STAND
ONLINEFASSUNG
INTERVIEW

Der Comiczeichner Patrick Wirbeleit gewährt an der PH Schwäbisch Gmünd einen Einblick in seine Arbeit. Im SWR-Interview verrät er, wieso die Welt der Comics so faszinierend ist.

Comicbuchzeichner Patrick Wirbeleit  (Foto: Alexander Kliem)
Comicbuchzeichner Patrick Wirbeleit ist sich sicher, Kinder mit Comics fürs Lesen zu begeistern. Alexander Kliem

SWR: Was war Ihre Einstiegsdroge in die Welt der Comics?

Patrick Wirbeleit: Petzi natürlich. Petzi ist, glaube ich, tatsächlich in meinem allerersten Kindercomic erwähnt - als Dankeschön an meine Tante, die hat mir die Petzi-Comics immer mitgebracht.

Sie sagen, Comics sind ideal, um selber ins Lesen zu kommen. Wieso Comics und jetzt nicht Märchen, die werden zum Beispiel auch sehr vielen Kindern vorgelesen?

Ich meine das selbstständige Lesen. Natürlich kann man Märchen vorlesen, man kann alles mögliche vorlesen. Sobald sie in das Alter kommen, wo sie selber was lesen, haben sie das Problem der Differenzerfahrung: also was sie an tollen Geschichten vorgelesen bekommen haben, zu dem, was sie selber in der Lage sind an Textvolumen zu bewältigen. Wenn es jetzt nicht gerade ein übertalentierter Leser ist, hat das Kind erstmal Anlaufschwierigkeiten, bis es an Geschichten kommt, die auf das inhaltliche Niveau kommen, was sie vorher gewohnt waren, durch die Geschichten, die ihnen vorgelesen wurden. Der Comic ist durch die einzigartige Kombination zwischen Wort und Bild in der Lage, auf der Bildebene Inhalt zu vermitteln. Man hat im Grunde zwei Erzählebenen: Die eine Erzählebene ist die Textebene und die andere die Bildebene. Man kann als Autor eben ganz viel auf die Bildebene legen, sodass man spannendere Geschichten erzählen kann mit dem gleichen Textvolumen. Damit kann man sowohl leseschwache als auch lesestarke Kinder abholen.

Aber im Deutschunterricht haben doch Comics jetzt nichts verloren, oder?

Diese Haltung ist mir tatsächlich bis vor ein paar Jahren ständig begegnet, aber es gibt eine ziemlich große Bewegung. Ich mache sehr viele Kurse mittlerweile für Lehrer. Eine Fortbildung für Lehrer zu dem Thema: "Comics als Leseeinstieg. " Die Bereitschaft in der Lesepädagogik, sich für das Thema Comic zu öffnen, ist gewachsen, zuletzt auch durch das Angebot an interessanten Comics für Kinder hier in Deutschland.

Batman kam in den USA 1940, Mickey Mouse in den 1950er Jahren raus. Das heißt, alle, die jetzt 70 Jahre alt sind, sind mit Comics selbst als Kinder oder als Jugendliche in Berührung gekommen. Trotzdem gibt es immer noch bei der Mehrheit eine ablehnende Haltung gegenüber Comics, auch gerade im Unterricht.

In England ist zum Beispiel "Wind in den Weiden" erschienen. Das ist inhaltlich politisch - aber ein wenig versteckt für Erwachsene - und zwar mit großartigen Illustrationen, sehr verspielt, wie die Figuren miteinander kommunizieren. In England ist es so: Wenn ich mit einer Lektorin spreche, sagt die, dass sie möchte, dass das Kind Spaß am Lesen hat. In Deutschland möchten wir, dass das Kind etwas lernt. Diese beiden Sachen gehen nicht so ganz Hand in Hand. Das sehe ich auch bei meinen Kindern und das habe ich auch selbst erlebt. Natürlich, wenn man Spaß an einer Sache hat, lernt man auch besser. Und ich persönlich sage, lasst die Kinder erst mal die Erfahrung machen, dass Lesen Spaß macht, das haben sie einfach mit Comics. Der Rest kommt schon von alleine. Das ist ein bisschen bitter, aber eigentlich sind diese Vorbehalte Nazi-Propaganda, die immer noch in unseren Köpfen sagt: Comics sind nicht gut, weil Hitler - damals von der tatsächlich amerikanischen Propaganda, die auch durch Comics transportiert wurde, natürlich verbrämt wurde - das nicht gut fand. Comics, das ist was für Doofe. Und das wurde völlig unreflektiert von Generation zu Generation weitergegeben.

Darmstadt

Literatur | Corona-Bibliothek „Bei mir zuhause“ – 600 Seiten Leben im Comic-Format

Paulina Stulin öffnet einige Fenster in ihr Leben: Da ist zunächst ganz banal das Fenster ihrer Dachgeschoss-Wohnung. Durch dieses Fenster blickt die Comic-Paulina in die Welt, und wir blicken in Paulinas Leben. Knapp zwei Kilo schwer und über 600 Seiten dick ist Paulina Stulins autobiographischer Comic-Roman. Radikal subjektiv ist die Erzählung, bunt und impressionistisch modern sind die Bilder. Er dreht sich allein um Paulina und ihr Leben in Darmstadt. Das tut er aber so ehrlich und ungeschönt, dass sich viele Leser*innen in dem Comic zuhause fühlen können.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Literatur „Cutter“ - Noir-Comic von Andreas Martens über einen Messer-Mörder

Im Comic „Cutter“ von Andreas Martens geht es um einen geheimnisvollen Messer-Mörder, der nicht sterben kann und über die Grenzen von Gut und Böse, die in dieser Comic-Welt ständig verschwimmen.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gerhard Seyfried: Comic-Zeichner

Wurde zur Kultfigur der linksalternativen Szene in Berlin.  mehr...

STAND
ONLINEFASSUNG
INTERVIEW