Neuer Weltmeister als Zugpferd

Nach Weltcup: Aalen will Mountainbike-Stadt werden

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Frank Polifke
Frank Polifke (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)

Der Weltcup-Sieg von Lokalmatador Simon Gegenheimer war der ideale Startschuss: Aalen will Mountainbike-Metropole werden. Sogar bei der Entwicklung von Ausrüstung und Infrastruktur.

Die beiden Aalener Mountainbike-Manager Weltmeister Simon Gegenheimer und Weltcup-Siegerin Fromberger im Renn-Outfit vor einem großen Werbeplakat zum Weltcup in Aalen. (Foto: LTE Sports-Events)
Sie organisierten aus städtischer Seite mit: die beiden Aalener Mountainbike-Manager Simon Gegenheimer und Weltcup-Siegerin Marin Fromberger LTE Sports-Events

Riesenjubel am Samstagabend vor dem Aalener Rathaus. Zwischen 7.000 und 8.000 Zuschauerinnen und Zuschauer säumen den Innenstadt-Parcours - trotz glühender Hitze. Und erleben ein packendes Schlussduell mit einem Wimpernschlag-Sieg von Lokalmatador Simon Gegenheimer. Besser konnte es nicht laufen, nicht nur für ihn. Auch für Aalen. Die Stadt soll so etwas wie eine Mountainbike-Metropole werden, sagt der Champion, der zudem einer von zwei Mountainbike-Managern der Stadt ist. Der Weltcup ist der Startschuss, doch die Vorarbeiten laufen schon.

"Wir unterstützen Vereine bei der Gründung von Mountainbike-Abteilungen", berichtet Gegenheimer. Drei gebe es bereits. Die Zertifizierung erlaubter Strecken - den "Trails" - sehen die Mountainbike-Manager ebenso als ihre Aufgabe wie die Einrichtung von Treffpunkten, die vom Aalener Unternehmen Merz Objektbau speziell für die Bedürfnisse der Biker entwickelt wurde: der "Bike Pit".

Der Bike Pit Prototyp in Aalen  (Foto: SWR, Frank Polifke)
Der Bike Pit Prototyp in Aalen - hier wird den Mountainbikern geholfen. Frank Polifke

Der "Bike Pit" - eine eierlegende Wollmilchsau

Der Prototyp kann seit Freitag auf dem Aalener Spritzenhausplatz besichtigt werden: Eine multifunktionale Schutzhütte mit überdachter Sitzecke, Werkbank samt Luftkompressor, Erste Hilfe Set mit Defibrillator, E-Ladestation, Waschbecken, Snack- und Getränkeautomat - und Marcel Reiser vom Weltcup-Mitveranstalter Alpen-Bike-Academy weist besonders auf den "Schlauchomat" hin. "Im Prinzip können hier alle gängigen Radgrößen bestückt werden", erklärt er und deutet auf das in die Hüttenwand integrierte und an einen Zigarettenautomaten erinnernde Gerät. Im Fall eines Plattens kann man hier gegen Entgelt einen neuen Schlauch "ziehen".

Ein Automat in Aalen, an dem Fahrradschläuche gezogen werden können. (Foto: SWR, Frank Polifke)
Wer einen Platten hat, dem wird hier geholfen: Ein Automat für Fahrradschläuche. Frank Polifke

Die ersten beiden Bike Pits sollen demnächst an Mountainbike Trails rund um Aalen aufgestellt werden. Sind die "multifunktionalen Schutzhütten", so ihre offizielle Bezeichnung, erst mal in Betrieb, soll eine "Biker-Patrouille" des DRK an Wochenenden und anderen Tagen mit erwartungsgemäß vielen Nutzern die Bike Pits abfahren und die Ausrüstung kontrollieren und ergänzen.

Aalenerinnen und Aalener sollen das Rad entdecken

Egal ob als Sportgerät oder umweltfreundliches Verkehrsmittel: Die Aalenerinnen und Aalener sollen fürs Rad begeistert werden. Das hat sich Oberbürgermeister Frederick Brütting (SPD) auf die Fahne geschrieben - es war auch Thema seines Wahlkampfs. Neue Mountain Bike-Strecken gehören dazu, aber auch Radschnellwege. "Unsere Überlegung war nicht mit erhobenem Zeigefinger zu sagen: Lasst euer Auto stehen, sondern Lust aufs Fahrrad fahren zu machen. Ein positiver Ansatz", so Brütting.

Auch die Hochschule springt auf den Zug auf

Nicht nur regionale Unternehmen haben den Fahrrad-Trend für sich entdeckt. Auch die Hochschule Aalen Technik und Wirtschaft. Mehrere Abteilungen entwickeln Räder oder Ausrüstung. Beispiele wurden am Rand des Weltcups an einem Stand präsentiert: Die Fachrichtung "Kunststofftechnik und Leichtbau" zeigt Anbauteile aus dem 3D-Drucker, individuell an den Körperbau angepasst: Sattel, Pedale, Flaschenhalter, Kettenführung und nicht zuletzt Handgriffe - ergonomisch und an die Biker-Hand angepasst. Basis ist ein Abdruck aus Knetmasse, der wird digitalisiert und anschließend gedruckt

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Ein Fahrrad aus dem 3D-Drucker der HS Aalen (Foto: SWR, Frank Polifke)
Die Hochschule Aalen springt auf den Zug auf: Das Mountainbike ist zumindest teilweise aus dem 3-D-Drucker Frank Polifke

Und wer schon Blut geleckt hat aber in Sachen Mountainbiken noch blutiger Anfänger ist, für den hat Weltcup-Gewinner Simon Gegenheimer einen Tipp: Auf dem "Kocher-Family-Campus" im Aalener Stadtteil Unterkochen kann man sich in Kürze fit machen. Einem Park, in dem sich Mountain Bike-Neulinge die Grundlagen erarbeiten können. "Mit verschiedenen Elementen, mit denen man sich etwa Balance oder Fahrtechnik antrainieren kann."

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