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Skulpturen aus Margarine und Meeresfrüchte aus Marzipan - in der neuen Ausstellung im Museum Ulm können Besucher Lebensmittel-Kunstwerke mit allen Sinnen erleben.

Eine Figur badet in Schokolade, versinkt in der duftenden zähen Flüssigkeit und taucht wieder auf - das ist eine der Skulpturen von Sonja Alhäuser. Ebenfalls in der Ausstellung: ein riesiger Kopf aus Margarine. Die Berliner Künstlerin liebt verderbliche Materialien. Sie mag das Sinnliche und Vergängliche daran. "Ich habe im Hintergrund immer das Gefühl aus der Kindheit: "Mit Essen spielt man nicht." Das Unerlaubte, mit Lebensmitteln zu arbeiten, ist ein unheimlicher Reiz."

Marzipanfiguren liegen auf dem Tisch (Foto: SWR, Patrick Lee)
Die Künstlerin Sonja Alhäuser hat Tiere und Früchte aus Marzipan geformt Patrick Lee

Sonja Alhäuser liebt außerdem die Gerüche von Schokolade, Marzipan und Zucker. So habe es immer in der Küche ihrer Mutter im Westerwald gerochen. "Ihre Küche war wie ein Atelier."  

Lebensmittel sind im Überfluss vorhanden. So kennt das Sonja Alhäuser. Der zweite Künstler in der Ausstellung, Paul Kleinschmidt, kannte dagegen Mangel und Entbehrung. Der Maler wurde als Soldat im Ersten Weltkrieg durch einen Gasangriff an den Augen verletzt. Die Nationalsozialisten verfolgten ihn und seine Kunst.

Selbstbildnis Paul Kleinschmidt  (Foto: SWR, Patrick Lee)
Ein Selbstbildnis von Paul Kleinschmidt (1883 -1949) Patrick Lee

Paul Kleinschmidt lebte mit seiner Familie eine Zeitlang in Ulm, in Blaustein-Klingenstein und in Senden-Ay. Die Ulmer Kunstsammler Martin und Wilhelm Bilger unterstützten ihn. Paul Kleinschmidt floh später mit seiner Familie in die Schweiz, nach Holland, dann nach Frankreich. Vom Überfluss auf seinen Ölgemälden, die jetzt im Museum Ulm hängen, konnte er nur träumen. Auf den Bildern locken leckere Torten in den Auslagen von Konditoreien, mit Fondant überzogenen Baumkuchen und Schalen voller Süßigkeiten. Alles so verführerisch wie auch die üppigen Frauen auf dem Bildern. Stefanie Dathe, die Leiterin des Museums Ulm, erklärt: "Er war ein Mann, der sehr angetan war von vollschlanken Frauen. Auch seine Frau hat diesem Ideal entsprochen."

Zwei Künstler aus zwei Generationen stehen sich in der appetitlichen Ausstellung mit dem Titel "Sonja Ahlhäuser zu Gast im Café Kleinschmidt" gegenüber. In der die Besucher übrigens selbst entscheiden dürfen, ob sie ihre Finger ins Schokoladenbad tauchen und einfach mal naschen.

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