Moritz Kienzle ist Helfer im Ahrtal (Foto: privat)

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe

Helfer aus Ehingen immer noch an der Ahr im Einsatz

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Carola Kührig
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Sarah Umla
Sarah Umla (Foto: SWR)

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe im Ahrtal ist Helfer Moritz Kienzle aus Ehingen (Alb-Donau-Kreis) immer noch vor Ort und packt mit an. Sein Einsatz wird wohl noch eine Weile dauern.

Moritz Kienzle hat ein Eventunternehmen in Ehingen (Alb-Donau-Kreis) und ist zunächst ehrenamtlich ins Ahrtal gefahren, um zu helfen. Später wurde seine Firma dann auch beauftragt, aufzuräumen und zu sanieren.

SWR: Herr Kienzle, Sie sind als freiwilliger Helfer ins Ahrtal gefahren und sind immer noch vor Ort. Wo mussten Sie anfangs überall anpacken?

Moritz Kienzle: Wir haben Schlamm beiseite geschafft, wir haben ein Schulgebäude entkernt. Wir haben auch privaten Haushalten beim Stemmen, Entkernen, Schlammschaufeln geholfen. Büsche rund ums Gebäude hatten teilweise einen Verwesungsgeruch von irgendwelchen Tieren gehabt, weil es im August dann doch sehr warm war.

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Dann hatten Sie natürlich auch Kontakt zu Menschen, die diese Flutkatastrophe erleben mussten. Was haben die Leute Ihnen erzählt?

Die Geschichten kurz nach der Flut, als wir die ersten Wochen da waren, waren natürlich ernst. Etwa dass eine ältere Frau im Erdgeschoss auf einem Küchentisch stand und quasi den Kopf an der Decke hatte. Sie hat gerade noch so Luft bekommen und hat so zwei Stunden lang gewartet, bis das Wasser zurückging. Für die Helferinnen und Helfer und auch für mich war das eine Extremsituation, die man so vorher nicht kannte.

Waren Sie denn von Anfang an in Ahrweiler?

Wir waren direkt in Ahrweiler. Ein Bekannter hatte von mir schon Material und Maschinen ausgeliehen. Als ich dann selbst hochgefahren bin, hatte ich einenTeleskoplader, große Stemmmaschinen, Schubkarren und Wollzeug dabei - so dass sieben oder acht Leute selbstständig arbeiten können, ohne dass sie sich irgendwo Werkzeug suchen müssen.

Sie haben zunächst ehrenamtlich dort gearbeitet und Ihre Geräte zur Verfügung gestellt. Wie kam es denn dazu, dass Sie jetzt eine ganze Firma haben, die aufräumt und Gebäude reinigt?

Wir haben in der Anfangszeit von Corona unsere Firma etwas umstrukturiert und haben viele Montagearbeiten gemacht. Da hat sich das dann daraus entwickelt. Diesen Zweig mit Entkernung in einem Flutgebiet - also eine Firma, die Demontage- und Abbrucharbeiten macht, das geht nicht aus dem Stegreif. Da muss man natürlich viel Geld investieren, dass man da arbeiten kann. Und das haben wir gemacht - und dann kam der Anruf, ob wir Hochdruckreinigungen machen können.

Und das dann als professionelles Unternehmen?

Genau. Wir haben, ohne zu wissen, ob wir einen Folgeauftrag bekommen oder nicht, Hundertausende Euro investiert, um den ersten Auftrag abzuarbeiten.

Wie sieht es jetzt mit Aufträgen aus?

Wir reinigen sämtliche Schulgebäude für den gesamten Kreis. Wir haben da auch professionelle Reinigungsschritte mit Chemiefirmen zusammen, dass wir den Schimmelbefall wegkriegen. Wir wissen nicht, wo anfangen und wo aufhören - so viel ist zu tun.

Was denken Sie, wie lange Sie noch im Ahrtal sind?

Also ich vermute, dass wir auf jeden Fall mit einem Stammteam die nächsten zwei Jahre Arbeit haben.

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