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An der Uni Ulm wurden im Covid-19-Impfstoff von Astrazeneca Verunreinigungen gefunden. Der Virologe Alexander Kekulé hinterfragt, ob das Vakzin mit diesem Wissen überhaupt zugelassen worden wäre.

Die bisher als Preprint veröffentlichten Ergebnisse von Forscherinnen und Forschern der Universitätsmedizin Ulm zu Verunreinigungen im Impfstoff von Astrazeneca sorgen für Diskussionen. Nach der Veröffentlichung durch die Verantwortlichen in Ulm läuft die Debatte über das weitere Vorgehen mit dem immer wieder in die Kritik geratenen Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens.

Virologe Kekulé gibt Entwarnung bei Astrazeneca

Der Virologe Alexander Kekulé sieht in der Ulmer Studie eine sehr gute Arbeit. Für unmittelbar gesundheitlich bedenklich hält er die Verunreinigungen nicht. "Bloß weil es verunreinigt ist, heißt das nicht, dass etwas Schädliches drinnen ist", sagte der Professor der Universität Halle-Wittenberg in seinem aktuellen Corona-Podcast. Die Wahrscheinlichkeit sei sehr hoch, dass die Proteine abgebaut werden und dass es keinen Schaden gebe, so Kekulé.

"Auf der anderen Seite sind es eben über 1.000 Komponenten, über 1.000 verschiedene Proteine, die die gefunden haben. Also wenn man die Daten als Biochemiker ansieht, dann muss man schon sagen, das ist ziemlich erschreckend", so seine Einschätzung.

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Ärgerlich sei, dass die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) das Problem bei der Zulassungsprüfung nicht bemerkt habe. Seiner Ansicht nach hätte der Impfstoff keine Zulassung bekommen, wenn die Verunreinigungen bekannt gewesen wären, so Kekulé. "Die EMA hat jetzt ein Problem." Die sehr seltenen, nach Impfungen mit Astrazeneca aufgetretenen Fälle von Hirnthrombosen sind seiner Ansicht nach aber eher nicht auf die Verunreinigungen zurückzuführen.

Astrazeneca: Keine vollständige Reinheit erreichbar

Aus Kreisen des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens hieß es, die klinische Erfahrung lege nahe, dass die im Impfstoff verbliebenen Proteine auf einem sicheren und teilweise niedrigeren Niveau als bei anderen ähnlich hergestellten Vakzinen sei. Eine hundertprozentige Reinheit sei nicht zu erreichen. Das Unternehmen arbeite mit den höchstmöglichen Standards.

Ob die Wirksamkeit des Vakzins durch die gefundenen Proteine beeinflusst wird oder es einen Zusammenhang zu Impfreaktionen gibt, könne nicht beantwortet werden, wie die Forschenden aus Ulm betonen

Gefunden wurden der Studie zufolge menschliche und virale Proteine, vor allem sogenannte Hitzeschock-Proteine. Insgesamt seien mehr als 1.000 Proteine in den drei untersuchten Chargen festgestellt worden. Negative Auswirkungen auf Geimpfte dürften die meisten davon nicht haben, so Studienleiter Stefan Kochanek. Er geht derzeit auch nicht davon aus, dass die Verunreinigungen mit den Sinusvenenthrombosen zusammenhängen, so seine Einschätzung gegenüber dem SWR. Ausschließen könne er das aber nicht.

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Wirksamkeit von Astrazeneca könnte erhöht werden

Wahrscheinlicher sei es, dass die jetzt entdeckten Eiweißrückstände für andere starke Impfreaktionen verantwortlich seien, die kurz nach der Impfung bei vielen Menschen auftreten. Einen Impfstopp hält Kochanek derzeit nicht für sinnvoll, da der Nutzen von Astrazeneca noch immer größer als die Risiken sei.

Das Vorhandensein der Proteine weise auf nicht ausreichende Verfahren bei der Qualitätskontrolle hin, betonte er. Durch Überarbeitung von Herstellungsprozess und Qualitätskontrolle ließe sich neben der Sicherheit womöglich auch die Wirksamkeit des Impfstoffs erhöhen.

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