Prozess geht im Oktober weiter Kritiker sprechen von "Zermürbungstaktik" im Tolu-Prozess

Am Donnerstag wurde erneut gegen die Ulmer Journalistin Mesale Tolu und auch ihren Mann wegen Terrorvorwürfen verhandelt. Prozessbeobachterin Margit Stumpp (Grüne) geht von einer Verurteilung aus.

Die Verhandlung am Donnerstag war schnell zu Ende, ein lang erwarteter Zeuge wurde doch nicht gehört. Kritiker sprechen von einer Zermürbungstaktik. Prozessbeobachterin Margit Stumpp (Grüne) geht von einer Verurteilung der Eheleute aus. Es ginge allein schon darum, dass die Angeklagten nach ihrer Untersuchungshaft keine Wiedergutmachungsansprüche stellen könnten.

Mesale Tolu blieb am sechsten Verhandlungstag in Deutschland, ihr Mann Suat Corlu reiste zum Prozss nach Istanbul. Schon bei der Einreise in die Türkei sei ihm der Pass abgenommen worden, berichtete Mesale Tolu. Es habe geheißen, dass die Ausreisesperre schon am 17. Mai verhängt worden sei, so Tolu nach dem Prozess am Donnerstagvormittag. Darüber seien sie weder informiert worden, noch wurde die Ausreisesperre jetzt begründet.

"Daher versuchen eigentlich die Regierung und die Justiz, es immer weiter hinauszuzögern bis die Öffentlichkeit abnimmt."

Mesale Tolu, Journalistin aus Ulm
Dauer

Prozessbeobachterin Margit Stumpp sprach am Donnerstag in Istanbul von einem harten Rückschlag. Dass der nächste Verhandlungstag erst im Oktober sei, bedeute, dass der psychische Druck auf alle Beteiligten steige.

"Die gesamte Anklage beruht auf dem geheimen Zeugen, aber trotz unserer Forderungen wurde er nicht angehört. Wie kann es seit vier Monaten ein technisches Problem geben?"

Suat Corlu, ebenfalls angeklagter Ehemann Tolus

Auch Suat Corlu vermutete im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur, dass es nur darum gehe, den Prozess in die Länge zu ziehen.

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