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Nach einer Stagnation steigen die Inzidenzwerte - die Zahl der Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen - in der Region langsam wieder an. Ist es schon die dritte Welle der Pandemie?

Der Ulmer Virologe Professor Thomas Mertens hält sich mit dem Wort "Dritte Welle" noch zurück. Doch die Entwicklung der Neuinfektionen beunruhigt den Vorsitzenden der ständigen Impfkommission. Denn langsam klettert die Inzidenz deutschlandweit und auch in der Region wieder nach oben.

Gefahr wegen der Mutationen

Das könne zwei Gründe haben. Entweder die Menschen würden bereits wieder privat mehr Kontakte zu lassen oder aber es liege an den Corona-Mutationen. "Die Mutante wird so viel besser übertragen, dass bei gleichem Verhalten der Rückgang der neuen Infektionszahlen nicht mehr voranschreitet", erläutert Professor Mertens.

Professor Thomeas Mertens (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)
Der Ulmer Virologe und Vorsitzende der ständigen Impfkommission, Professor Thomas Mertens, spricht noch nicht von einer dritten Welle. picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Der Leiter der virologischen Diagnositik des Universitätsklinikums Ulm, Professor Detlef Michel, lehnt die Begriffe erste, zweite und dritte Welle ab.

Es ist eher eine Dauerwelle.

Professor Detlef Michel, Universitätsklinikum Ulm

Bis nicht alle Menschen immun sind, könne es immer wieder Neuinfektionen geben. Eine Immunität könne erst erreicht werden, wenn alle Menschen geimpft oder alle an Covid-19 erkrankt seien, sagt Michel. Doch häufen sich in letzter Zeit die Meldungen, dass Impftermine gar nicht erst angetreten werden. Professor Thomas Mertens kann diese Reaktion nicht nachvollziehen.

Corona-Impfstoffe "sehr wirksam"

"Man kann ganz klar sagen, dass alle drei Impfstoffe sehr wirksam sind und dass es wirklich leichtfertig und irrational wäre, wenn man sich jetzt nicht impfen lässt", kritisiert der Ulmer Virologe.

Auch Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher können in Baden-Württemberg einen Impftermin vereinbaren. Bisher wurden vor allem über 80-Jährige und Pflegepersonal geimpft. Impftermine für Angestellte in Grundschulen und Kitas laufen also erst an. Trotzdem haben seit Montag Grundschulen und Kitas geöffnet. Damit gebe es auch das Risiko, dass die Infektionen wieder ansteigen, so Mertens.

Mehr Infektionen durch Schul- und Kitaöffnungen?

Zwar seien Schulen nach Untersuchungen keine Hotspots der Virusausbrüche, dennoch würden dort einige Menschen zusammentreffen. "Damit erhält das Virus eine bessere Möglichkeit von einem auf den nächsten übertragen zu werden", sagt Mertens. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Situation in den kommenden Wochen entwickelt.

Vollgestopfte Schulbusse kennt auch Professor Michel. Daher geht er ebenfalls davon aus, dass die Infektionszahlen nach den Schul- und Kitaöffnungen wieder ansteigen könnten. Doch er sieht das gelassen: "Das sind letztendlich Personengruppen, die weit unter 50 Jahre sind, sodass da die schweren Verläufe eigentlich zu vernachlässigen sind."

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