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Das Unternehmernetzwerk "Club der Industrie" Ulm/Neu-Ulm schlägt Alarm, weil immer mehr Arbeitsplätze aus der Region abwandern. Was das bedeutet, erklärt Vorstandssprecher Danieli.

SWR: Herr Danieli, der "Club der Industrie" hat sich mit einem kritischen Schreiben an die Öffentlichkeit gewandt. Demnach verlagern immer mehr Firmen ihre Arbeitsplätze ins Ausland: Diehl Aviation in Laupheim oder Hartmann in Heidenheim, und das sogar noch mit Fördergeldern der EU. In dem Schreiben heißt es, dass das in fünf bis zehn Jahren erhebliche Auswirkung haben wird. Der Auszug der hiesigen Wirtschaft ins Ausland erfolge weitestgehend unbemerkt. Wie groß ist das Ausmaß Ihrer Einschätzung nach?

Marcello Danieli: Ich denke, das hat schon Dimensionen angenommen, die mittlerweile, nicht nur über die Lieferketten-Probleme, für jeden ein Stück weit spürbar geworden sind. Wir haben hier ein scheibchenweises Abwandern. Nicht mehr nur noch in den EU-Ostblock, was mit Fördermitteln unterstützt wird, sondern eben auch in Billiglohnländer: Indien, China und Mexiko. Bedenkenswert bei dieser Verlagerungstätigkeit ist, dass dort die Menschenrechte nicht beachtet werden und Umweltschutzgedanken, wie wir sie in Europa kennen, auch nicht an erster Stelle stehen, sondern Profit und Produktionshintergründe.

Inwiefern wird das Ganze in fünf bis zehn Jahren Auswirkungen bei uns haben?

Wir haben versucht das aufzuarbeiten und haben festgestellt, dass das immer mal wieder 300 Mitarbeiter sind, wo ein Werk geschlossen wird. Wie aktuell in Geislingen die Firma Odelo oder Eberspächer in Esslingen, wo es auch um 400 Leute geht. Die Verlagerung von Geislingen in die Türkei und von Esslingen nach Polen zeigt, dass immer mal wieder hunderte Mitarbeiter und Arbeitsplätze verloren gehen. In Summe wirkt sich das dann immer aus. Wenn wir uns den Standort Augsburg anschauen, haben wir dort zwei ganz große Firmen verloren: Osram mit fast 2.500 Mitarbeitern und Fujitsu, wo fast 1.600 Arbeitsplätze verloren gingen.

Wird diese Verlagerung der Arbeitsplätze tatsächlich mit EU-Fördergeldern unterstützt?

Eines unserer Unternehmen hat den Firmensitz in Bulgarien und da werden Neuinvestitionen sogar mit noch höheren Sätzen wie 60 und 65 Prozent gefördert. Das heißt Neubauten und Neuinvestitionen werden EU unterstützt, nicht nur im Straßenbau oder in der infrastrukturellen Arbeit, sondern tatsächlich auch in neuen Werken, in umgebauten Werken mit Investitionen von Maschinen und Anlagen.

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