Debatte im Bundestag

Diskussion um Impfpflicht aus der Sicht eines Ulmer Arztes

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Der Bundestag debattiert am Mittwoch erstmals über eine Impfpflicht. Die Positionen sind kontrovers, auch in der Region. Der Ulmer Arzt Bora Akyürek über seine Erfahrungen.

Drei Positionen stehen im Raum: Wird es eine Corona-Impfpflicht für alle ab 18 Jahren? Soll es eine Vorgabe nur für Menschen über 50 sein? Oder wird es keine Impfpflicht geben? Der Ulmer Arzt Bora Akyürek hat mehrere Impfaktionen durchgeführt, unter anderem im Ulmer Münster, in Moscheen und auch bei den Ulmer Basketballern. Im SWR-Interview erklärte er am Mittwoch seine Sicht der Dinge in Sachen Corona-Impfpflicht.

Junger Arzt mit Maske spricht in ein SWR-Mikrofon (Foto: SWR)
Der Arzt Bora Akyürek bei der Impfaktion im Ulmer Münster Ende 2021 (Archivbild)

SWR: Was ist Ihre Meinung als Arzt, soll es eine Impfpflicht ab 18 geben?

Dr. Bora Akyürek: Letztes Jahr hatten wir viel geringere Infektionszahlen, dafür sehr viele Todesfälle und schwere Verläufe. Dieses Jahr sind bereits viele Leute geimpft und wir sehen, dass wir weniger schwere Fälle haben. Also das ist ein ganz klares Argument für die Impfung. Aber ob man daraus eine Impfpflicht ableiten kann?

Das klingt für mich, als wären Sie ein bisschen skeptisch in Sachen Impfpflicht.

Skeptisch bin ich nicht. Aber ich bin kein Politiker. Medizinisch gesehen würde ich sehr begrüßen, wenn alle sich impfen lassen würden. Dann wäre die Lage zwar noch nicht gelöst, aber sie würde an Dramatik verlieren. Wir könnten schneller wieder zur Normalität zurückkehren.

Es würde ja eigentlich nur Sinn machen, wenn man das in irgendeiner Form kontrolliert. Ist das nach ihrer Einschätzung machbar und wenn ja wie?

Diverse Ämter, diverse Einrichtungen sind ja jetzt schon auf Anschlag. Wenn man sich noch erinnert: Das Gesundheitsamt konnte am Anfang die Kontaktnachverfolgung einhalten. Mittlerweile ist das ja völlig zusammengebrochen. Auch unsere Praxis, wir sind brechend voll. Ich weiß nicht, wer das kontrollieren könnte.

Sie impfen ja auch viele Menschen mit Migrationshintergrund. Merken sie da immer noch viel Skepsis, auch was das Thema Impfpflicht angeht?

Mittlerweile ist es so, dass der Migrationshintergrund zurückgetreten ist. Es gibt einen harten Kern, der sich einfach nicht impfen lassen will. Ich habe auch keine Idee, wie man die dazu bekommen kann oder eben zwingen kann. Man kann einfach nur weiter aufklären, medizinische  Argumente liefern und zeigen, dass man mit Impfung einfach nicht schwer erkrankt. Das merke ich auch bei mir jetzt in der Praxis: Nichtgeimpfte erkranken schwer, Grundimmunisierte haben oft leichtere Verläufe und Geboosterte erkranken noch leichter. Das ist eine ganz einfache Formel, die für das Impfen spricht.

Wie viele Menschen haben Sie inzwischen geimpft?

Wir haben jetzt in unserer Praxis zirka 20.000 Impfungen gemacht. Zwischen 5.000 und 10.000 Menschen haben wir schon geimpft.

Wie viele davon haben Nebenwirkungen gezeigt?

Das mit den Nebenwirkungen ist auch so eine Sache. Also wenn der Arm schmerzt, man ein paar Tage Gliederschmerzen, Kopfschmerzen bekommt, ist die Frage: Ist das eine Nebenwirkung oder ist das eigentlich eine gewünschte Wirkung? Ich als Arzt freue mich ja immer, wenn die Patienten kommen und sagen, der Körper reagiert heftig. Dann weiß ich, das Immunsystem wurde mal richtig angeworfen. Aber dramatische, richtig schlimme Nebenwirkungen haben wir tatsächlich in der Masse an Impfung bei gar niemanden gesehen.

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