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Die Basketballer von Ratiopharm Ulm und der 1. FC Heidenheim im Fußball haben ambitionierte Nachwuchsprogramme. Doch die meisten Talente dürfen seit gut einem Jahr weder spielen noch trainieren.

Die besten Ulmer Basketball-Talente spielen normalerweise in der U19 Nachwuchs-Bundesliga oder der U16 Jugend-Bundesliga. Aber seit einem Jahr finden praktisch keine Spiele mehr statt, abgesehen vom abgebrochenen Saisonstart Anfang Herbst. So mancher Experte in der Sportwelt spricht schon von einer verlorenen Generation.

Sportdirektor Thorsten Leibenath von Ratiopharm Ulm befürchtet, dass sich viele vom Basketball abwenden werden. Deswegen setzt der Verein alles daran, den Nachwuchs in der Krise bei Laune zu halten: Videomeetings oder virtuelle Treffen mit den Profis. Aber das "ersetzt nicht den Wettkampf".

Corona macht den Nachwuchssportlern das Leben schwer (Foto: Imago, IMAGO/Nordphoto)
Sportdirektor Thorsten Leibenath von Ratiopharm Ulm befürchtet, dass sich viele vom Basketball abwenden werden. (Archivbild) Imago IMAGO/Nordphoto

Nicht alle sind zum ersten Basketball-Training wiedergekommen

Seit Februar dürfen die Nachwuchs-Bundesliga-Teams immerhin wieder trainieren, allerdings nur in Baden-Württemberg. Das Training findet deshalb in der alten Ulmer Kuhberghalle statt und nicht im nagelneuen Orangecampus, dem Nachwuchsleistungszentrum in Neu-Ulm. Aber es sind tatsächlich nicht alle wiedergekommen.

"Irgendwann hat auch der motivierteste Nachwuchsspieler keinen Bock mehr, körperstabilisierende Übungen auf dem Wohnzimmerteppich zu machen. "

Thorsten Leibenath, Sportdirektor von Ratiopharm Ulm

In den meisten anderen Kinder- und Jugendteams gibt es Fitnesstraining per Video. Aber irgendwann habe "auch der motivierteste Nachwuchsspieler keinen Bock mehr, körperstabilisierende Übungen auf dem Wohnzimmerteppich zu machen. Wir sind alle Basketballer, und wir wollen den Ball durch den Ring schmeißen".

1.000 Kinder und Jugendliche spielen unter dem Dach von Ratiopharm Ulm und dem dazugehörigen Verein BBU Basketball. 95 Prozent von ihnen dürfen seit Monaten in keine Halle mehr rein. Wie viele werden auf Dauer wegbleiben?

Corona macht den Nachwuchssportlern das Leben schwer (Foto: Imago, IMAGO/Steffen Kuttner)
Auf den Trainingsplatz dürfen derzeit nur die U17- und U19-Bundesliga-Teams, wenngleich der Ligabetrieb eingestellt ist. (Sujetbild) Imago IMAGO/Steffen Kuttner

Fußballtraining beim 1. FC Heidenheim per Videoschalte

Beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim werden 250 Nachwuchskicker ausgebildet. Auf den Trainingsplatz dürfen derzeit nur die U17- und U19-Bundesliga-Teams, wenngleich der Ligabetrieb eingestellt ist. Die meisten müssten zu Hause alleine üben und würden von den Trainern mit individuellen Trainingsplänen versorgt, erklärt der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, Jürgen Bastendorf. Videoschalten zwischen Trainern und Spielern gebe es auch.

Wie sehr die Corona Pandemie seine Fußballtalente zurückwirft, vermag Bastendorf nicht einzuschätzen. Es fehlten die Wettkampfpraxis und die intensiven Trainingseinheiten, vor allem die der älteren Jahrgänge. Das könne man aber durchaus wieder aufholen.

"Es wird jetzt eine Generation aufwachsen, die es vielleicht gar nicht mehr gewohnt ist, mit Freunden Sport zu treiben oder Musik zu machen."

Thorsten Leibenath, Sportdirektor von Ratiopharm Ulm

Trotzdem gibt es im Fußball und Basketball auch Stimmen, die sagen, dass die Nachwuchsförderung um Jahre zurückgeworfen werde, dass gar eine ganze Generation verloren gehe. Eine Generation, die vielleicht gar nicht erst den Weg zum Sport findet. Das macht auch Sportdirektor Thorsten Leibenath von den Ulmer Basketballern nachdenklich. Er fürchtet ein "gesamtgesellschaftliches Problem, das alles, was Sport und Kultur angeht, betreffen wird". Er sieht eine "Generation aufwachsen, die es vielleicht gar nicht mehr gewohnt ist, in einem Umfeld mit Freunden Sport zu treiben oder Musik zu machen."

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