Eine große Gruppe von Menschen auf einer Treppe. Familienbild mit OB: Angehörige der Einstein-Familie aus der ganzen Welt sind am Donnerstag vom Ulmer Oberbürgermeister Martin Ansbacher (SPD) empfangen worden und versammelten sich fürs Foto auf der Treppe des Ulmer Rathauses. Anlass des Familientreffens ist die Eröffnung des Museums "Die Einsteins".

Besuch aus der ganzen Welt

Nachfahren der Familie Einstein treffen sich in Ulm zur Museumseröffnung

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Maja Nötzel
SWR-Aktuell Redakteurin Maja Nötzel
Sabine Bauer
Sabine Bauer

Rund 60 Angehörige der Familie Einstein treffen sich derzeit in Ulm zur Eröffnung des Museums "Die Einsteins". Wie drei Verwandte des Nobelpreisträgers Albert Einstein dies erleben.

Es ist schon ein besonderes Familientreffen: An die 60 Angehörige der Familie Einstein sind nach Ulm gekommen, um bei der Eröffnung des Museums "Die Einsteins" dabei zu sein. Es sind Enkel, Urenkel und Ur-Ur-Enkel von Albert Einstein und seiner Tanten und Cousins. Viele sind aus den USA in die Heimatstadt des berühmten Nobelpreisträgers angereist, andere kommen aus Italien, Schweden, Frankreich und auch aus Deutschland.

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Benjamin Moos ist aus dem bayerischen Fürstenfeldbruck nach Ulm gekommen. Seine Eltern und sein Onkel begleiten ihn. Der 36-Jährige stammt aus Berlin, die Fluchtgeschichte seines Großvaters Alfred Moos, eines Großneffen Albert Einsteins, wird im neuen Museum "Die Einsteins" erzählt. Prinzipiell sei ihm das, was im Museum dargestellt wird, schon bekannt gewesen, "dass er zuerst nach England und nach Palästina emigriert ist" und dann wieder nach Deutschland zurückgekehrt sei. "Aber ich wusste es nicht so im Detail."

Dies hier im Museum und in Form eines Graphic Novels, also in künstlerischer Comicform, zu sehen, sei eben etwas ganz anderes, als es abends nebenbei erzählt zu bekommen. Zur Museumseröffnung nach Ulm ist er gekommen, um noch etwas mehr über die Familiengeschichte der Einsteins zu erfahren. "Es sind so viele Verwandte da, die ich gar nicht kenne, von denen ich nicht einmal wusste, dass es sie überhaupt gibt. Das ist eine Chance, alle einmal kennenzulernen."

Das neue Museum "Die Einsteins" in Ulm ist am Donnerstagabend offiziell eröffnet worden.
Das neue Museum "Die Einsteins" in Ulm ist am Donnerstagabend offiziell eröffnet worden.

Es sind so viele Verwandte da, von denen ich nicht einmal wusste.

Einsteins Familie unterstützt Museum

Die Nachfahren Albert Einsteins und seiner weitverzweigten Ulmer Familie haben Museumskuratorin Sabine Presuhn und ihren Vorgänger Ingo Bergmann bei der Entstehung des Museums unterstützt. So haben sie ihre eigenen Geschichten und die Geschichten ihrer Eltern, Groß- und Urgroßeltern erzählt, standen und stehen für Videointerviews zur Verfügung und haben dem Museum Andenken an ihre Familie gestiftet.

Wie etwa das Kinderspiel, mit dem vielleicht auch der kleine Albert selbst gespielt hat, oder die Figurine "Weißer Vogel mit goldenem Schnabel", die Einsteins Cousine Frida Hirsch auf die Flucht mitgenommen hat.

