Eine Abbildung der Sensorbakterien der Uni Ulm (Foto: Dr. Christian Riedel/ Uni Ulm)

Mit gentechnisch veränderten Bakterien gegen Krankheiten

Ulmer Wissenschaftler forschen an Antibiotika-Alternative

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Ein Forscherteam der Universität Ulm hat Bakterien hergestellt, die eine Alternative zu Antibiotika sein könnten. Sie könnten etwa bei Hautinfektionen als Medikament dienen.

Wie die Universität mitteilte, hat das Team um das Ulmer Institut für Mikrobiologie und Biotechnologie herausgefunden, wie sich kleine Proteine, die zur Konservierung von Lebensmitteln dienen, in größerer Menge und vor allem höherer Reinheit produzieren lassen. In dieser Form töten sie auch Krankheitserreger ab und wären in der Medizin als Medikamente einsetzbar, heißt es weiter.

Dem Ulmer Team sei es gelungen, Bodenbakterien gentechnisch so zu verändern, dass Wirkstoffe in Reinform entstehen. Die sogenannten Bacteriocine wurden laut Uni bisher in sehr aufwendigen Prozessen hergestellt. Dabei seien bestenfalls halbgereinigte Präparate entstanden. Mit der Anwendung von Gentechnik sei den Ulmer Forschenden eine kostengünstigere und reinere Alternative gelungen.

Alternative wegen Antiobiotika-Resistenz wichtig

Aufgrund zunehmender Antibiotika-Resistenzen - also die nachlassende Wirksamkeit dieser Medikamente - seien solche Forschungen wichtig. Die "Bacteriocine" könnten zur Behandlung von diversen Infektionen genutzt werden - etwa bei Hautkrankheiten. Außerdem könnten sie auch gesundheitsschädliche Erreger in Nahrungsmitteln zerstören.

Forscherteam der Uni-Ulm für das Projekt Bacteriocin (Foto: Lisanne Wolters/Universität Ulm)
Diese Ulmer Forschenden Oliver Goldbeck, Christian Riedel, Dominique Desef und Bernhard Eikmanns beteiligen sich an der Studie zur Antibiotika-Alternative. Lisanne Wolters/Universität Ulm

Das Ulmer Forschungsteam arbeitet für die Antibiotika-Alternative mit vielen anderen Fachkolleginnen und -kollegen aus Deutschland, Norwegen, Dänemark und Österreich zusammen. Die Studien zur Wirksamkeit der sogenannten Bacteriocine laufen noch einige Jahre, so die Uni.

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