterhin eine große Rolle spielen, heißt es.

Angeklagte geständig

Die Angeklagten hatten die Tat zu Prozessbeginn gestanden. Sie sollen 2019 in Erbach-Dellmensingen eine brennende Fackel neben den Wohnwagen einer Romafamilie geworfen haben. In dem Wohnwagen schliefen eine Mutter und ihr neun Monate altes Kind. Verletzt wurde niemand.

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