Stuttgarter Anwalt des Flüchtlings aus Togo Tausende Hassbotschaften - jeden Tag

Einem Stuttgarter Anwalt, der Flüchtlinge vertritt, schlägt derzeit eine Welle des Hasses entgegen. Zuletzt hatte er den Flüchtling aus Togo vertreten, der in der Unterkunft in Ellwangen lebte.

Er bekomme momentan 3.000 Hassbotschaften pro Tag, bestätigte Engin Sanli am Mittwoch dem SWR. In einer Mail habe es geheißen: "Wir werden dich töten, Volksverräter". Außerdem hatten ihm Unbekannte mit einer Autobombe gedroht. Zuvor hatte der Evangelische Pressedienst (epd) darüber berichtet.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Anzeigen gegen unbekannt

Der Anwalt aus Stuttgart habe die Polizei eingeschaltet und mehrere Anzeigen gegen unbekannt erstattet. Sanli vertritt nach eigenen Angaben derzeit rund 150 Fälle von Asylbewerbern.

Nachdem bekannt wurde, dass er den Flüchtling aus Togo vertrete, hätten ihn Nutzer außerdem bei Bewertungsportalen herabgestuft.

Kritik an CSU-Politiker Dobrindt

Der Vorsitzende des Deutschen Anwaltvereins, Ulrich Schellenberg, übte am Mittwoch scharfe Kritik an Äußerungen des CSU-Politikers Alexander Dobrindt, der Juristen als "Abschiebe-Saboteure" bezeichnet hatte. Damit werde das gesellschaftliche Klima vergiftet. Jeder habe das Recht, Behördenbescheide auf ihre Rechtmäßigkeit überprüfen zu lassen.

Der Fall des 23-jährigen Asylbewerbers, der in der Landeserstaufnahmestelle in Ellwangen untergebracht war, hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Nachdem Ende April ein erster Abschiebeversuch zunächst am Widerstand anderer Migranten scheiterte, war die Polizei mit einem Großaufgebot nach Ellwangen zurückgekehrt und hatte ihn festgenommen.

Der Anwalt hatte zuletzt versucht, die Abschiebung noch mit einer Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe zu verhindern. Das misslang allerdings. Der Flüchtling wurde am Dienstag nach Italien abgeschoben.

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