Wie standsicher sind eigentlich noch die Grabsteine auf den Friedhöfen Aalens (Ostalbkreis)? Um das zu klären, hat die Stadt einen externen, zertifizierten Bauwerksprüfer eingesetzt. Er und sein Assistent haben jedes einzelne der rund 7.000 Grabmale überprüft. Dafür haben sie zwei Tage gebraucht. 74 Grabmale wurden beanstandet - das sei ein gängiger Anteil von einem bis zwei Prozent, so Bauwerksprüfer Ingo Beuker.
Kipp-Tester für Prüfung der Grabmale auf Aalener Friedhöfen
Um herauszufinden, ob ein Grabstein noch sicher steht, braucht der Prüfingenieur auch eigene Muskelkraft. Trotz eines kleinen Vermessungsgeräts - eines Kipp-Testers: ein Rohr, etwa so lang wie ein Fernglas, links und rechts zwei fahrradähnliche Griffe. Der Kipp-Tester funktioniert mit schierer Körperkraft: Beuker drückt ihn gegen den Grabstein, manchmal mit Unterstützung des Unterleibs.

Leuchtendgelbe Warnhinweise für Wackelkandidaten
Die meisten der rund 7.000 Grabmale auf den elf Friedhöfen Aalens lassen sich von der Rüttelei durch das Gerät nicht beeindrucken. 74 allerdings wackeln, einer sogar direkt bei der ersten Berührung. Für diesen braucht es auch keinen Kipp-Tester mehr. Ein solcher Stein ist allerdings eine seltene Ausnahme.
An die Wackelkandidaten werden leuchtendgelbe Hinweise geheftet mit der Aufschrift "Vorsicht, Unfallgefahr!" und Informationen darüber, was der "Nutzungsberechtigte" des Grabes nun zu tun hat: nämlich "unverzüglich", das heißt innerhalb von vier Wochen, einen Steinmetz zu informieren, der das Grabmal wieder standfest macht. Bei besonders wackeligen Steinen sogar innerhalb von zwei Wochen.
Externe Prüfung für die Unabhängigkeit
Ingo Beuker und sein Assistent sind aus dem niedersächsischen Nordhorn auf die Ostalb gekommen. Manche Kommunen rütteln selbst an den Grabsteinen. Die denunzierenden gelben Klebezettel sorgen aber auch schon mal für böses Blut: Manche beanstandeten Grabnutzer wittern Absicht seitens der Verwaltung, daher engagieren Kommunen auch externe Firmen.

Normalerweise prüft Ingo Beuker größere Bauwerke, Brücken zum Beispiel. Mehrere Tage war er nun in Aalen am Werk. Die "Bauwerke" auf den Friedhöfen sind vielleicht weniger imposant, doch wenn sie dem unbedarften Friedhofgänger auf den Zeh fallen, schmerzt es dennoch. Um solche Folgen zu vermeiden, lässt die Friedhofsverwaltung jedes Jahr im Frühling die Grabmale überprüfen.
Winter hinterlässt Spuren
Die Jahreszeit ist bewusst gewählt, denn es ist der Winter, der den Steinen zu schaffen macht. Fließt Wasser in die Ritzen und gefriert, können die Grabmale und ihre Verankerung im Boden beschädigt werden - das Grabmal wird wackelig.