Ein Berg von Holzscheiten: Brennholz wird derzeit auch im Forstbezirk im Kreis Heidenheim stark nachgefragt. (Symbolbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Melissa Erichsen)

Forstbezirksleiter: "Eine Paniksituation wie in der Pandemie mit dem Klopapier"

Große Nachfrage nach Brennholz im Kreis Heidenheim

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SWR Aktuell Autorin Christine Janke (Foto: SWR)

Im Forstbezirk Östliche Alb in Königsbronn im Kreis Heidenheim ist das Internetportal für den Verkauf von Holz bereits geschlossen worden. Dennoch soll es genug Brennholz geben.

Waldbesitzer und Forst BW in der Region haben weitgehend ihr Brennholz schon vor dem Holzeinschlag verkauft. Für Panikkäufe gebe es jedoch keinen Anlass, so der stellvertretende Forstbezirksleiter Rainer Deuschel im Interview mit dem SWR.

SWR: Wie sieht das denn aus bei Ihnen auf der östlichen Alb auf dem Holzmarkt? Ist da noch Holz zu kriegen dieses Jahr oder ist das alles schon knapp geworden.

Rainer Deuschel: Im Moment ist es so, dass in unserem Forsbezirk östliche Alb mit 17.000 Hektar so eine rege Nachfrage nach Brennholz war, dass wir das Internet-Portal, in dem die Leute bestellen konnten, zunächst geschlossen haben. Das ist auch eine Sicherheitsmaßnahme, denn das ganze Holz ist ja mehr oder weniger noch gar nicht eingeschlagen. Das müssen wir erst diesen Winter einschlagen. Wir können ja keine Menge vergeben, die wir vielleicht nicht liefern können. Wir sind ja auch im Wald von Forst BW der Nachhaltigkeit verpflichtet und können nur so viel einschlagen, wie auch wieder nachwächst.

SWR: Das heißt, die Leute haben Holz gekauft, das noch gar nicht geschlagen ist?

Rainer Deuschel: Es ist auch leider nach den großen Steigerungen auf dem Energiesektor ein großer Run auf's Brennholz eingetreten. Die Leute müssen natürlich auch beachten, dass das Holz, das sie jetzt kaufen, noch zwei Jahre trocknen muss, erst dann können sie es verheizen.

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SWR: Wie sehen Sie die Situation in den Nachbarbezirken, ist es nur bei Ihnen in der Ecke so krass?

Rainer Deuschel: Es ist in ganz Baden-Württemberg so... wahrscheinlich in ganz Deutschland.

SWR: Können Sie denn die Leute beruhigen? Ist genügend Brennholz verhanden oder wird es wirklich knapp durch diesen Run?

Rainer Deuschel: Ich denke, die Leute sollten jetzt nicht in Panik verfallen. Die Waldbesitzer und nicht nur Forst BW werden massiv Holz einschlagen und es wird genug geben. Aber es wird halt nicht bis Weihnachten der Fall sein. Die Saison geht bis März/April und auch dann wird es noch Brennholz geben. Wir denken, dass wir auch die Kunden, die bisher immer bestellt haben, im Lauf des Winters bedienen können.

SWR: Wie hat sich das jetzt preislich entwickelt?

Rainer Deuschel: Wir haben natürlich bei Forst BW auch Kostensteigerungen. Unsere ganzen Unternehmer, die Maschinen einsetzen, haben mit gestiegenen Dieselpreisen zu kämpfen. Wir haben die Preise deshalb auch etwas angepasst, allerdings moderat. Wir möchten das auch nicht überreizen.

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SWR: Ist denn Ihre Beobachtung auch so, dass die Leute regelrechte Hamsterkäufe machen, also mehr kaufen als sie brauchen?

Rainer Deuschel: Es ist schon unsere Beobachtung, dass die Leute mehr bestellen als in den letzten Jahren. Ich weiß nicht, wo sie das lagern wollen. Also wenn Garage und Keller mal voll sind, dann ist ja auch kein Platz mehr auf dem Grundstück. Es ist so eine Paniksituation wie in der Pandemie mit dem Klopapier oder wegen des Ukrainekriegs mit dem Sonnenblumenöl.

SWR: Wie sehen Sie die Situation nächstes Jahr? Wird es insgesamt knapper mit dem Brennholz?

Rainer Deuschel: Nein. Ich denke, das wird nicht insgesamt knapp werden. Man darf sich da auch nichts einreden. Der Wärmebedarf von Regionen oder von Deutschland wird nur zu einem geringen Anteil aus Holz gedeckt und das ist auch nicht beliebig steigerbar.

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