Umstrittenes Video mit Nazidarsteller Demokratiezentrum: Stadt Ulm soll Kampagnenfilm löschen

Der Kampagnenfilm der Stadt Ulm mit einem Nazidarsteller findet immer mehr Kritiker. Das Video müsse in den sozialen Netzwerken gelöscht werden, erklärte jetzt auch das Demokratiezentrum.

Das von Land und Bund finanzierte "Demokratiezentrum Baden-Württemberg" in Stuttgart empfiehlt der Stadt Ulm, den Film zu ändern oder auf ihn zu verzichten. Der Film gehe nicht kritisch genug mit dem Phänomen des Rechtsextremismus um, erklärte Mathieu Coquelin von der Fachstelle Extremismusdistanzierung.

Keine Einordnung des Nazi-Darstellers

Das tätowierte Symbol der schwarzen Sonne auf dem Hals eines Darstellers weise eindeutig einen Bezug zum Nationalsozialismus auf, da gebe es keinen Deutungsspielraum. Die Person des Nazi werde nicht eingeordnet. Sie werde genauso normal als Teil der Gesellschaft abgebildet wie die alte Frau, der Oberbürgermeister und der Mensch mit der Behinderung.

"Es gibt keinerlei kritische Auseinandersetzung und das ist durchaus als problematisch zu bewerten"

Mathieu Coquelin, Demokratiozentrum Baden-Württemberg
Eine Tätowierung mit einer schwarzen Sonne auf dem Nacken eines Mannes (Foto: Ulm - Deine Stadt auf YouTube)
Die schwarze Sonne ist zwar nicht verboten, zählt aber zu den Symbolen rechtsextremer Kreise (Screenshot aus dem Werbefilm) Ulm - Deine Stadt auf YouTube

Zuletzt hatte sich wegen der anhaltenden Kritik einer der Sponsoren des Films, der israelische Pharmakonzern Teva mit seiner Ulmer Marke ratiopharm, dagegen gewehrt, dass sein Logo im Abspann gezeigt wird. Die Stadt hatte daraufhin die Liste der Sponsoren im Video gelöscht. Sie hält aber weiterhin an dem Film fest. Die aktuelle Diskussion zeichnete am Donnerstagabend auch die SWR-Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg" nach. Der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch weist darin den Vorwurf zurück, dass Rechtsextremismus durch den Film als Teil der Vielfalt verstanden werden könnte. Man müsse aber auch mit denen reden, die für Rechtspopulismus zugänglich sind.

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