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Irene Dorzback ist aus New Jersey, USA, angereist. Sie ist mit Albert Einstein über ihren Vater verwandt. Ihre Mutter, erzählt sie auf englisch, sei "ein Ulmer", habe viele Informationen und auch Gegenstände für das neue Museum gestiftet. Darunter auch ein Bild vom Inneren der von den Nazis zerstörten Ulmer Synagoge. Die103-jährige in die USA emigrierte Ann Dorzback hat es aus ihrer Erinnerung heraus malen lassen und es dem Museum "Die Einsteins" geschenkt. Ihre Mutter, erzählt Irene Dorzback, denkt gerne an die Synagoge und die guten Jahre ihrer Kindheit in Ulm zurück. Sie habe gedacht, dass dies ein wichtiger Teil der Ulmer Geschichte sei. "Es ist eine Ehre, dass das Bild ein Teil dieses Museums ist. Und ein Teil der Kulturgemeinschaft, an das sich Menschen erinnern wollen."

Etwas versteckt in der ersten Vitrine: das Kinderspiel mit Holzperlen aus dem Besitz der Familie Eintstein, mit dem der kleine Albert vielleicht selbst sogar gespielt hat.
Etwas versteckt in der ersten Vitrine: das Kinderspiel mit Holzperlen aus dem Besitz der Familie Eintstein, mit dem der kleine Albert vielleicht selbst sogar gespielt hat.

Angehörige entdecken neue Verbindungen zu Einstein

Ihre Mutter habe auch dazu beitragen können, Fakten über Ausstellungsstücke zu verifizieren, so Irene Dorzback. "Sie fühlt sich sehr stark als Teil des Museums." Dieses sei sehr eindrucksvoll, präsentiere Fakten und Geschichten auch mit modernster Technologie und sei so für jeden zugänglich. Die Ausstellung habe ihr selbst auch noch einmal die Verbindungen innerhalb der Einstein-Familie gezeigt. "Wir sind alle verbunden", sagt die 72-Jährige, die erst mit über 30 Jahren erfahren hat, dass sie eine Nachfahrin Albert Einsteins ist.

Wir fühlen eine unglaubliche Liebe für diese Stadt Ulm

Albert Einstein selbst lebte nur die ersten 15 Monate nach seiner Geburt in Ulm, blieb der Stadt aber ein Leben lang verbunden. Das zeigt auch die Ausstellung in dem ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus der Großeltern Albert Einsteins. Weitere Themenfelder sind das jüdische Leben in Ulm, Antisemitismus und Verfolgung in der Nazizeit und auch die Flucht der Einsteins in die ganze Welt.

Die Mutter von Irene Dorzback, die aus einer alten Ulmer Fabrikantenfamilie stammt, sei der Stadt immer sehr verbunden gewesen. 32 Mal sei sie dagewesen und habe dabei jedes Mal mit Schülerinnen und Schülern über den Holocaust, den Krieg, über Vergebung und die richtigen Lebensentscheidungen gesprochen. "Wir fühlen eine unglaubliche Liebe für diese Stadt - ich würde hier leben, wenn ich nicht in den USA wäre."

Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir alle hier sind.

Eva Krampen-Koslowski ist aus Italien zur Museumseröffnung nach Ulm angereist. Die 68-Jährige ist nicht blutsverwandt mit Albert Einstein. Ihre Mutter Paola Mazzetti war von Robert Einstein, einem Cousin Albert Einsteins, adoptiert worden. Im Museum hängen Gedenktafeln, die an die Ermordung von Robert Einsteins Ehefrau und seiner beiden leiblichen Töchter durch die Nationalsozialisten 1944 in Italien erinnern. Robert Einstein, der sich vor den Nazis im Wald versteckt hatte, nahm sich in der Folge das Leben.

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Es sei sehr wichtig, hier in Ulm einen Ort der Erinnerung und eine Verbindung zur Einstein-Familie zu haben, sagt Eva Krampen-Koslowski. Die Tat von damals sei nicht so sehr bekannt, "es ist wichtig, dass man nicht vergisst". Die Fotografin hat selbst vor einigen Jahren eine Ausstellung im Ulmer Einsteinhaus über die damalige Tragödie gemacht. "Es war sehr schön, diese ganzen Leute kennenzulernen, ein sehr schönes Treffen", sagt sie über die Zusammenkunft der Einsteins in Ulm. "Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir alle hier sind."

Das Museum "Die Einsteins - Museum einer Ulmer Familie" ist ab Freitag, 5. Juli, für Besucherinnen und Besucher im Ulmer Fischerviertel geöffnet.

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