Ernst-Wilhelm Gohl, Kandidat für die Bischofswahl der Evangelischen Landeskirche in Württemberg 2022. Der Dekan will die Nachfolge von Landesbischof July antreten. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Evangelische Landeskirche in Württemberg (Archivfoto))

Fünfte Abstimmung

Bischofswahl in Württemberg: Ulmer Dekan Gohl einziger Kandidat

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Bei der Wahl eines neuen Bischofs der Evangelischen Landeskirche Württemberg soll es am Samstagmorgen einen fünften Anlauf geben. Der Ulmer Dekan Gohl ist der einzige Kandidat.

Nach langen Beratungen haben sich die Vertreterinnen und Vertreter der württembergischen Landeskirche für einen Kandidaten zur Wahl des neuen Landesbischofs entschieden. Als einziger Bewerber soll am Samstag der Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl zur Abstimmung in der Landessynode stehen. Er war bereits am Donnerstag gemeinsam mit zwei weiteren Kandidierenden zur Wahl angetreten, konnte aber nicht die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit erreichen.

Gohl wurde am Freitagabend vom Nominierungsausschuss der Synode benannt. Dort sind alle fraktionsähnlichen Gesprächskreise vertreten, die für die verschiedenen kirchlichen Interessengruppen stehen. Die Abstimmung am Samstag ist der insgesamt fünfte Wahlgang für die 86 Synodalen.

Gohl will selbstkritischere und mutigere Kirche

In seiner Bewerbungsrede vor der Synode hatte sich Gohl am Donnerstag vor allem für eine selbstkritische und mutigere Kirche stark gemacht, die auch bereit sein müsse, Fehler zu machen. "Der Kirche bläst grad gewaltig der Wind ins Gesicht", hatte er gesagt. Die Zeit, in der es zum guten Ton gehört habe, Mitglied der Kirche zu sein, sei vorbei. Es gehe vor allem darum, Vertrauen zurückzugewinnen. Ein Gradmesser sei unter anderem, wie die Kirche mit dem Thema Missbrauch umgehe. "Die Aufarbeitung und die Prävention haben für mich oberste Priorität", versprach Gohl. Sein Gesprächskreis setzt sich zudem für Offenheit in der Kirche und unter anderem für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ein.

Der Ulmer Dekan Gohl gehört dem Gesprächskreis "Evangelium und Kirche" an. Er ist seit 2006 Dekan des Kirchenbezirks Ulm und gleichzeitig Seelsorger am Ulmer Münster. Der ausgebildete Rettungssanitäter hat Theologie in Tübingen, Bern und Rom studiert. Nach dem Vikariat blieb Gohl im Pfarramt in Böblingen, es folgte bis 2006 eine Pfarrstelle an der Stadtkirche Plochingen. Der Vater von zwei erwachsenen Kindern ist seit 15 Jahren Mitglied der württembergischen Landessynode als direkt gewählter Theologe des Wahlkreises Blaubeuren-Ulm.

Enttäuschung im konservativen Teil der Landessynode

Noch am Donnerstagabend war die Bischofswahl gescheitert. Gottfried Heinzmann, Chef des Diakoniewerks der "Zieglerschen", hatte nicht die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit der Stimmen bekommen, obwohl er zu dem Zeitpunkt der einzige Kandidat war. Die Tübinger Theologin Viola Schrenk war zu dem Zeitpunkt schon ausgeschieden, und der Ulmer Dekan Gohl hatte seine Kandidatur nach dem zweiten Wahlgang zurückgezogen.

So lief die Wahl am Donnerstag:

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Die Unterstützer Heinzmanns warfen den anderen Vertreterinnen und Vertretern in der Landessynode, den Gesprächskreisen "Offene Kirche" und "Evangelium und Kirche", eine Blockadehaltung vor. Heinzmann sei nominiert worden, weil er als geeignet für das Bischofsamt angesehen wurde. Ihn als einzigen Kandidaten nicht zu wählen, stelle das Wahlverfahren in Frage, kritisierten Heinzmanns Unterstützer nach der gescheiterten Wahl am Donnerstagabend.

Landesbischof July ab Sommer im Ruhestand

Landesbischof Frank Otfried July erreicht im Juli die Altersgrenze von 68 Jahren und tritt in den Ruhestand. Er war 2005 bereits im ersten Wahlgang ins Amt gewählt worden. Der künftige Amtsinhaber wird für eine Amtszeit von zehn Jahren bestimmt und am 24. Juli in Stuttgart ins Amt eingeführt. Er wird Bischof für rund 1,9 Millionen Protestanten in Württemberg. Sein Nachfolger wird vor allem Vertrauen gewinnen müssen. Denn im vergangenen Jahr haben 25.529 evangelische Christinnen und Christen der Kirche den Rücken gekehrt. Bei Julys Amtsantritt zählte die Landeskirche in Württemberg als eine der größten protestantischen Kirchen in Deutschland noch 2,4 Millionen Mitglieder. Weniger Mitglieder bedeuten aber auch weniger Einnahmen aus der Kirchensteuer.

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