Bild einer Biogasanlage, im Vordergrund ein Getreidefeld. Rechtliche Rahmenbedingungen verhindern den Ausbau von Biogas. (Foto: IMAGO, IMAGO / Westend61)

Trotz Energiekrise keine höhere Nachfrage

Warum Biogas zwischen Ostalb und Oberschwaben bislang nicht boomt

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Maja Nötzel
Maja Nötzel (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Die Energiekrise wirkt sich bislang nicht auf eine Steigerung der Biogasproduktion in der Region aus. Betreibern fehlen etwa langfristige rechtliche Rahmenbedingungen.

Vor allem mit Gülle und nachwachsenden Rohstoffen werden die Biogasanlagen zwischen Ostalb und Oberschwaben beschickt. Insgesamt rund 260 Biogasanlagen stehen in der Region. An deren Zahl wird sich nach Einschätzung von Betreibern und Behörden so schnell auch nichts ändern. In ganz Baden-Württemberg sind es mehr als 900 Anlagen.

Biogas-Anlagenbauer verzeichnen keine höhere Nachfrage

Biogas-Anlagenbauer aus der Region verzeichnen auf SWR-Anfrage keine höhere Nachfrage als üblich. Die Energiekrise mache sich bislang nicht bemerkbar. Die LIPP GmbH in Tannhausen im Ostalbkreis sieht einen Grund darin, dass der Bau von Biogasanlagen ein längerer Prozess sei. Erwin Köberle von Biogaskontor Köberle GmbH Obermarchtal im Alb-Donau-Kreis sagte dem SWR, die Pläne von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), die Biogasproduktion kurzfristig auszuweiten, seien zeitlich befristet. Es gebe keine Zusicherung, dass es sich lohne, zu investieren.

Keine Anträge auf Neubau oder Erweiterung von Biogasanlagen

Den Landratsämtern zwischen Ostalb und Oberschwaben liegen nach SWR-Recherchen keine Anträge vor, neue Anlagen zu bauen oder bestehende zu erweitern. So sind etwa dem Landratsamt des Alb-Donau-Kreises laut Mitteilung derzeit keine Betreiber bekannt, die durch "Steigerung des Materialinputs" eine Kapazitätserhöhung ihrer Biogasanlage planen. Dafür sei nach derzeitiger Rechtslage außerdem eine Änderungsgenehmigung erforderlich. Diese Genehmigungsverfahren seien in der Regel sehr aufwändig und erstreckten sich über mehrere Monate.

Für große Biogasanlagen sind Regierungspräsidien zuständig

Die Regierungspräsidien sind für die Genehmigung und Überwachung von Biogasanlagen zuständig, die unter die europäischen Industrieemissionsrichtlinie (IE-Richtlinie) fallen. Das ist dann der Fall, wenn sie wegen ihrer möglichen Umweltauswirkungen besonderen Standards unterliegen oder wenn sie wegen der vorhandenen Gasmengen unter die Störfall-Verordnung fallen. Dies gilt meist für alle großen Biogasanlagen.

Bild einer Biogasanlage, im Vordergrund ein Getreidefeld. Rechtliche Rahmenbedingungen verhindern den Ausbau von Biogas. (Foto: IMAGO, IMAGO / Westend61)
Auch im Landkreis Biberach setzt man auf Biogas, wie in dieser Anlage in Riedlingen (Archivbild). IMAGO / Westend61

Keine offenen Genehmigungsanträge bei Regierungspräsidien

Im Ostalbkreis und im Kreis Heidenheim fallen insgesamt zwei Biogasanlagen in die Zuständigkeit des Regierungspräsidiums Stuttgart. Derzeit lägen keine Genehmigungsanträge für Neuanlagen oder Anlagenerweiterungen vor, hieß es dort auf Anfrage. Das Regierungspräsidium Tübingen ist für eine Anlage im Alb-Donau-Kreis und acht Anlagen im Kreis Biberach zuständig. Auch dort liegen laut Mitteilung keine Genehmigungsanträge für eine Erweiterung von Anlagen vor.

80 Biogasanlagen im Alb-Donau-Kreis in Betrieb

Derzeit wird im Alb-Donau-Kreis in 80 Anlagen Biogas erzeugt. Mit diesem Gas wird insgesamt eine elektrische Leistung von etwa 29 Megawatt erzeugt, teilte das Landratsamt in Ulm auf Anfrage mit. Der erzeugte Strom wird in der Regel ins Netz eingespeist. Die Abwärme hingegen deckt oft den Eigenbedarf des Erzeugers wie die Beheizung des Fermenters, Stallungen und Wohngebäude. Im Landkreis Heidenheim sind 34 Anlagen im Betrieb, im Landkreis Biberach sind es 101, wie aus den Daten des Infodienstes Landwirtschaft hervorgeht.

Im Ostalbkreis gibt es derzeit 50 Biogasanlagen

Im Ostalbkreis sind laut Mitteilung des Landratsamtes Aalen aktuell 50 Biogasanlagen in Betrieb. Alle Anlagen speisen den Strom ins öffentliche Stromnetz ein. Die installierte elektrische Leistung aller Anlagen zusammen liegt bei rund 24 Megawatt. Zwei große Nahwärmenetze im Ostalbkreis werden mit Wärme aus Biogas betrieben. Ansonsten verwerten die Anlagen ihre Abwärme selbst, durch Beheizung von Wohnhäusern,  Betriebsgebäuden und öffentlichen Einrichtungen. Zwei Betreiber planten neue Gaslager, um die Kapazität zu erhöhen. Dadurch könne Biogas bedarfsgerechter genutzt werden, zum Beispiel, wenn der Strom- oder Wärmebedarf hoch ist.

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