Eine Kugel voller Schlupfwespeneier liegt zwischen Maispflanzen. Bald schlüpfen die Schlupfwespen und legen dann Eier in das Gelege des Maiszünslers (Foto: SWR, Verena Hussong)

Schädlinge in der Landwirtschaft

Maiszünsler bekämpfen: Mit Drohne, Kugeln und Schlupfwespen

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Verena Hussong
Verena Hussong (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Wenn sich der Maiszünsler auf einem Feld ausbreitet, herrscht bei den Landwirten Alarmstimmung, dann ist die Ernte in Gefahr. Hilfe kommt im Alb-Donau-Kreis jetzt aus der Luft - per Drohne.

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Über einem Maisfeld in Erbach (Alb-Donau-Kreis) ist ein bedrohlich klingendes Brummen zu hören. Und dann steigt sie auf: Die Drohne, die in einem weißen Behälter rund 1.000 Kugeln mit Schlupfwespeneiern geladen hat. Am Feldrand steht Jens Weber mit der Steuerung in der Hand. Der Drohnenpilot aus Schwäbisch Hall hat vorher das Raster berechnet, nach dem die Drohne das Maisfeld abfliegen wird.

Silke Kramer von der BayWa AG und Drohnenpilot Jens Kramer planen die Einsätze und führen sie im Auftrag der Landwirte in Württemberg durch. (Foto: SWR, Verena Hussong)
Silke Kramer von der BayWa AG und Drohnenpilot Jens Kramer planen die Einsätze und führen sie im Auftrag der Landwirte in Württemberg durch. Verena Hussong

Alle zehn Meter eine Kapsel mit Schlupfwespen-Eiern

"Wir stellen die Flughöhe und programmieren die Flugbahn ein. Etwa alle zehn Meter wird eine Trichogramma-Kapsel abgeworfen und nach drei bis fünf Minuten ist das Feld beflogen." Silke Kramer aus Riedlingen öffnet eine solche Kapsel aus Zellulose. Sie plant für die BayWa AG die Drohneneinsätze für die Landwirtinnen und Landwirte in Württemberg.

Im Inneren der Kapsel sind winzige schwarze und hellbraune Punkte aufgeklebt. "Hier sind 1.100 Trichogramma-Eier drinnen. Die schwarzen sind die, die noch in den Eihüllen sind. Die helleren die, die kurz vor dem Ausschlüpfen sind." Silke Kramer deutet auf vier winzige Löcher in der Kapselhülle. Hier können die wenige Millimeter großen geschlüpften Trichogramma-Schlupfwespen dann hinauskrabbeln.

Schlupfwespen fressen Eier des Maiszünslers

"Die sucht das Eigelege des Maiszünslers und legt ihr eigenes Eigelege rein. Sie nutzt das als Nahrung für ihr Eigelege. Dadurch entstehen weitere Feldgenerationen, die das nächste Eigelege des Maiszünslers zerstören." Damit werde der Maiszünsler effektiv bekämpft mit einer biologischen und ökologischen Behandlungsmöglichkeit. Die Kapsel aus Zellulose verrottet. Finden die Schlupfwespen irgendwann keine Nahrung mehr, sterben auch sie.

Eine mit Kugeln voller Schlupfwespeneier beladene Drohne fliegt ein Maisfeld an und lässt die Kugeln alle zehn Meter ins Feld fallen  (Foto: SWR, Verena Hussong)
Alle zehn Meter wird eine Kugel mit 1100 Schlupfwespeneiern von der Drohne abgeworfen Verena Hussong

Das genaue Ausmaß der Schäden durch den Maiszünsler wird von den Behörden zwar nicht erfasst, so ein Sprecher des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums. Aber bei wissenschaftlichen Versuchen in den letzten Jahren auf sechs Testfeldern in Baden-Württemberg sei jeweils die Hälfte der Maispflanzen vom Maiszünsler befallen gewesen. Die Larven des Kleinschmetterlings bohren Gänge in die Stängel. Die Pflanzen werden dadurch instabil und können umknicken. Pilze siedeln sich an. Stängel und Kolben faulen. Der Ertrag sinkt. Und Pilze im Futtermais können für Tiere gefährlich werden.   

Drohne schafft rund 100 Hektar Ackerfläche am Tag

Die Drohne fliegt währenddessen pfeilschnell das Maisfeld in Erbach ab. Alle zehn Meter ist ein Piepen zu hören. Immer wenn eine Kapsel mit den Trichogramma-Eiern nach unten fällt. Rund 100 Hektar Ackerfläche schaffen Jens Weber und seiner Drohne am Tag. Er hat viel zu tun zwischen Mai und Juli. Zwei Mal fliegt der Drohnenpilot im Auftrag des jeweiligen Landwirts jedes Feld ab, im Abstand von knapp zwei Wochen. Dabei wird er oft angesprochen. "Wir haben sehr oft Fußgänger oder Fahrradfahrer, die sich dafür interessieren. Wir sagen dann, dass wir hier nichts Schlimmes machen und hier niemand gefilmt wird."

Wenn sich der Maiszünsler auf einem Feld ausbreitet, herrscht bei den Landwirten Alarmstimmung (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance/ dpa | Fotoreport KWS Saat AG)
Wenn sich der Maiszünsler auf einem Feld ausbreitet, herrscht bei den Landwirten Alarmstimmung. (Archivbild) picture-alliance/ dpa | Fotoreport KWS Saat AG

Kollegen haben ihm schon berichtet, dass manchmal Vögel die brummende Drohne mit den augenähnlichen Scheinwerfern angreifen. Ihm sei das aber noch nicht passiert. Er entdeckt bei seinen Flügen im Ulmer Raum, im Ostalbkreis oder in Oberschwaben allerdings manchmal Feldhasen. Oder erkennt beim Blick aus der Vogelperspektive, wenn ein Landwirt die Pflanzen etwas krumm gesät hat.

Drohne spart Landwirten viel Zeit

Die Eier der Trichogramma-Schlupfwespen müssen jedes Jahr aufs Neue ausgebracht werden - in Baden-Württemberg wird das auf rund 45.000 Hektar im Jahr gemacht. Für die Bäuerinnen und Bauern ist die Ausbringung mit der Drohne eine große Zeitersparnis. Und sie mindere die Verletzungsgefahr, sagt Silke Kramer. Denn wenn die Schlupfwespeneier per Hand ausbringt, können einem die scharfkantigen Maisblätter das Gesicht zerschneiden. Und mancher Landwirt habe sich dabei auch schon in großen Maisfeldern kurzfristig verirrt.

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