Bauernkundgebung digital zum Kalten Markt

Ellwangen: Bauernverband fordert Eindämmung des Flächenfraßes

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Die Bauernkundgebung zum Abschluss des traditionellen Kalten Marktes in Ellwangen fand in diesem Jahr pandemiebedingt digital statt. Im Mittelpunkt stand der Flächenverbrauch.

Immerhin digital hat sie stattgefunden: die traditionelle Bauernkundgebung beim Kalten Markt in Ellwangen. Dazu reiste auch die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) an, die die Leistung der Landwirtinnen und Landwirte würdigte und sie als Allrounder bezeichnete.

In der Marktwoche hatte man auf vieles verzichtet werden müssen: auf den großen Umzug mit den Pferdekutschen oder dem traditionellen Kutteln essen. Die Kundgebung nebst Podiumsdiskussion wanderte ins Netz, die Teilnehmer fanden markige Worte. Hubert Kucher, Vorsitzender des Bauernverbandes Ostalb-Heidenheim, stellte den Flächenverbrauch in den Mittelpunkt der Kundgebung - und setzte diesen in den Zusammenhang mit den großen Problemen der heutigen Zeit: Klimawandel, Insektensterben.

"Flächenverbrauch, einer der größten Klimakiller und Biodiversitätsvernichter - und er zerstört landwirtschaftliche Familienbetriebe."

An Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut gerichtet forderte er, dem Flächenverbrauch Einhalt zu gebieten und lieferte auch gleich Vorschläge dazu: Im Baugewerbe müsse in die Höhe und Tiefe gebaut werden, neue Gewerbegebiete dürften nur ausgewiesen werden, wenn es keine Industriebrachen gebe und bevor Neubaugebiete entstünden, müssten Leerstände genutzt werden. Zudem müsse das Ziel, vier Prozent Fläche für erneuerbare Energien zu verwenden, klug umgesetzt werden: Photovoltaikanlagen sollten nicht mehr auf Felder und Wiesen gebaut werden, sondern an allen Gebäudeseiten in Gewerbegebieten oder an Flächen entlang von Straßen und Schienen.

Wirtschaftsministerin: Bäuerliche Betriebe "vielseitig und wandelbar"

Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut bezeichnete den Bereich der Landwirtschaft als derzeit komplexestes Thema, bei dem Wirtschaft und Ökologie zusammenträfen. Wie wichtig es sei, regional Lebensmittel zu produzieren, habe nicht zuletzt die Pandemie gezeigt. Zugleich hätten Landwirtinnen und Landwirte mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen: Düngemittel seien teuer, wenn überhaupt erhältlich, der Dieselpreis steige, ebenso die Pacht. Zugleich zeigten sich aber auch gute Entwicklungen: Mit der Energie durch Biogas sei ein guter Verdienst möglich, der Bio-Trend sei ungebrochen und Verbraucher seien auch bereit, dafür zu bezahlen. Mehr junge Menschen würden sich wieder für den Beruf interessieren. Insgesamt zeige sich, dass in der Landwirtschaft immer mehr Allrounder gefragt seien. So machten viele landwirtschaftliche Betriebe auch zusätzliche Angebot - als Reiterhof, mit Ferienwohnungen, als Energielieferant oder Einzelhändler mit einem Hofladen.

"Bäuerliche Betriebe sind enorm vielseitig, wandelbar - sie entwickeln sich, aber alles muss natürlich ineinandergreifen. Unsere Landwirtinnen und Landwirte sind Allrounder."

Das sei einerseits bewunderswert, andererseits eine enorme Herausforderung für die Familien. Sie sehe den Beitrag der Politik darin, die passenden Rahmenbedinungen und, wenn nötig, Unterstützung zu bieten.

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