An einer Ecke des Gebäudes ist ein schwarzer Brandfleck zu sehen und ein Feuerlöscher. (Foto: z-media / Ralf Zwiebler)

Diskussion mit Antisemitismusbeauftragten

Ein Jahr nach dem Brandanschlag auf die Ulmer Synagoge

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Am Sonntag jährte sich zum ersten Mal der Brandanschlag auf die Ulmer Synagoge. In Ulm ist am Dienstag eine Podiumsdiskussion geplant. Hauptredner ist der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte.

Michael Blume will anlässlich des Anschlag-Jahrestages das Thema Antisemitismus in der Stadt Ulm und in Baden-Württemberg diskutieren. Neben dem Antisemitismus-Beauftragten debattieren auch der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik sowie der Grünen-Bundestagsabgeordnete Marcel Emmerich mit. Die Veranstaltung wird auch via Zoom übertragen.

Ein Mann in weißem Anzug - Spurenermittlung an der Ulmer Synagoge  (Foto: SWR, Isabella Hafner)
Juni 2021: Ermittler sichern nach dem Brandanschlag auf die Ulmer Synagoge Spuren. Isabella Hafner

Am 5. Juni 2021 war an der Ulmer Synagoge eine Flüssigkeit ausgeschüttet und angezündet worden. Ein Passant hatte damals umgehend die Feuerwehr gerufen, so dass der Brand schnell gelöscht wurde. Bei dem Anschlag waren Fassade der Synagoge und eine Glasscheibe beschädigt worden, verletzt wurde niemand.

Überwachungskamerabilder führten zu mutmaßlichem Täter

Durch Bilder einer Überwachungskamera konnte der mutmaßliche Täter ermittelt werden. Laut Polizei hat er sich jedoch in die Türkei abgesetzt. Eine Auslieferung war bislang abgelehnt worden. Bilder in den sozialen Medien hatten ihn in der Türkei gezeigt. Am Jahrestag des Anschlags will die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen nicht über das bisherige Maß hinaus erhöhen, teilte eine Sprecherin dem SWR mit.

Der Antisemitismusbeauftragte des Landes, Michael Blume, begleitet die Ulmer jüdische Gemeinde seit dem Anschlag. Die Mitglieder seien damals erschüttert gewesen, zugleich habe man sich über die breite Solidarität und Unterstützung gefreut, so Blume.

Der Brandanschlag hatte für viel Sorge und Empörung in der Bevölkerung und Politik gesorgt. Für eine Solidaritäts-Kundgebung war auch Innenminister Thomas Strobl nach Ulm gekommen. Der baden-württembergische Landtag hatte kurz nach der Tat eine Resolution gegen Antisemitismus verabschiedet.

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"Wir haben viel Aufklärung machen können. Und gerade in Ulm ist das Bündnis gegen Antisemitismus sehr breit. Die meisten Menschen in Ulm stellen sich gegen den Antisemitismus, und das sind gute Nachrichten."

Es habe sich in dem Jahr auch Einiges getan: Die Zusammenarbeit zwischen dem Staat und der jüdischen Religionsgemeinschaft habe sich verbessert und nicht zuletzt gebe es nun Polizeirabbiner, zu denen auch der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik zählt.

Man müsse jeden Antisemitismus bekämpfen. Es gebe durchaus importieren Antisemitismus, aber das sei nicht die einzige Form. Er nehme es so wahr, dass es nicht unbedingt mehr antisemitische Menschen gebe, dass sie sich aber im Netz schneller radikalisieren.

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