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Wenige Baugrundstücke, viele Bewerber - so sieht es in der Region vielerorts aus. Eine Internetplattform soll die Vergabe fair und transparent machen, doch die Erfahrungen mit "Baupilot" sind unterschiedlich.

Baustellen, Baugebiete, Neubauten (Foto: SWR, Maja Nötzel)
Auch in Berghülen im Alb-Donau-Kreis kam "Baupilot" bei der Vergabe von Bauplätzen zum Einsatz. Maja Nötzel

Die Firma Baupilot mit Sitz in Biberach bietet Städten und Gemeinden eine Software an, um damit Grundstücke im Internet vermarkten zu können. Dazu liefert "Baupilot" auch eine Vorlage für Vergabekriterien. Auch die Gemeinde Öpfingen im Alb-Donau-Kreis nutzte die Plattform zur Vergabe ihrer Bauplätze. Doch ein abgelehnter Bewerber klagte vor dem Verwaltungsgericht Sigmaringen. Dieses stoppte den Verkauf der 24 Bauplätze in Öpfingen mit der Begründung, die alleinige Vergabe über das Internet sei nicht zulässig und die Öpfinger Vergabekriterien seien missverständlich und schlössen ortsfremde Bewerber möglicherweise aus.

Geschäftsführer sieht kein Problem für Vergabemodell "Baupilot"

Kein Problem für sein Geschäftsmodell, sagte der Geschäftsführer der Internetplattform "Baupilot", Mathias Heinzler, dem SWR. In dem Beschluss des Verwaltungsgerichts werde deutlich aufgezeigt, dass der Prozess, den seine Firma zu verantworten habe, nämlich die Abgabe digitalisierter Bewerber, an keiner Stelle kritisiert werde. Was kritisiert worden sei, sei der Fragebogen - das Muster betreffe auch seine Firma.

"Natürlich muss im Lichte dessen, was das Verwaltungsgericht gesagt hat, auch noch einmal nachjustiert werde, dass die Vorlagen entsprechend angepasst werden"

Matthias Heinzler, Geschäftsführer "Baupilot"

Allmendingen prüft nach Urteil zu "Baupilot" Richtlinien für Bauplatzvergabe

14 Kommunen im Alb Donau-Kreis, zwölf im Landkreis Biberach, dazu die Städte Ulm, Neu-Ulm und Günzburg, sowie Niederstotzingen im Kreis Heidenheim und Mögglingen im Ostalbkreis haben schon mit der Internetplattform "Baupilot" gearbeitet oder bieten derzeit Baugrundstücke darüber an. Eine der ersten Gemeinden im Alb-Donau-Kreis, die Baupilot mit den Vergaberichtlinien genutzt hat, ist Allmendingen. Bereits zwei Mal seien so Grundstücke veräußert worden, kritische Rückmeldungen von Bewerbern oder Menschen aus dem Ort habe es bisher nicht gegeben, so Bürgermeister Florian Teichmann. Dennoch habe der Gerichtsbeschluss zum Öpfinger Fall Auswirkungen auf Allmendingen. Das gesamte Verfahren werde allerdings nicht in Frage gestellt, so Teichmann.

"Wir vergleichen gerade das Gerichtsurteil mit unseren Richtlinien und leiten daraus Maßnahmen ab, die wir dem Gemeinderat vorstellen"

Der Allmendinger Bürgermeister Florian Teichmann

Berghülen zufrieden mit Vereinfachung für Bauplatzvergabe durch "Baupilot"

Auch in Berghülen im Alb-Donau-Kreis kam "Baupilot" bei der Vergabe von Baugrundstücken erstmals zum Einsatz. Dort gab es zunächst 34 Bewerber auch sechs Bauplätze, am Ende blieben 20 übrig. Man sei mit dem Verfahren zufrieden, sagt Bürgermeister Bernd Mangold. Denn angesichts steigender Nachfragen nach Bauplätzen, vereinfache das System die Arbeit für die Verwaltung.

"Es ist halt einfacher, wenn man alle Unterlagen und Grundlagen auf einer Plattform bereitstellt und diese für jedermann einsehbar sind"

Der Berghülener Bürgermeister Bernd Mangold

Vergaberichtlinien für Bauplätze "kontrovers" diskutiert

Allerdings: Schon die erste Diskussion im Allmendinger Gemeinderat über die Vergaberichtlinien sei emotional und kontrovers geführt worden, erinnert sich Bürgermeister Teichmann. Wie fair sei es, Punkte dafür zu vergeben, ob und wie viele Kinder ein Bewerber habe, ob man aus Allmendingen stamme oder sich ehrenamtlich engagiere, hieß es damals. Alternative Vergabeverfahren wie eine Versteigerung oder eine Verlosung finden die Bürgermeister von Berghülen und Allmendingen aber auch nicht optimal. Für den Allmendinger Bürgermeister Teichmann bleibt deshalb das kommunale Verfahren mit Vergabekriterien - trotz aller Angriffe - das Mittel der Wahl.

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