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Wer in Ulm und Neu-Ulm kurze Strecken zurücklegen muss, kann dafür seit Juli einen E-Scooter ausleihen. Doch das Angebot stößt nicht bei allen auf Begeisterung. Die Polizei zieht eine durchwachsene erste Bilanz.

Zwei Anbieter kämpfen um die Gunst der Nutzer, insgesamt 400 Roller haben sie in Ulm und der Nachbarstadt Neu-Ulm bereitgestellt. Praktisch für die Nutzer: Sie können die elektrisch betriebenen E-Scooter nach ihrer Fahrt einfach stehen lassen. "Free Floating System" nennt sich das. Doch es gibt Ausnahmen, wie die Stadt Ulm auf Anfrage mitteilt: Der Münsterplatz, Parkanlagen oder der Hauptbahnhof sind als Abstellplatz tabu. Sollten Roller dort stehen oder zum Beispiel eine Garageneinfahrt versperren, muss sie der Anbieter einsammeln.

Acht Unfälle mit neun Verletzten

Bei der Stadtverwaltung und der Polizei in Ulm hat es bereits etliche Beschwerden gegeben. Polizeisprecher Wolfgang Jürgens sieht das E-Roller-Angebot dennoch positiv, wenn es hilft, den Verkehr in der Stadt zu entzerren. Er verweist aber auch auf "dieses Jahr schon acht Verkehrsunfälle. Bei diesen acht Unfällen sind zwei Menschen schwer und sieben Personen leicht verletzt worden."

Auch in Ulm und Neu-Ulm gibt es E-Roller zum Ausleihen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Hauke-Christian Dittrich/dpa)
Polizeisprecher Wolfgang Jürgens sieht das E-Roller-Angebot positiv, verweist aber auch auf "dieses Jahr schon acht Verkehrsunfälle." (Symbolbild) picture alliance/Hauke-Christian Dittrich/dpa

"Bis auf einen sind alle Unfälle von E-Roller-Fahrern selbst verursacht worden", so Jürgens, "zwei davon sind betrunken unterwegs gewesen." Andere seien, ohne auf den Verkehr zu achten, aus einem Grundstück auf die Straße gefahren und hätten die Vorfahrt missachtet.

Wer in Ulm oder Neu-Ulm einen E-Roller ausleihen möchte, muss sich dafür eine App beim Anbieter herunterladen. 20 Stundenkilometer dürfen die Roller maximal fahren. Bei beiden Anbietern, "Zeus" und "Tier", müssen die Fahrer mindestens 18 Jahre alt sein. Ein extra Führerschein ist nicht nötig. Fahren ist auf Radwegen und Straßen erlaubt, auf Gehwegen oder in Fußgängerzonen dagegen nicht.

"Weil du alle Strecken zu Fuß laufen kannst, sehe ich es in Ulm als nicht notwendig an."

Dominik Barthel, E-Roller-Nutzer

Der 18-jährige Dominik Barthel hat bereits eine Probefahrt gemacht. Für ihn ist das Fahren mit den geliehenen Rollern "nicht kompliziert, ein cooles Konzept". Er sagt aber auch: Anders als in einer großen Stadt wie Berlin lohne es sich in Ulm für die Nutzer eigentlich nicht: "Weil du halt alle Strecken genauso gut zu Fuß laufen kannst, sehe ich es in Ulm tatsächlich als nicht notwendig an."

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