Gut ein Jahr ist das Haus aus Beton in Wallenhausen bei Weißenhorn aus dem 3D-Drucker jetzt alt (Foto: SWR)

Erfahrungen nach dem ersten Jahr

Weißenhorn: Wie gut ist das Betonhaus aus dem 3D-Drucker?

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Es wurde nicht wie üblich gebaut, sondern gedruckt: Ein Mehrfamilienhaus in Weißenhorn-Wallenhausen stammt aus dem 3D-Drucker. Wie sind die Erfahrungen damit nach einem Jahr?

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Längst sind die Mieter eingezogen in Europas erstem Mehrfamilienhaus im 3D-Betondruck. Oben rechts wohnt Felix Jehle. "Dass meine erste Wohnung ausgerechnet in diesem Haus ist, ist schon etwas ganz Besonderes", berichtet der 24-Jährige. Dabei sehen die Wände auf den ersten Blick ganz normal aus. "Die Wände sind verputzt und weiß gestrichen. Das ist nichts anderes als sonst. Aber in jeder Wohnung gibt es ein Designelement, was zeigt, wie das Haus entstanden ist." Bei Felix Jehle ist es gut ein Quadratmeter unverputzte Wand über dem Essplatz. Unter einer Glasscheibe sind die Betonwürste zu sehen, die der Drucker beim Bau aus der Spritze gepresst hatte.

Gut ein Jahr ist das Haus aus Beton in Wallenhausen bei Weißenhorn aus dem 3D-Drucker jetzt alt (Foto: SWR)
Bei Felix Jehle gibt es einen Quadratmeter unverputzte Wand über dem Essplatz.

Betonwände machen manches im Alltag schwieriger

Natürlich könne man in Betonwände nicht so einfach einen Nagel reinschlagen. Da müsse man schon mit einem Schlagbohrer und Dübeln kommen, erklärt Jehle. Wärme- und Schalldämmung seien aber mindestens genauso gut wie in einem konventionell gebautem Haus.

Das Gebäude in der Dorfmitte von Weißenhorn-Wallenhausen bei Neu-Ulm ist das Erstlingswerk des Pfaffenhofener Bauunternehmens Rupp Gebäudedruck. Inzwischen haben sich außen an der Fassade überraschend viele kleine Risse gebildet. "Wir lernen viel an diesem Prototypen", sagt Geschäftsführer Yannick Maciejewski. "Hier hatten wir zum Beispiel Dehnfugen eingeplant, die dann konstruktiv nicht so gut funktioniert haben." Mit diesen Erfahrungen könne man nun dafür sorgen, dass bei künftigen Gebäuden derartige Risse nicht mehr auftreten.

Gut ein Jahr ist das Haus aus Beton in Wallenhausen bei Weißenhorn aus dem 3D-Drucker jetzt alt (Foto: SWR)
Das Mehrfamilienhaus mit fünf Wohnungen wurde vor einem Jahr innerhalb von 72 Stunden von nur zwei Mitarbeitern gedruckt.

3D-Druck ermöglicht besondere Formen

Der 3D-Druck habe im Hausbau eine große Zukunft. Er sei zwar noch nicht unbedingt billiger als konventionelle Bauweisen, könnte sich aber vor allem bei Design-Bauwerken lohnen. Der Drucker macht problemlos auch geschwungene oder runde Formen. "Insofern sehen wir zunächst gerade im Premium-Hausbau große Vorteile", so Maciejewski.

Das Mehrfamilienhaus mit fünf Wohnungen wurde vor einem Jahr innerhalb von 72 Stunden von nur zwei Mitarbeitern gedruckt. Für den Geschäftsführer der Rupp Gebäudedruck GmbH ist das neue Verfahren ein gutes Mittel für das größte Problem der Baubranche, den Fachkräftemangel. "So machen wir die Branche einfach attraktiver für junge Fachkräfte. Der Job des Maurers oder Stahlbetonbauers wird körperlich weniger anstrengend." Seit Einführung des 3D-Drucks verzeichne das Pfaffenhofener Unternehmen wieder mehr Bewerber als freie Stellen.

Betondruck verursacht genauso viel CO2

Über die Zukunft des Bauens diskutieren derzeit rund 1.000 Experten bei den Ulmer Betontagen im Congress Centrum an der Donau. Hier geht es vor allem um CO2-Reduktion. Denn noch immer verursacht die Betonproduktion mehr CO2-Emissionen als der weltweite Flugverkehr. Die Branchenvertreter blicken aber auch neugierig auf den 3D-Druck. An der problematischen Umweltbilanz ändert er zunächst allerdings nicht viel. "Trotzdem finde ich den 3D-Druck eine interessante Spielweise", meint der Veranstalter der Betontage, Ulrich Lotz, "vor allem, weil er mit weniger Personal auskommt."

Man müsse aber zugestehen, dass bei gedruckten Wänden nicht weniger Ressourcen verbraucht werden. Dahin müsse man zunächst kommen. Deshalb sei es jetzt wichtiger, CO2-ärmeren Zement und alternative Betone zu entwickeln.

Hintergründe zur neuen Bautechnik aus dem 3D-Drucker:

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