Landgerichtsgebäude in Ulm (Foto: SWR)

Urteil des Landgerichts Ulm angefochten Revision gegen Urteil im Erbacher "Blutrache"-Prozess

Die Verteidigung akzeptiert das Urteil im sogenannten "Blutrache"-Prozess nicht. Das Landgericht Ulm hatte den Angeklagten wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Mit der Revision macht die Verteidigung des Angeklagten wahr, was sie direkt nach dem Prozess am Landgericht in Ulm vorigen Mittwoch angekündigt hatte. Nach Angaben eines Gerichtssprechers hat sie das Urteil angefochten. Nun muss sich der Bundesgerichtshof mit dem Fall beschäftigen.

Wer führte die tödlichen Schläge aus?

Der Angeklagte war zu lebenslanger Haft verurteilt worden, weil er einen 19-Jährigen wegen einer Jahrzehnte alten Familienfehde mit acht Hammerschlägen ermordet und in einem Anglersee bei Erbach (Alb-Donau-Kreis) versenkt haben soll. Nach Überzeugung der Verteidigung führte jedoch ein noch unbekannter Dritter die tödlichen Schläge aus.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Vor Herbst werden die Prozessunterlagen vermutlich nicht bei der nächsten Instanz eingehen. Der Angeklagte bleibt in Untersuchungshaft, so der Sprecher des Gerichts.

Sicht der Staatsanwaltschaft

Die Richter waren mit ihrem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt. Demnach soll der Angeklagte zusammen mit einem Komplizen einen 19-jährigen Albaner nach Erbach gelockt, mit einem Hammer getötet und in einem Anglersee versenkt haben. Die Schuld des Angeklagten, der in Göppingen eine Autowaschanlage betrieb und vor einigen Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft bekam, sei in "akribischer Polizeiarbeit" nachgewiesen worden, so Richter Gugenhan zum Abschluss des Indizienprozesses.

Dauer

Prozess dauerte fast ein Jahr

Fast ein Jahr dauerte die Gerichtsverhandlung, in der die Verteidigung immer wieder darauf abzielte, dass ein bislang Unbekannter der Haupttäter gewesen sei. Nach ihm wird immer noch gefahndet. Ihr Mandat habe lediglich "Handlangerdienste" für den flüchtigen eigentlichen Täter geleistet - einen als "Don" bezeichneten Auftragskiller aus Albanien, so die Verteidigung. Der Richter erklärte hingegen, es sei unerheblich, ob der Angeklagte oder der andere Mann die tödlichen Hammerschläge ausgeführt habe. Beide hätten in klarer Mordabsicht gehandelt.

Ulm: Im Landgericht steht eine Ermittlungsakte der Kriminalpolizei mit der Aufschrift "Mord". (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Rund zwei Jahre nach dem Mord an einem jungen Albaner in Deutschland verkündete das Landgericht Ulm am Mittwoch das Urteil. Picture Alliance

Motiv war Blutrache

Motiv für den Mord, so das Gericht, sei Blutrache zwischen zwei verfeindeten albanischen Familien gewesen gewesen. Laut Gugenhan begann die Spirale von Rache und Vergeltung, die zum Mord an dem 19-jährigen Xhoi M. geführt habe und der bereits mehrere Menschen zum Opfer gefallen seien, bereits im Jahr 2000. Damals wurde in der albanischen Region Elbasan ein Mann im Streit um Schulden auf offener Straße erschossen. Der Täter sitzt seit Jahren in Albanien im Gefängnis.

Neffe wurde Opfer der Familienfehde

Der im April 2017 bei Erbach getötete Albaner war ein Neffe dieses Mannes. Auch der Verurteilte war laut Anklage durch verwandtschaftliche Beziehungen von der Fehde betroffen. Dass dem jungen Mann nach den Regeln des alten albanischen Gewohnheitsrechts "Kanun" ein Rachemord drohte, sobald er volljährig sein würde, war seiner Familie bewusst. Vor der tödlichen Gefahr war die Mutter mit ihm und einem jüngeren Bruder zunächst nach Griechenland und dann nach Deutschland geflohen.

Täter fanden ihr Opfer über Facebook

Sie lebten nach der Flucht in Steinfurt (Nordrhein-Westfalen) und kamen dort in ein Zeugenschutzprogramm. Auf den Aufenthaltsort des 19-Jährigen sollen der oder die "Blutrache"-Mörder durch dessen Eintragungen auf Facebook aufmerksam geworden sein.

Live-Schaltung ins Gericht und Dummy-Test am Anglersee

Während des spektakulären Prozesses gab es unter anderem eine Live-Schaltung in ein Gefängnis in Albanien für eine Zeugenaussage. Außerdem stellten Polizeibeamte am Tatort, dem See bei Erbach, mit einem Dummy die Tat nach.

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