Bewegende Geschichte einer Flucht

Elsa Koch und ihr Koffer - 70 Jahre Vertriebenenverband in BW

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AUTOR/IN
Rebmann, Sophie

70 Jahre – so lange ist es her, dass sich in Baden-Württemberg der Vertriebenenverband gegründet hat. Darin haben sich deutschsprachige Flüchtlinge und Vertriebene organisiert, die ihre Heimat in Gebieten wie dem heutigen Ungarn, Tschechien, Polen, Rumänien oder Serbien mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verlassen mussten. Eine von ihnen ist Elsa Koch. Sie ist als Donauschwäbin im Süden Ungarns, in der Nähe der Stadt Pécs zur Welt gekommen – und ist mir ihrer Mutter und der älteren Schwester 1944 aus dem Heimatdorf geflohen.

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Atmo: „Kann ich Ihnen eine Hand reichen? Ne das geht.“ / Autofahrt

Elsa Koch hat auf ihre Flucht aus Ungarn 1944 einen Koffer mitgenommen. Den will sie mir heute zeigen. Dafür fahren wir nach Ulm ins Donauschwäbische Zentralmuseum. Dort steht er in einer Vitrine.

Ton

Den Koffer in der einen, eine Puppe in der anderen – so saß Elsa Koch auf einer Pferdekutsche, als sie ihr Heimatdorf verließ. Ihr kleiner Hund lief ihnen hinterher:
Ton „Daxi“

Er muss geahnt haben, dass Elsa, ihre Mutter und die Schwester nicht mehr zurückkommen würden – und hat damit mehr gewusst als die drei Frauen. Sie wollten sich nur vor der durchziehenden russischen Armee verstecken und bald zurückkehren. Stattdessen waren sie eineinhalb Jahre auf der Flucht, kamen über verschiedene Stationen in der Steiermark schließlich in Staig, einer kleinen Gemeinde bei Ulm an. Überall fiel Elsa auf, weil sie arm war und anders sprach, wurde gehänselt, ausgelacht und ausgegrenzt. An ihrem ersten Tag in der Schule in Staig hatte sie ein rotes Kleid an, das ihre Mutter selbst genäht und rot eingefärbt hatte.
Ton - „rotes kleid“

Über ihre Flucht hat sie jahrzehntelang nicht gesprochen. Obwohl die Erinnerung immer da war: Über ihr, auf der Bühne, stand schließlich immer ihr Koffer voller Fotos aus der Heimat und Briefen vom Vater.

Ton - Koffer auf dem Speicher

Erst sehr viel später, irgendwann vor der Rente, hat sie angefangen, über ihre Geschichte, die Flucht und den Heimatverlust zu sprechen.

Ton - ihr Leben

Da hat sie auch beschlossen, den Koffer ins Museum zu geben. Damit die Erinnerung auch dann noch bleibt, wenn sie schon nicht mehr da ist.

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Rebmann, Sophie