Martina Lachmuth sucht mit einer Gruppe ehrenamtlich nach Vermissten in den Bergen und fand schließlich den AfD-Kreisrat Kieninger aus Heidenheim (Foto: privat/Martina Lachmuth)

Martina Lachmuth sucht ehrenamtlich nach Vermissten in den Bergen

Bergsteigerin: So haben wir den vermissten AfD-Kreisrat aus Heidenheim gefunden

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INTERVIEW
Maja Nötzel
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Volker Wüst
Volker Wüst (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Martina Lachmuth sucht seit vier Jahren ehrenamtlich mit anderen nach Vermissten in den Bergen und fand kürzlich den vermissten AfD-Kreisrat aus Heidenheim. Was treibt sie an?

Seit Anfang Juli gibt es Gewissheit: Bei der Leiche, die im Kleinwalsertal gefunden wurde, handelt es sich um den vermissten AfD-Kreisrat Jürgen Kieninger aus Nattheim (Kreis Heidenheim). Laut Polizei ist er beim Wandern verunglückt. Kieninger wurde seit Oktober 2021 vermisst. Die Bergsteigerin Martina Lachmuth aus Penzberg zwischen München und Garmisch-Partenkirchen und ihre Gruppe entdeckte den Leichnam schließlich Mitte Juni bei einer privaten Suchaktion mit Drohnen. Es ist bereits das dritte Mal innerhalb von vier Jahren, dass die Gruppe fündig geworden ist.

SWR: Frau Lachmuth, wie haben Sie die Leiche gefunden?

Martina Lachmuth: Wir haben als erstes mit den Angehörigen geredet und genaue Informationen über das Wanderverhalten bekommen. Daraus haben wir geschlossen, wo er am wahrscheinlichsten langgegangen ist. Dieses Gebiet haben wir zuerst abgesucht und wurden dort auch fündig.

Martina Lachmuth sucht mit einer Gruppe ehrenamtlich nach Vermissten in den Bergen und fand schließlich den AfD-Kreisrat Kieninger aus Heidenheim (Foto: privat/Martina Lachmuth)
Martina Lachmuth sucht seit vier Jahren ehrenamtlich mit anderen nach Vermissten in den Bergen. privat/Martina Lachmuth

"Kurz bevor ich die anderen getroffen habe, habe ich etwas entdeckt, das dort nicht hingehörte."

Und wie genau haben Sie gesucht?

Wir waren zweimal dort. Beim ersten Mal sind wir das Gebiet einfach nur abgelaufen. Und beim zweiten Mal sind zwei von uns den gefährlichen Weg entlang geklettert und haben nach möglichen Absturzstellen gesucht. Dabei haben sie die Drohne fliegen lassen. Ich bin einen weiten Weg außenrum gegangen und habe mit einem Fernglas die Wände "gescannt". Kurz bevor ich die anderen getroffen habe, habe ich etwas entdeckt, das dort nicht hingehörte. Als die anderen kamen, haben wir uns das mit der Drohne genauer angeschaut - und dann war es klar.

Die Bergsteigerin Tina Lachmuth fand die Leiche des AfD-Kreisrates Jürgen Kieninger aus Heidenheim im Kleinwalsertal (Foto: privat/Martina Lachmuth)
Die Bergsteigerin und ihre Gruppe haben rund um die Hochgehrenspitze gesucht - und dort die Leiche des Kreisrates schließlich gefunden. privat/Martina Lachmuth

Das klingt sehr logisch. Deswegen frage ich mich, warum die Polizei dort nicht gesucht hat? Oder die Bergwacht?

Das kann ich wirklich nicht sagen. Ich weiß nicht, wie die genau arbeiten und was die für Abläufe haben. Aber im Herbst, als er vermisst gegangen ist, hat man sein Auto definitiv erst dann gefunden, nachdem es bereits geschneit hatte. Und deshalb konnten auch wir den ganzen Winter über nicht suchen. Bei der ersten Suche gab es noch relativ große Schneefelder. Aber wir sehen nichts, auch wenn nur ein Zentimeter Schnee liegt.

Wer hat Sie eigentlich beauftragt? Kam der Kontakt über die Familie des Vermissten?

Tatsächlich haben wir Kontakt mit der Familie gesucht, weil sie eine Vermisstenanzeige im Internet aufgegeben hatte. Daraufhin habe ich sie kontaktiert und angeboten, dass wir ihn suchen würden.

"Dann lernt man die Angehörigen kennen und hat so viel Mitgefühl, da will man einfach helfen."

Das heißt, Sie suchen ehrenamtlich. Wieso machen Sie das?

Unseren ersten Vermisstenfall gab es vor knapp vier Jahren. Wir konnten einfach nicht nicht suchen, denn es war bei uns vor der Haustür. Dann haben wir uns gedacht: 'Hey, das kann doch nicht sein, dass hier einer verschwindet, und wir dann nicht mithelfen'. Dann lernt man die Angehörigen kennen und hat so viel Mitgefühl, da will man einfach helfen.

Die Bergsteigerin Tina Lachmuth fand die Leiche des AfD-Kreisrates Jürgen Kieninger aus Heidenheim im Kleinwalsertal (Foto: privat/Martina Lachmuth)
Zur Gruppe, die ehrenamtlich nach Vermissten in den Bergen sucht, gehören auch Stefan Herbert und Verena Grüneis. privat/Martina Lachmuth

Haben Sie bisher immer nur Tote gefunden?

Ja. Wir suchen eigentlich erst dann, wenn von der offiziellen Seite nicht mehr so viel passiert. Dann fangen wir an.

Was bedeutet es für die Verwandten, wenn Sie, wie jetzt im Fall des Heidenheimer Kreisrates, eine Leiche finden?

Das ist bei allen Angehörigen dasselbe: Die brauchen einfach einen Abschluss. Und solange die nicht abschließen können, kommen die nicht zur Ruhe. Wir hatten das auch schon, dass eine Angehörige von irgendjemandem eine E-Mail bekommen hat, dass ihr Ehemann irgendwo am Strand gesehen worden ist. Die hören nicht auf, darüber nachzudenken. Wenn dann diese Gewissheit kommt, ist es zwar auch schlimm, aber man kann anfangen, es zu verarbeiten und damit abzuschließen.

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