Proben auf der Bühne zum Berblinger-Musical auf der Wilhelmsburg in Ulm (Foto: SWR, Annette Schmidt)

Premiere auf der Ulmer Wilhelmsburg

Darum geht es im Berblinger Musical

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Hannah Schulze
Hannah Schulze (Foto: SWR)
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Volker Wüst
Volker Wüst (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Am Donnerstag feierte "Ich bin ein Berblinger" Premiere auf der Ulmer Wilhelmsburg. In dem Musical geht es um einen Nachfahren des Schneiders von Ulm, der den Namen seines Urahns reinwaschen will.

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Es war im Jahr 1811, als der Ulmer Albrecht Ludwig Berblinger mit einem selbstgebauten Fluggerät über die Donau gleiten will. Selten passte das Wort "Fallhöhe" so gut zu einer Geschichte. Denn Berblinger, wegen seines Berufs Schneider von Ulm genannt, scheitert mit seinem gewagten Versuch vor den Augen Tausender Zuschauer an den Donauufern - und fällt ins Wasser.

Die Proben mit Sänger Sascha Lien in der Rolle des jungen Berblinger und Schauspielerin Sophie Denner aus Blaustein (Alb-Donau-Kreis) fanden zunächst in einer Halle, später am Ort der Aufführung, auf der Ulmer Wilhelmsburg, statt.

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Geschichte des Schneiders von Ulm in der Gegenwart

Den Geist des Schneiders von Ulm in die Gegenwart bringen, das war das Ziel von befreundeten Ulmer Musikern. Die Kernfrage der Geschichte: "Wie kommt sich jemand vor, der in Ulm aufwächst und Albrecht Ludwig Berblinger heißt?" Der Mitorganisator des Musicals, Helmut Pusch, meint: "Der wäre doch gehänselt worden. Wie fühlt sich so jemand, wenn er erwachsen wird? Der will doch die Schmach des Namens ausgleichen." 

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Im Musical jedenfalls lacht die Stadt noch immer über den erfolglosen Flugversuch über die Donau. Deswegen will der junge Berblinger erneut den Versuch wagen und über den Fluss gleiten. Es kommt, was kommen muss: Er übernimmt sich finanziell und psychisch und landet in einer psychiatrischen Klinik. Dort trifft er einen korrupten Psychiater und einen halbseidenen Marketingfachmann. Beide wollen sie den Namen Berblinger geschäftlich ausschlachten. Ob die Geschichte ein gutes Ende nimmt?

Proben auf der Bühne zum Berblinger Musical auf der Wilhelmsburg in Ulm (Foto: SWR, Annette Schmidt)
Im Musical lacht die Stadt noch immer über den erfolglosen Flugversuch über die Donau.  Annette Schmidt

Berblinger-Musical sollte schon vor zehn Jahren aufgeführt werden

Das Scheitern und Wiederaufstehen scheint jedenfalls auch die Entstehungsgeschichte des Musicals selbst zu begleiten, erzählt Helmut Pusch. Er und sein befreundeter Musiker Christof Biermann hatten die Idee zu Berblinger 2.0 bereits vor zehn Jahren. Mit Hermann Skibbe und Albert Hefele schrieben sie ein Musical, das eigentlich schon zum Flugjubiläum im Jahr 2011 auf die Bühne kommen sollte. Doch die Musicalmacher waren zu spät dran.

Dann der erneute Anlauf zum 250. Geburtstag von Albrecht Ludwig Berblinger im vergangenen Jahr. Und die nächste Hürde: das Coronavirus. "Alles, war dramaturgisch wichtig war, haben wir deswegen auf zwei LED-Wände ausgelagert", so Pusch. Die Uraufführung war zum 26. Juni 2020 im Roxy geplant, wurde auf Grund des Lockdowns auf Januar 2021 und schließlich auf den 26. August auf der Wilhelmsburg verschoben.

Unter anderem ist auf den beiden riesigen LED-Wänden auch der Chor der Ulmer Spatzen zu sehen. Er begleitet die Inszenierung virtuell - ganz zur Freude von Schauspielerin Sophie Denner. "Ich hab früher bei den Spatzen begonnen und bin jetzt beim Musical gelandet." 

Musicaldarsteller Sascha Lien, Sebastian Christ und Brix Schaumburg dabei

Jetzt steht sie mit Musicalstars wie Sascha Lien, Sebastian "Gniechel" Christ und Brix Schaumburg auf der Bühne und spielt die Rolle der Isabelle, die den jungen Berblinger in seinen Vorhaben unterstützt. Denn was man aus der Geschichte des Schneiders lernt, ist: Träume haben kein Verfallsdatum - außer sie werden wahr.