STAND
AUTOR/IN

Der Ulmer Gemeinderat hat am Mittwochnachmittag für den achtspurigen Neubau der Adenauerbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm gestimmt. Gegner hatten eine sechsspurige Variante gefordert.

Die Mehrheit der Stadträtinnen und Stadträte sprach sich dafür aus, die Adenauerbrücke im Zuge des geplanten Neubaus achtspurig anzulegen. Bei dem Beschluss des Gemeinderats handelt es sich allerdings nur um eine Empfehlung an das Bundesverkehrsministerium. Denn der Bund ist für die Brücke über die Donau zwischen Baden-Württemberg und Bayern im Verlauf der B10 zuständig und übernimmt auch die Kosten. Das staatliche Bauamt in Krumbach plant und führt den Bau aus.

Die Adenauerbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm (Foto: SWR, Sarah Umla)
Die Adenauerbrücke von unten: Mit acht Spuren ist sie künfig 42,5 Meter breit. Sarah Umla

Gegenwind für achtspurige Adenauerbrücke auch aus der CDU

Der Entscheidung im Ulmer Gemeinderat war eine gut einstündige Diskussion vorausgegangen. Neben der Grünen-Stadtratsfraktion stimmte auch die CDU-Stadträtin Karin Graf gegen den achtspurigen Ausbau. Graf sagte, es sei zukunftsfähiger, weniger Beton zu verbauen. Die technische Entwicklung gehe in eine andere Richtung. Sie sei sicher, dass der Verkehr auch mit sechs Spuren laufen würde. Auch Karin Hartmann (UfA) schlug sich auf die Seite der Grünen. Sie sehe keinen wesentlichen Vorteil in der Achtspurigkeit.

Der Grünen-Stadtrat Ulrich Metzger sagte, es gehe auch um die Rechte der Bevölkerung der Zukunft. "Das ist eine Entscheidung aus Adenauer-Jahren statt einer des 21. Jahrhunderts", kritisierte Metzger den achtspurigen Ausbau.

Der Ulmer Gemeinderat hat sich in der Sitzung vom 5. Mai 2021 mit knapper Mehrheit für den Neubau der Adenauerbrücke in achtspuriger Ausführung ausgesprochen. Damit besteht nun Einigkeit zwischen Ulm und Neu-Ulm.

Antrag auf Abkürzung der Diskussion

Zuvor hatte Reinhold Eichhorn von der Stadtratsfraktion der Freien Wähler (FWG) einen Antrag gestellt, dass die Diskussion ohne weitere Rednerbeiträge beendet werden sollte. "Es gibt keine neuen Erkenntnisse", sagte Eichhorn. Die Diskussion sei bereits vor sechs Wochen ausgiebig ausgetragen worden. Dieser wurde angenommen. Die vorherigen Wortmeldungen wurden dennoch abgearbeitet.

Baubürgermeister Tim von Winning (parteilos) hatte vor der Diskussion nochmals für die achtspurige Variante geworben. Die Stadtverwaltung könne demnach zwar mit beiden Varianten leben, hält aber die achtspurige Variante für besser. Auch das stand in der Vorlage.

Die SPD-Stadtratsfraktion machte sich in einer Mitteilung deutlich für die achtspurige Variante stark. Etwa würden dadurch die Donauübergänge wie die Herd- und Gänstorbrücke sowie der Innenstadtring entlastet. Außerdem bietet dieser Neubau mehr Flexibilität für künftige Verkehrsverhältnisse - etwa eine Trassenführung einer Straßenbahn in Richtung Wiblingen.

Eigentlich war die Abstimmung schon für Ende März geplant. Doch auf Antrag der Grünen wurde die Entscheidung damals vertagt. Sie sprachen sich für eine Variante mit sechs Spuren aus. Nach der Sitzung hatte es viel Kritik an den Grünen gegeben.

Adenauerbrücke: Diskussion um die Verkehrswende

In der Frage des Neubaus der maroden Brücke entzündete sich ein grundsätzlicher Streit: Es geht um die Verkehrswende und die Frage, was man künftig dem Verkehr opfern und wie viel Platz man ihm geben will. Oder, wie es die Ulmer Stadträtin der Grünen, Lena Schwelling, formuliert: "Bauen wir für die Zukunft, also für eine Mobilität, wie wir sie wahrscheinlich in 30, 40 oder 50 Jahren haben werden? Oder bauen wir für die Vergangenheit, also eine Mobilitätsform, wie wir sie eigentlich ja überwinden wollen?"

