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Der Ostalbkreis und der Kreis Heidenheim schlagen Alarm: Wegen der hohen Corona-Inzidenzen befürchten sie eine Überlastung der Krankenhäuser. Aber warum stecken sich plötzlich so viele Menschen an?

Die Appelle klingen dramatisch: Mit "Landratsamt und Klinikum bitten Bevölkerung dringend um Mithilfe" war am Donnerstag eine Mitteilung aus dem Kreis Heidenheim überschrieben. Auch aus dem Ostalbkreis gibt es einen gemeinsamen Appell, den alle Oberbürgermeister, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie der Vorstand der Kliniken Ostalb unterzeichnet haben. In beiden Kreisen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz am Freitag um 260.

"Kontakte minimieren - Ansteckungen reduzieren - Kliniken entlasten - Inzidenz für Öffnungen erreichen!"

Intensivbetten im Ostalbkreis nahezu belegt

Die Warnungen sind deshalb so eindringlich, weil in den Kliniken nahezu alle Intensivbetten belegt sind. Die Kliniken im Ostalbkreis in Aalen, Ellwangen und Mutlangen warnen, "dass die Kapazitäten für weitere Notfälle - seien es Corona-Patienten, durch einen Unfall Schwerstverletzte oder andere Notfall-Patienten mit Herzinfarkt oder Schlaganfall - knapp werden."

Die Warnungen sind deshalb so eindringlich, weil in den Kliniken offenbar nahezu alle Intensivbetten belegt sind - unter anderem in Aalen, Ellwangen und Mutlangen. (Foto: SWR, Volker Wüst)
Die Intensivbetten werden laut dem Landratsamt im Ostalbkreis knapp. Volker Wüst

"Bei den bereits weit ausgeschöpften Kapazitäten hinsichtlich der Bettenbelegung im Klinikum kann dies zu Versorgungsengpässen führen."

Das Klinikum Heidenheim will einen weiteren Covid-Bereich eröffnen, weil die Verantwortlichen davon ausgehen, dass es in den kommenden Tagen noch mehr Covid-Patienten geben wird. "Bei den bereits weit ausgeschöpften Kapazitäten hinsichtlich der Bettenbelegung im Klinikum kann dies zu Versorgungsengpässen führen. Dies müssen wir vermeiden", wird der Geschäftsführer des Klinikums, Dr. Rainer Pfrommer, in der Mitteilung zitiert. Das Intensivregister, dass die Belegung der Intensivbetten bundesweit erfasst, meldete am Freitagvormittag null freie Betten im Landkreis Heidenheim.

Corona-Infektionen sind diffus

Aber woher kommt der steile Anstieg an Infektionen im Ostalbkreis, dem Kreis Heidenheim, aber auch in Ulm und dem Alb-Donau-Kreis, wegen dem die Intensivstationen volllaufen? "Wir haben einfach ein diffuses Geschehen", sagt der Landrat des Alb-Donau-Kreises, Heiner Scheffold (parteilos). Viele Menschen steckten sich "im privaten Bereich" an, nicht alle hielten sich an die Regeln. Es gebe keine Hinweise, dass es viele Infektionen nach illegalen Feiern im Rahmen des Fastenmonats Ramadan oder von Kommunionen gebe, so Scheffold.

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Der Landrat geht davon aus, dass "sich die Bevölkerung an die hohen Infektionszahlen gewöhnt hat und sie gleichgültig zur Kenntnis nimmt". Auf die Forderung einiger Wirtschaftsverbände, nicht nur die Inzidenzzahlen zu betrachten, sondern auch die Auslastung der Intensivstationen, sagte Scheffold: "Die sind voll und arbeiten wirklich alle am Anschlag".

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