Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 100 Menschen im Zusammenhang mit dem Wemdinger Impfskandal. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Corona-Spritzen ohne Inhalt verimpft

Impfskandal von Wemding - Anklage gegen Hausarzt

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Torsten Blümke

Der Impfskandal von Wemding (Kreis Donau-Ries) gilt als einer größten der Corona-Pandemie. Nun hat die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg Anklage gegen den über 70-jährigen Hausarzt erhoben.

Scheinimpfungen, vorsätzliche Körperverletzung und Betrug wirft die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg dem Mediziner vor. Die Behörde ist zuständig, weil bei ihr die Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen angesiedelt ist.

Corona-Schutzimpfung: Hausarzt verabreichte Patienten leere Spritze

Der ehemalige Hausarzt soll laut Anklage in seiner Wemdinger Praxis 176 Patienten in mehr als 300 Fällen (Erst-und Zweitimpfung) eine Corona-Schutzimpfung nur vorgetäuscht haben. Er war demnach allein mit den Patienten im Behandlungszimmer. Die Spritzen waren vorbereitet. Die habe der Arzt dann jedoch heimlich geleert und dann den Patienten eine Spritze ohne Inhalt ins Gesäß gegeben. Die Betroffenen hätten davon - mit einer Ausnahme - nichts bemerkt. Sie gingen davon aus, eine Schutzimpfung erhalten zu haben. Dies vermerkte der Arzt auch in den Impfausweisen.

Die Ermittlungen wegen des Verdacht falscher Corona-Impfungen laufen gegen eine Hausarztpraxis aus Wemding. (Foto: BR, Judith Zacher)
In dieser Praxis soll der Hausarzt die Scheinimpfungen durchgeführt haben. Inzwischen hat ein anderer Arzt die Praxis in Wemding übernommen. BR, Judith Zacher

Falsche Corona-Impfnachweise für Impfgegner ausgestellt

Darüberhinaus soll der Angeklage mindestens 40 Impfgegnern einen Impfnachweis ausgestellt haben. Dies sei bereits unter Impfgegner als "Schonimpfung" bekannt gewesen, so die Ermittler. Für die Ausstellung von gefälschten Impfpässen kamen die Patienten extra nach Wemding.

Corona: Abrechnungsbetrug bei der Kassenärztlichen Vereinigung

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Bayern soll der Arzt alle Fälle abgerechnet haben, wodurch ein Schaden von mehr als 3.000 Euro entstanden ist. Gegen den Mediziner war bereits während der laufenden Ermittlungen ein vorläufiges Berufsverbot durch das Amtsgericht Nürnberg erlassen worden. Die Generalstaatsanwaltschaft sieht jetzt die Voraussetzungen für ein generelles Berufsverbot gegeben.

Hinweise von Patienten führten zu Ermittlungen gegen Arzt

Anlass für das Ermittlungsverfahren waren im Oktober vergangenen Jahres Hinweise von Patienten, dass der Mediziner Verschwörungsmythen anhänge und Einträge in Impfpässe ohne Impfung vornehme. Laut Generalstaatsanwaltschaft soll der Arzt die Corona-Impfungen abgelehnt haben. Der Beschuldigte selbst hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Das Landgericht Augsburg muss nun einen Termin für den Prozess festsetzen.

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