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Rund 100.000 Autos rollen täglich über die marode Adenauerbrücke, die Neu-Ulm und Ulm miteinander verbindet. Ein Neubau ist nötig. Beide Städte wollen sie achtspurig ausbauen - doch es regt sich Widerstand.

"Noch mehr Lärm, noch mehr Verkehr, noch mehr Emissionen und weniger Bäume." Das befürchtet Claudia Spooren beim Gedanken an den Ausbau der Adenauerbrücke. Sie wohnt auf der Ulmer Seite und geht oft in den Ehinger Anlagen in der Nähe der Brücke spazieren. Dort müssen bei einem achtspurigen Ausbau jedoch mehr Bäume gefällt werden als bei einem sechsspurigen.

Deshalb hat Spooren eine Petition gestartet. Über 700 Unterschriften hat sie gegen den Ausbau bereits online gesammelt. "Die Bäume sind im hinteren Teil uralt, die Zweige gehen bis auf die Erde. Das ist einfach ein kleiner Naherholungsraum hier", sagt sie.

Widerstand gegen Ausbau in der Politik

Mittlerweile gibt es auch politischen Widerstand, zum Beispiel von den Grünen in Ulm und Neu-Ulm. Die Neu-Ulmer Stadträtin Cornelia Festl (Grüne) sieht im Neubau einen massiven Eingriff in das Stadtbild. "Wir sind jetzt bei 24 Metern. Der geplante achtspurige Neubau wäre dann bei über 42 Metern", kritisiert sie. Festl bezeichnet die Vergrößerung als extrem.

Trotz der Gegenstimmen ist die Stadtspitze Neu-Ulm derzeit für einen achtspurigen Ausbau, der eben fast doppelt so breit wie die jetzige Brücke wäre, bekräftigt Stadtbaudirektor Markus Krämer. "Das dient einem sicheren und besseren, leichteren Verkehr zwischen den beiden Städten als bisher", sagt er. Derzeit gebe es immer wieder Unfälle. Durch den Ausbau würde der Verkehr flüssiger und die Unfälle würden abnehmen. Das geht aber nur mit acht Spuren, ist sich Krämer sicher.

Stadtbaudirektor verteidigt achtspurigen Ausbau

Auf den ersten Blick wirke das im Bezug auf die Umwelt zwar absurd, gibt der Stadtbaudirektor zu, denn eigentlich wollten sie genau das Gegenteil, aber: "Komischerweise halten wir es trotzdem für richtig, obwohl wir sagen, wir arbeiten an der Verkehrswende, weil wir uns genau damit Optionen offen halten."

Bei sechs Spuren würde der Verkehr außerdem auch nicht weniger, so die Städte Neu-Ulm und Ulm. Dann gäbe es nur wieder mehr Stau. Und bei acht Spuren könnte möglicherweise eine Spur nur für Busse freigemacht werden, wobei das momentan nur eine Idee ist.

Auch der Faktor Geld spielt eine Rolle. Denn nur bei der großen Lösung zahlt der Bund als Bauherr eine Lärmschutzwand, bei sechs Spuren nicht. Im Dezember soll in den Rathäusern beider Städte noch einmal diskutiert werden, wie viele Spuren denn jetzt künftig über die Donau führen sollen.

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