Die Figur des Melchior (2.v.r) steht mit den anderen Figuren der Heiligen Drei Könige im Ulmer Münster. Die evangelische Münstergemeinde in Ulm wird die Heiligen Drei Könige aus ihrer Weihnachtskrippe entfernen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Krippenstreit wird wissenschaftlich aufbereitet

Ausstellung über umstrittene Weihnachtskrippe in Ulm verschiebt sich

STAND
AUTOR/IN

Die Diskussion um die als rassistisch bewertete Weihnachtskrippe im Ulmer Münster geht weiter. Die geplante Ausstellung über den Bildhauer Martin Scheible wird auf Februar verschoben.

Die umstrittene Darstellung Melchiors in der Figurengruppe der Heiligen Drei Könige und die Entstehungsgeschichte der Weihnachtskrippe aus Ulm werden derzeit wissenschaftlich aufbereitet. Das dauere länger als geplant, so die Leiterin des Museums Ulm, Stefanie Dathe. Sie wollte ursprünglich aus eigener Initiative die Skulpturen bereits im Advent ausstellen. Nun verschiebt sich die Ausstellung über den Ulmer Bildhauer Martin Scheible, der die Weihnachtskrippe vor gut 100 Jahren für einen privaten Auftraggeber geschnitzt hatte, voraussichtlich bis Februar.

Dekan Gohl im grauen Anzug vor dem Hintergrund der Weihnachtskrippe von Martin Scheible (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)
Der Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl engagiert sich für eine offene Debatte zur Scheible-Krippe von 1920 picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Die Krippe kam 1992 ins Ulmer Münster, das als evangelische Kirche bis dahin traditionell keine Krippe aufstellte. Das Gotteshaus mit dem höchsten Kirchturm der Welt wird im zweiten Jahr in Folge ohne die höchst umstrittene Weihnachtskrippe auskommen, so Dekan Ernst-Wilhelm Gohl.

Münstergemeinde lädt im Ulmer Krippenstreit zur Diskussion

Dekan Gohl und der frühere Münsterpfarrer Frank Banse, in dessen Amtszeit die Übergabe der Krippe fiel, laden am 3. Dezember Ulmerinnen und Ulmer zur Diskussion ins Haus der Begegnung ein. Der Titel der Diskussionsrunde lautet: "Die Scheible-Krippe im Ulmer Münster - wie es anfing und wie es weitergehen soll." Die Entscheidung, ob die Krippe aus den 1920er Jahren wieder aufgestellt oder eventuell eine neue Krippe angeschafft werden soll, will der Kirchengemeinderat im kommenden Frühjahr fällen.

Heilige Drei Könige umrahmt von einem kleinen Schwarzen Schleppenträger und einem Eselstrieber (Foto: Münstergemeinde Ulm)
Als rassistisch gilt auch die Darstellung des unterwürfigen Schleppenträgers Münstergemeinde Ulm

Melchior als König aus Afrika ist ein Mythos

Die Weisen aus dem Morgenland, die dem Stern von Bethlehem folgten, sind zwar biblisch belegt, doch erst später entwickelte sich daraus die Legende von den drei Königen. Sie symbolisieren die drei früher bekannten Kontinente: Asien, Afrika und Europa. Das erläuterte der frühere Münsterpfarrer Stefan Krauter, Experte für Neues Testament an der Uni Zürich, jüngst bei einem Vortrag in Ulm.

Die stark klischeehafte Ulmer Darstellung des Schwarzen Königs mit wulstigen Lippen und Goldring an den nackten Füßen gilt heute als rassistisch. Zusätzlich finden sich unter den insgesamt 26 Figuren der Scheible-Krippe ein unterwürfiger Schwarzer Schleppenträger und einen Eselstreiber. "Das entspricht wirklich nicht mehr unserer heutigen Zeit", sagt Friedrich Hervé Lien Mbep, Sprecher des Afrodeutschen Forums in Ulm. Dieses Bild müsse überarbeitet werden.

Ulm

Debatte um umstrittene Figur des Schwarzen Melchiors Ulmer Rassismus-Streit soll in Vorträgen aufgearbeitet werden

Der Streit um die Figur des Schwarzen Melchiors aus der Weihnachtskrippe im Ulmer Münster hat im Herbst 2020 hohe Wellen geschlagen. Jetzt soll er in einer Vortragsreihe aufgearbeitet werden.  mehr...

Ulm

Diskussion um Figur des Melchior von den Heiligen Drei Königen Nach Rassismus-Debatte: Ulmer Krippenfiguren kommen ins Museum

Das Ulmer Münster will eine als rassistisch empfundene Krippenfigur nicht mehr zeigen. Die Heiligen Drei Könige aus der Weihnachtskrippe sollen nun eine eigene Ausstellung erhalten.  mehr...

Ulm

Umbenennung abgelehnt Tafel soll den Namen "Mohrengasse" in Ulm erklären

Nach intensiven Diskussionen um den Straßennamen "Mohrengasse" in Ulm ist am Mittwoch eine Tafel enthüllt worden, die die Geschichte des Namens erläutert. Eine Umbenennung war zuvor abgelehnt worden.  mehr...