1954 den Führerschein gemacht

99-jähriger Fahrschüler aus Schwäbisch Gmünd macht Sicherheitsprüfung

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Martin Miecznik
SWR Aktuell Autor Martin Miecznik (Foto: SWR)

Der 99-jährige Rudolf Watzlawik aus Schwäbisch Gmünd lässt einmal im Jahr überprüfen, ob er noch in der Lage ist, Auto zu fahren. Jetzt hat er wieder grünes Licht bekommen.

In die Fahrschule zu kommen, das kann vielen jungen Menschen gar nicht schnell genug gehen. Mit 15, 17, 18, je nach angestrebtem Führerschein. Da ist Rudolf Watzlawik aus Schwäbisch Gmünd schon die große Ausnahme. Er ist nämlich demnächst 99 Jahre alt. Und seiner Fahrlehrerin Heike Hilbig aus Leinzell im Ostalbkreis beweist er einmal im Jahr, dass er es noch "drauf" hat.

Spritpreis 1954: 56 Pfennig für den Liter verbleites Benzin

Als Rudolf Watzlawik im Jahr 1954 in Schwäbisch Gmünd den Führerschein gemacht hat, da gab es noch kaum andere Autos auf der Straße, keine Sicherheitsgurte, keine Servolenkung und der Liter verbleites Benzin kostete 56 Pfennig. Die Zeiten haben sich geändert, und jetzt wird der Autofahrer Watzlawik 99 Jahre alt. Da ist es Zeit für eine Sicherheitsprüfung.

"Auf Druck meiner Kinder bin ich gegangen, die sagen, ich sei zu alt. Ob ich noch fahren kann. Das war der Grund, weshalb ich mich angemeldet habe."

Konzentriert am Steuer: in fast 70 Jahren Fahrpraxis hat der Schwäbisch Gmünder Rudolf Watzlawik noch niemals einen Punkt in Flensburg bekommen, erzählt er. (Foto: SWR)
Konzentriert am Steuer: in fast 70 Jahren Fahrpraxis hat der Schwäbisch Gmünder Rudolf Watzlawik noch niemals einen Punkt in Flensburg bekommen, erzählt er.

Heike Hilbig hilft Senioren seit Jahren

Ob der Senior noch in der Lage ist, ohne Gefahr für sich und andere Auto zu fahren, soll jetzt die Fahrlehrerin Heike Hilbig aus Leinzell überprüfen.

Vorgespräch in der Fahrschule: Fahrlehrerin Heike Hilbig fragt den 99jährigen Rudolf Watzlawik in Leinzell nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres (Foto: SWR)
Vorgespräch in der Fahrschule in Leinzell: Fahrlehrerin Heike Hilbig fragt den 99jährigen Rudolf Watzlawik nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres

Heike Hilbig macht das häufiger mit Seniorinnen und Senioren. Sie alle kommen freiwillig, aber nicht allen kann die Fahrschulbesitzerin anschließend die gewünschte Urkunde in die Hand drücken.

Heike Hilbig nennt Watzlawiks Bereitschaft, sich jährlich überprüfen zu lassen, vorbildhaft. Jetzt schon im vierten Jahr.

"Wenn man so lange den Führerschein hat, kompensiert man das ja alles. Es ist alles eingespielt. Und wenn ich dann nach Unfällen frage: Das sind eigentlich wenige. Aber man erkennt sich selber vielleicht manchmal nicht, seine Schwächen.“

Das Nummernschild verrät das Geburtsjahr: Rudolf Watzlawik fährt sein Alter spazieren (Foto: SWR)
Das Nummernschild verrät das Geburtsjahr: Rudolf Watzlawik fährt sein Alter spazieren

Und dann geht es auf die Straße, in Watzlawiks eigenem Auto - da, wo er jeden Schalter, jeden Hebel kennt.  Eine Spazierfahrt ist das trotzdem nicht. Auch wenn sich der Fahrer wohl fühlt. Das macht die Fahrlehrerin im Auto schnell klar. "Wenn ich sagen würde: Herr Watzlawik, es wird so langsam kritisch?" "Das wäre schlimm, sehr schlimm", überlegt der 99-Jährige. "Und trauen Sie mir zu, dass ich Ihnen das sagen würde?" Watzlawik traut es seiner Fahrlehrerin zu - denn dafür ist er ja gekommen: Für eine ehrliche Einschätzung seiner Fahrkünste.

Gmünder Polizisten ohne Führerschein

Das Autofahren gehört für Rudolf Watzlawik einfach dazu, schon immer, auch in den Zeiten, als er berufstätig war. Er war Polizist in Schwäbisch Gmünd.

"Wir waren auf der Polizeidienststelle, da hat man ja Schichten, und da gab es in einer Schicht nur zwei Fahrer. Alle anderen hatten keine Führerscheine. Polizisten! Das gab´s damals! Polizisten ohne Führerschein!"

Mit knapp 99 Jahren ist Rudolf Watzlawik heute nicht mehr so gut zu Fuß. Umso wichtiger, mobil bleiben zu können. Und im Auto merkt man ihm sein Alter wirklich nicht an.
70 Euro kostet so eine Fahrstunde. Die Urkunde eingeschlossen. Und die gibt es natürlich nach dieser Fahrt.

Fahrtest bestanden: Ein offizielles Dokument ist es nicht, das der 99jährige Fahr-Prüfling bekommt, aber die ADAC-Urkunde ist für Rudolf Watzlawik aus Schwäbisch Gmünd doch eine Beruhigung. Er kann es noch. (Foto: SWR)
Fahrtest bestanden: Ein offizielles Dokument ist es nicht, das der 99-jährige Fahr-Prüfling bekommt, aber die ADAC-Urkunde ist für Rudolf Watzlawik doch eine Beruhigung. Er kann es noch.

Eigentlich war es ja mal wieder eine Selbstverständlichkeit. Aber so ganz normal ist es nicht, dass man mit 99 Jahren noch am Steuer eines Autos sitzt. Das weiß Rudolf Watzlawik selbst auch.

"Wenn die Fahrlehrerin sagt, es geht noch ein Jahr, bin ich froh, dass es so ist. Für mich beruhigend.“

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