Vor allem kleine Läden, die Bio-Lebensmittel anbieten, haben es momentan sehr schwer - wie die Kornmühle in Ulm (Foto: SWR)

Lebensmittelgeschäft in Ulm muss schließen

Warum kleine Bioläden in der Krise sind, obwohl Bio boomt

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AUTOR/IN
Carina Kremer

Bio-Lebensmittel liegen eigentlich im Trend, trotzdem haben es kleinere Bioläden derzeit schwer. Manche müssen sogar schließen, wie ein Laden in Ulm. Aber wie passt das zusammen?

Die Biobranche boomt. Eigentlich. In der Corona-Zeit und den Lockdowns haben viele genauer auf das geschaut, was sie essen. Profitiert haben: Bio-Produkte. Seit dem Beginn des Kriegs in der Ukraine lässt sich allerdings ein Wandel erkennen. Die Umsätze im gesamten Lebensmitteleinzelhandel, vor allem aber bei Bio-Lebensmitteln, gehen zurück, so Kathrin Jäckel, Geschäftsführerin des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN).

Zwei Dinge machten Besitzern von Bioläden besonders zu schaffen, sagt Jäckel. Die Umsätze gingen zurück, da viele Kundinnen und Kunden statt zu Markenprodukten eher zu günstigeren Hausmarken griffen. Parallel dazu stiegen die Energiekosten extrem. Das bringe kleinere Läden in Schwierigkeiten. Manchmal in derart große, dass sie schließen müssten.

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"Der Ursprung von Bio im Lebensmitteleinzelhandel liegt in kleinen Bioläden, deshalb müssen wir besorgt um diese Läden sein!"

"Kornmühle" in Ulm muss schließen

Getroffen hat es auch den Bioladen "Kornmühle" mitten in Ulm. 42 Jahre lang war der Familienbetrieb "Nachbarschaftsversorger", mit Backwaren aus der eigenen Bio-Bäckerei. Doch Bio-Bäckerei und Laden am Leben zu erhalten sei weder finanziell noch personell möglich, so die Chefin der "Kornmühle", Julia Unseld. Sie will sich deswegen auf die Bäckerei konzentrieren und diese durch die "schwierige Zeit" bringen. Der Bioladen habe "durch die Pandemie sehr gelitten", die Bio-Bäckerei komme "durch den Krieg in Schwierigkeiten".

Vor allem kleine Läden, die Bio-Lebensmittel anbieten, haben es momentan sehr schwer - wie die Kornmühle in Ulm (Foto: SWR)
Julia Unseld will sich auf die Bäckerei konzentrieren und diese durch die "schwierige Zeit" bringen. Der Bio-Laden habe "durch die Pandemie sehr gelitten".

Lebensmitteleinzelhandel erholt sich nur langsam von Corona

Jonas Pürckhauer, stellvertretender Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ulm (IHK), sagt, dass sich der Lebensmitteleinzelhandel allgemein nur schleppend von Corona erholt habe. Beim Bio-Lebensmitteleinzelhandel lasse sich seit Jahren feststellen, dass größere Betriebe immer mehr an Bedeutung gewinnen, während kleinere Betriebe immer weiter von der Bildfläche verschwinden.

Laut Statistik der IHK war deutschlandweit 2012 jeder dritte Laden einer mit weniger als 100 Quadratmetern Verkaufsfläche. Heute ist nicht mal mehr jeder fünfte Laden unter 100 Quadratmeter groß. Kleine Läden seien oft spezialisiert auf bestimmte Produkte, schildert Pürckhauer. Außerdem belasteten steigende Miet-, Getreide- und Energiepreise die kleinen Läden mehr als die großen. Aber auch der Fachkräftemangel mache den Kleinen zu schaffen.

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"Größere Läden bieten das 'One-Stop-Shopping', heißt: 'Ich geh nur einmal Einkaufen und kann dort meinem Wocheneinkauf erledigen'."

Und noch etwas komme hinzu: Auch die großen Lebensmittelketten haben den Markt für Bio-Lebensmittel entdeckt. Eier, Milch und Fleisch gibt es längst auch bei Rewe, Edeka, Lidl und Co.

Vor allem kleine Läden, die Bio-Lebensmittel anbieten, haben es momentan sehr schwer - wie die Kornmühle in Ulm (Foto: SWR)
Für die Kornmühle in Ulm ist bald Schluss.

Kathrin Jäckel vom Bundesverband Naturkost Naturwaren ist zuversichtlich, was biologisch erzeugte Produkte angeht. Denn Bio sei gewollt, auch von der Politik. Selbst wenn Kunden eher zu den günstigeren Handelsmarkenprodukten griffen, sie griffen immer noch zu Bio.

"Läden, die weg sind, kommen nicht wieder. Unterstützt die Läden, die ihr liebt!"

Julia Unseld schlägt derzeit viel Mitgefühl entgegen. Sie hofft, dass ihre Kundschaft trotzdem weiterhin die Läden in der Ulmer Innenstadt unterstützt.

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