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Auch rund um Heidenheim und Ulm gibt es immer mehr Fälle von Coronavirus-Varianten. Gesundheitsamtsleiter Christoph Bauer erklärt, wie sich die Mutationen ausbreiten und wie die Behörden damit umgehen.

Seit Ende Januar breiten sich auch in Ostwürttemberg und der Region Donau-Iller verschiedene Varianten des Coronavirus aus, die ansteckender sind als die ursprüngliche Version. Im Alb-Donau-Kreis sind aktuell 95 Fälle nachgewiesen (Stand 12.2.20212, 16 Uhr). Zunächst wurden mutierte Coronaviren bei einem Bauarbeiter festgestellt, der auf einer Baustelle im Ulmer Donautal beschäftigt war. Ein Gespräch mit dem Leiter der Gesundheitsämter im Kreis Heidenheim und dem Alb-Donau-Kreis, Christoph Bauer.

SWR: Ist es möglich, dass diese Virusvarianten schon viel länger auch im Alb-Donau-Kreis unterwegs waren?

Christoph Bauer: Davon müssen wir eigentlich ausgehen.

"Wir haben schon den Eindruck, dass das mutierte Virus stärker infektiös ist."

Christoph Bauer, Leiter der Gesundheitsämter im Kreis Heidenheim und dem Alb-Donau-Kreis

Es heißt ja, die mutierten Viren seien deutlich ansteckender, so wie in Großbritannien. Deckt sich das mit den Erfahrungen im Gesundheitsamt?

Wir haben schon den Eindruck, dass das mutierte Virus stärker infektiös ist, weil wir sehr schnell viele Fälle haben.

Bedeutet das, dass jemand mit einer Virusvariante in seinem Umfeld deutlich mehr Menschen infiziert als beim "ersten Coronavirus", das hier aufgetreten ist?

Das scheint so zu sein. Wenn man sich die Zahlen aus England, Großbritannien oder Irland anschaut, die ja die gleiche Mutante darstellen, dann sind diese Sachen eigentlich schon belegt.

Ist die Situation im Landkreis Heidenheim anders?

In Heidenheim haben wir auch eine Virusvariante nachgewiesen. Auch dort war es eine Infektionskette, die wir aufgedeckt haben. Aber es werden immer mehr Landkreise, die betroffen sind.

Im Ostalbkreis sind ja auch schon mehrere Varianten aufgetreten. Was bedeutet das jetzt für die Kontaktpersonen?

Wir sind natürlich sehr bestrebt, dass sich diese Variante möglichst langsam ausbreitet. Deswegen gibt es Unterschiede, was die Dauer der Quarantäne angeht. Es gibt beispielsweise einen zusätzlichen Sicherheitskreis, was die Angehörigen von Kontaktperson angeht. Die müssen jetzt auch in Quarantäne - und zwar 14 Tage. Im Vergleich: Beim ursprünglichen Virus sind es nur zehn Tage.

"Wir sind natürlich bestrebt, die feinsten Verästelungen bei den mutierten Formen aufzudecken."

Christoph Bauer, Leiter der Gesundheitsämter im Kreis Heidenheim und dem Alb-Donau-Kreis

Rechnen Sie mit einem größeren Arbeitspensum in den nächsten Wochen?

Wir sind natürlich bestrebt, die feinsten Verästelungen bei den mutierten Formen aufzudecken, zu isolieren und in Quarantäne zu setzen, um eine Ausbreitung auf jeden Fall zu verhindern.

Schaffen Sie das personell?

Wir schaffen das momentan ganz gut. Allerdings kann sich das schnell ändern.

Es heißt immer, ein Inzidenzwert von 50 oder niedriger würde es den Gesundheitsämtern wieder erlauben, alle Kontakte nachzuverfolgen. Ist das so?

Dass man jedes Mal die Infektionsquelle aufdeckt, bei allen Fällen, das wird nie gelingen. Aber wir schaffen es, die Infektionsketten zu verfolgen. Wir kommen der Sache im Moment bei diesen Inzidenzzahlen sehr gut nach.

Das Gespräch führte Carola Kührig.

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