Durchgangsverkehr nutzt Brücke als Abkürzung

Für die Mobilitätsform, die Schwelling gerne überwinden würde, sprach sich während der Debatte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ulm, Max-Martin Deinhard, aus: "Die Brücke ist Teil einer der wichtigsten Achsen für die Wirtschafts- und Pendlerverkehre in unserer Region und eine der wichtigsten Zufahrten in die Innenstadt."

Was Deinhard meint: Derzeit nutzen bis zu 100.000 Fahrzeuge die Brücke täglich. Es ist von den drei Brücken über die Donau die am stärksten befahrene Verbindung zwischen Ulm und Neu-Ulm. Sie dient auch dem Durchgangsverkehr, der zum Beispiel von Stuttgart aus in Richtung Österreich fährt und durch Ulm abkürzt, anstatt den Umweg über das Autobahnkreuz Ulm-Elchingen zu nehmen. Denn die Brücke ist Teil der B10/B28, die die A8 mit der A7 verbindet.

Streit um Bäume in den Ehinger Anlagen

Gegen die achtspurige Brücke protestierte auch eine Bürgerinitiative. Deren Sprecherin Claudia Spooren warnte mehrfach im SWR vor noch mehr Verkehr, sollte die Adenauerbrücke auf acht Spuren erweitert werden. Nach ihrer Auffassung passe so ein Großprojekt nicht mehr in die heutige Zeit der Verkehrswende.

Protest-Plakate in den Ehinger Anlagen neben der Adenauerbrücke in Ulm (Foto: SWR, Sarah Umla)
In den Ehinger Anlagen wird der Protest gegen die Rodung der Bäume deutlich. Sarah Umla

Protest regt sich auch in der Bevölkerung. In den Ehinger Anlagen, einem Park, der auf Ulmer Seite an die Brücke stößt, machen Plakate auf Rodungen aufmerksam. Für acht Spuren müssen elf Bäume mehr gefällt werden als für sechs. Der Stadtrat Neu-Ulm hat sein Votum für acht Spuren bereits im Dezember abgegeben.

Acht oder sechs Spuren?

IHK-Chef Max-Martin W. Deinhard spricht sich für acht Spuren aus

IHK-Chef Max-Martin W. Deinhard spricht sich für acht Spuren aus  mehr...

Adenauerbrücke: Grünenfraktion mit Stadträtin Schwelling plädieren für sechs Spuren

Adenauerbrücke: Grünenfraktion mit Stadträtin Schwelling plädieren für sechs Spuren  mehr...

Rückschau

Ulm/Neu-Ulm

Grünen-Stadtratsfraktion beantragt zweite Beratung Entscheidung über Neubau der Adenauerbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm vertagt

Der Ulmer Gemeinderat hat am Mittwochabend die Abstimmung über den sechs- oder achtspurigen Neubau der Adenauerbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm vertagt. Die Grünen-Fraktion, die sechs Spuren favorisiert, hatte zuvor mit einem Antrag auf eine zweite Lesung Erfolg.  mehr...

Ulm

Arbeiten haben am Montag begonnen Fahrbahnen auf der Ulmer Adenauerbrücke werden verändert

Die Fahrbahnen auf der Adenauerbrücke in Ulm werden verändert. Notwendig wird das laut Stadt, um die Brücke befahrbar zu halten, bis der Neubau fertig ist. Die Arbeiten haben am Montag begonnen.  mehr...

Ulm

Reaktionen nach verschobener Abstimmung Adenauerbrücke Ulm: Kritik an den Grünen

Die Blockadehaltung der Grünen bei der Stellungnahme der Stadt zum achtspurigen Ausbau ist scharf kritisiert worden. Am 5. Mai muss sich der Gemeinderat erneut mit dem Thema befassen.  mehr...

Gegner starten Petition gegen achtspurigen Ausbau Streit um Neubau der Adenauerbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm geht weiter

Rund 100.000 Autos rollen täglich über die marode Adenauerbrücke, die Neu-Ulm und Ulm miteinander verbindet. Ein Neubau ist nötig. Beide Städte wollen sie achtspurig ausbauen - doch es regt sich Widerstand.  mehr...

Interview mit dem Ulmer Baubürgermeister Tim von Winning Ulmer Baubürgermeister will große Lösung für Adenauerbrücke

Sechs oder besser gleich acht Spuren? Klar ist nur eines: Die Adenauerbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm muss neu gebaut werden. Der Ulmer Baubürgermeister Tim von Winning plädiert im SWR-Interview für Platz zum Planen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN