Europäische Impfwoche Ulmer Wissenschaftler: Impfpflicht umstritten

Ist eine Impfpflicht sinnvoll oder nicht? Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Professor Thomas Mertens aus Ulm, spricht sich zum Auftakt der Europäischen Impfwoche nur bedingt dafür aus.

Professor Thomas Mertens wählt die Worte mit Bedacht. Impfpflicht einführen? Das sei Sache der Politik. Es gebe allerdings "wenig wissenschaftliche Basis, ob man eine Impfpflicht einführen sollte oder nicht." Klar positionieren will sich der Ulmer Wissenschaftler mit dem Vollbart und der Brille mit den runden Gläsern deswegen in dieser Frage nicht.

Dauer

Ein Problem bei einer möglichen Masernimpfpflicht: Die jungen Erwachsenen, die nach 1970 geboren wurden, könne man damit nicht erreichen. Außerdem gebe es rund ein bis zwei Prozent "harte Impfgegner" in Deutschland, denen man mit einer Impfpflicht ein Forum für große Diskussionen bieten würde. Die Frage sei außerdem: Welche Impfungen sollten überhaupt verpflichtend sein?

Impfpflicht in Frankreich

Auf der anderen Seite könne in Frankreich beobachtet werden, dass die Durchimpfungsquote seit Einführung der Impflicht gestiegen sei, erklärt Mertens. Seit 2018 müssen Eltern ihre Kinder im Nachbarland gegen Masern und zehn weitere Krankheiten impfen lassen. Nur dann können sie eine Kita besuchen. Derzeit gebe es in zwölf europäischen Ländern eine Impfpflicht.

Nach Meinung von Professor Mertens ist es sinnvoller, zum Thema Impfen die Ärzte und die Öffentlichkeit zu informieren und aufzuklären. Denn wer gut informiert sei, sei besser in der Lage, eine sinnvolle Entscheidung zu treffen.

Professor Thomas Mertens aus Ulm (Foto: Universitätsklinikum Ulm, Stefanie Moeloth)
Professor Thomas Mertens aus Ulm spricht sich zum Auftakt der Europäischen Impfwoche nur bedingt für eine Impfpflicht Universitätsklinikum Ulm, Stefanie Moeloth

Informationsveranstaltungen in der Region

Über Impfungen informieren kann man sich im Rahmen der Europäischen Impfwoche zum Beispiel im Foyer des Neu-Ulmer Landratsamtes. Im Kreis Heidenheim macht das Gesundheitsamt einen Impfbuchcheck bei Flüchtlingen und Asylbewerbern. Der Fachbereich Gesundheit am Dillinger Landratsamt bietet Beratungsgespräche an. Außerdem gibt es beim gemeinsamen Fachdienst Gesundheit der Stadt Ulm und des Alb-Donau-Kreises auch außerhalb der Europäischen Impfwoche nachmittags eine telefonische Impfberatung.

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