"Blutrache"-Prozess vor dem Landgericht Ulm Angeklagter weist Vorwürfe von sich

Am ersten Verhandlungstag im so genannten "Blutrache"-Prozess in Ulm hat der Angeklagte alle Vorwürfe zurückgewiesen. Er soll einen 19-Jährigen mit einem Hammer getötet haben.

Es handele sich weder um Blutrache, noch sei er an dem Mord beteiligt gewesen, hieß es in einer Erklärung, die einer der Anwälte des Angeklagten am Montagnachmittag verlesen hat. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Sie will beweisen, dass er einen 19-jährigen Albaner mit neun Hammerschlägen getötet hat. Die Leiche des jungen Mannes war nach der Tat in einem Anglersee in Erbach (Alb-Donau-Kreis) versenkt worden.

Als Motiv für die Tat vermutet die Staatsanwaltschaft einen Racheakt für eine Tat, die bereits 18 Jahre zurückliegt und die in Albanien verübt wurde.

Dauer

"Heimtückisch und aus niederen Beweggründen"

Das Opfer aus dem Anglersee soll ein Neffe des damaligen Täters gewesen sein. Der Ulmer Oberstaatsanwalt Christof Lehr sagte zum Auftakt vor Gericht, der Beschuldigte habe den jungen Mann mit Hilfe eines - bislang noch flüchtigen - Mittäters im Mai 2017 "heimtückisch und aus niederen Beweggründen" getötet.

Der Angeklagte, der auch die deutsche Staatsbürgerschaft hat und zuletzt in Göppingen wohnte, bestreitet die Vorwürfe. Er räumte aber in einer von seinem Anwalt vorgetragenen Erklärung ein, dem flüchtigen Mann bei der Vorbereitung einer Straftat behilflich gewesen sein.

Angeklagter will nichts von Mord gewusst haben

In Baumärkten will der Angeklagte für den als Don bezeichneten angeblichen Haupttäter unter anderem eine Plane, Gewebeband, Draht und einen Betonsturz besorgt haben, ohne zu wissen, dass damit eine Leiche verpackt werden sollte. Den als Tatwaffe verwendeten Hammer habe er nicht beschafft. Er sei zunächst davon ausgegangen, dass es um ein Drogengeschäft gehe.

Erst viel später will er erkannt haben, dass ein Menschen getötet werden sollte. "Ich habe noch versucht, den Don im letzten Moment von dem Vorhaben abzuhalten", heißt es in der schriftlichen Erklärung des Angeklagten. "Dies ist mir aber nicht gelungen."

Dauer

Für den Prozess sind zunächst acht Verhandlungstage angesetzt worden. Das Gericht hat zudem 25 weitere Tage reserviert. Mit einem Urteil wäre dann erst im Januar 2019 zu rechnen.

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